Olaf Brinkmann:
Karrieren made by HRW. In dieser Folge: Maschinenbau an der HRW. Mehr als nur Technik.
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Karrieren made by HRW, dem Podcast, in dem ihr erfahrt, was mit einem Studium an der Hochschule Ruhr West alles möglich ist. Heute geht es um einen Studiengang, der in fast jeder Branche eine zentrale Rolle spielt. Ein Studiengang, der dafür sorgt, dass Maschinen funktionieren, Prozesse effizienter werden und Innovation überhaupt erst möglich ist. Denn egal ob Energieversorgung, Produktion, Mobilität oder Medizintechnik, überall steckt Maschinenbau drin. Stellt euch vor, ihr entwickelt smarte Roboter oder Bauteile für große Industrieanlagen. Ihr sorgt dafür, dass Systeme effizienter laufen. Oder ihr arbeitet an Lösungen, die unsere Welt nachhaltiger machen. Genau darum geht es im Bachelorstudiengang Maschinenbau an der Hochschule Ruhr West, den ihr Vollzeit- oder Dualstudieren könnt. Ich bin Olaf Brinkmann und über diesen vielseitigen Studiengang spreche ich heute mit zwei Gästen, die ganz unterschiedliche Perspektiven mitbringen. Zum einen Malte Kanngießer, Alumnus der HRW, heute im Bereich Projektmanagement tätig. Und zum anderen Rabia Cosar, die aktuell Maschinenbau studiert und ihren ganz eigenen Weg in dieses Studium gefunden hat. Herzlich willkommen Malte und Rabia, schön, dass ihr da seid.
Rabia, lass uns mal mit dir direkt starten. Du studierst gerade Maschinenbau, in welchem Semester bist du und was hat dich dazu bewegt, genau diesen Studiengang zu wählen?
Rabia Cosar:
Ich studiere jetzt im vierten Semester Maschinenbau und bin ehrlich gesagt durch eine Klassenkameradin auf diesen Studiengang gekommen, weil sie erzählt hatte, dass ihr Freund Bachelor und Master Maschinenbau studiert hat und ja, das hat mich dann so ein bisschen dazu motiviert.
Olaf Brinkmann:
Viele denken beim Maschinenbau sofort an große Maschinen, an Schrauben und Technik. Malte, du hast den Studiengang ja bereits abgeschlossen. Was steckt denn aus deiner Sicht dahinter? Was macht Maschinenbau inhaltlich wirklich aus?
Malte Kanngießer:
Also kurze Antwort ist, hätte ich gesagt, das lösungsorientierte Denken. Also wie gehe ich mit Problemen um? Wie komme ich zu einer Lösung? Und das auf ganzer Bandbreite.
Olaf Brinkmann:
Und Rabia, wie erlebst du den Studienalltag ganz konkret? Ist das eher Theorie oder merkst du schon, wie nah das Ganze an der Praxis ist?
Rabia Cosar:
Also für mich ist das noch viel Theorie. Praxis habe ich da jetzt noch nicht viel gesehen. Natürlich ab und zu gibt es da Module, wo man da ein Praktikum oder sowas absolviert, aber ansonsten ist das eher theorielastiger.
Olaf Brinkmann:
So und ich habe es eingangs schon gesagt, dein Weg ins Studium, Rabia, war ja nicht unbedingt der klassische gerade Weg und genau das macht es so spannend. Erzähl mal, wie bist du denn im Maschinenbau gelandet?
Rabia Cosar:
Ich habe vorher eine kaufmännische Ausbildung gemacht und nach der Ausbildung habe ich dann gesagt, das erfüllt mich nicht ganz, ich möchte was anderes machen und habe mich dann neu orientiert und mich gefragt, was möchte ich denn studieren? Und meine Klassenkameradin hatte dann erzählt, mein Freund hat Maschinenbau studiert und hat sie mir ein bisschen was darüber erzählt und dann dachte ich, okay, hört sich eigentlich ganz spannend an, obwohl ich damit gar keine Berührungspunkte hatte. Und ja, dann habe ich mich informiert auch an Info-Veranstaltungen teilgenommen und da und hier mal was gehört und dachte mir, okay, ich möchte das versuchen, ich möchte da einsteigen, also ich möchte das auf jeden Fall mal ausprobieren und ja, bin auch zufrieden, so wie es jetzt ist.
Olaf Brinkmann:
Malte, erinnerst du dich noch an deine ersten Wochen im Studium? Was war damals vielleicht überraschend oder auch herausfordernd?
Malte Kanngießer:
Also da, um den Hintergrund einzusortieren, ich habe das als duales Studium gemacht. Von damals noch Siemens AG hier in Mühlheim, aber jetzt die Siemens Energy, wo ich weiterhin tätig bin. Und entsprechend waren die ersten Wochen sehr aufregend in alle Richtungen. Klar, die Umgewöhnung, ehrlich gesagt, der hohe Freiheitsgrad. Man ist ja klar gezwungen, sich selbst zu organisieren. Für mich, würde ich sagen, hat gut geklappt, aber dennoch, es ist halt ein ganz anderes Leben, als man es vorher aus der Schule kennt. Aber ganz klar muss ich auch sagen, super. Also, das in kurz. Das Studentenleben, wenn ich jetzt die Gelegenheit hätte, ich würde es nochmal gerne machen.
Olaf Brinkmann:
Und du arbeitest heute als Program Manager Technical Issues. Kannst du mal kurz erklären, was steckt dahinter? Was genau machst du heute?
Malte Kanngießer:
Okay, also ich denke, den Begriff, den wir genommen haben, Projektleitung, der ist erstmal ein guter Umriss, weil der Begriff Programm bei uns einfach noch eine Sonderform bezeichnet. Es geht nämlich dabei darum, dann sich mit einfach Problemen, die sie halt einfach auftreten. Überall kennt man natürlich aus dem Automobilbereich, vielleicht Thema, wenn man Bremsen vielleicht ein Problem hat und im Carflex-Bereich gibt es solche Sachen natürlich auch. Da ist natürlich die Größenordnung dann noch etwas größer. Und um dann in der Lage zu sein, diese Sachen wirklich in einer strukturierten Art und Weise aufzuarbeiten, aufzulösen und immer mit Blick auch darauf, dass das zum besten Interesse des Kunden ist und dadurch natürlich auch zum eigenen Unternehmen, gibt es dann diese Programme, wo ich dann als Leiter dem vorstehe, um dann die Aktivitäten, die dann in alle Bereiche gehen, auszusteuern, sowohl in das Team rein als auch dann Richtung Management, die Interessenvertreter, die alle da sind.
Olaf Brinkmann:
Und kannst du sagen, wo dir dein Wissen aus dem Studium heute noch ganz konkret im Job begegnet oder hilft?
Malte Kanngießer:
Ich würde sagen, tatsächlich die Umgangsweise, dieses bedingt durch das Strukturierte, wie gehe ich mit einfach Problemstellungen an und dass man, auch wenn ich nicht der Experte bin natürlich, im Produktbereich, ich habe zumindest immer eine Möglichkeit mitzureden. Man ist vor allem in der Lage, Fragen zu stellen. Und das ist ganz entscheidend, um den Dialog aufrecht zu erhalten und dadurch einfach herauszufinden, sind wir auf einem guten Weg, habe ich einfach Bedarf oder ich glaube, wir brauchen mehr Hilfe. Und dieses Fragenstellen, dieses Grundwissen zu haben, ein Grundverständnis zu haben, ein breites, um einfach mitreden zu können, das ist ganz entscheidend mittlerweile.
Olaf Brinkmann:
Welche Möglichkeiten haben Absolventinnen und Absolventen denn im Maschinenbau? Kannst du Beispiele machen, wo kann die Reise mit dem Studium hingehen?
Malte Kanngießer:
Ich würde sagen, überall hin, ehrlich gesagt. Die klassischen Automotive, natürlich Energiebereich, aber man ist so gut eigentlich nach dem Studium darin ausgebildet, wie man mit Problemstellungen umgeht und das würde ich mal unterstellen, solche Personen etwa auch im Bereich des Business Consulting unterwegs sind, weil die Denkweise ja eine ganz andere ist, die man einbringt. Also Maschinenbau offensichtlich Technik, aber der Schlüssel ist ehrlich gesagt sehr groß, weil man doch was sehr Spezielles mit sich bringt. Und ich glaube, das muss man sogar noch ergänzen sagen, dieses Brand Deutscher Ingenieur wiegt doch noch mehr, als man glauben mag. Das merke ich in meinem Alltag einfach. Da werden schon große Stücke drauf gehalten, dass Qualität wirklich made in Germany ist aus dem Bereich Maschinenbau.
Olaf Brinkmann:
Was sagst du denn, welche Fähigkeiten brauchen Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger aus deiner Sicht heute vielleicht auch über das rein Technische hinaus?
Malte Kanngießer:
Also Neugierde, das mag jetzt so pauschal klingen, aber ich denke, das Schwierigste wäre, so passiv zu sein, einfach wirklich Interesse da haben, auch reingehen, sich auch trauen. Ich denke jetzt mal ganz konkret, Stellenanzeigen sind ja oftmals so speziell, dass man sich ganz oft fragt, wie soll ich das denn leisten können? Wie soll ich das bringen?
Und das ist auch meistens, das ist halt ein Profil und einfach zu sagen, das klingt gut, ich kann mir das vorstellen und dann zu sagen, ich bewerbe mich darum. Im besten Fall kommt mal rein und sagt, ich bin neugierig, weil was ich für mich sagen kann ist, Studium ist das eine, es ist auch wichtig, aber man lernt dann in dem Beruf wahnsinnig viel, weil das Fachwissen, das kann man vorher nicht haben und dann eher offen sein, neugierig sein und dann Gas geben. Idealerweise, wenn man was gefunden hat, wo man sagt, das reizt mich richtig und darüber lernt man am besten.
Olaf Brinkmann:
Rabia, was motiviert dich denn diesen Weg zu gehen? Was treibt dich an?
Rabia Cosar:
Also was mich persönlich auch antreibt war, dass ich weiß, dass das wirklich, wie Malte schon gesagt hat, sehr breit gefächert ist und Maschinenbau sehr vielseitig ist. Es gibt sehr viele Richtungen, die man einschlagen kann und man ist nicht so, also man muss nicht unbedingt direkt das machen, wie jetzt in meiner Ausbildung, dass man dann diesen Beruf machen muss, sondern kann in verschiedenste Bereiche reinschnuppern und sagen, das liegt mir oder das liegt mir nicht. Und genau das habe ich eigentlich gesucht und das hat mich auch ein bisschen gereizt, ehrlich gesagt.
Olaf Brinkmann:
Und Malte nickt.
Malte Kanngießer:
Ja, genau, also vielleicht darf ich da sogar kurz dran anschließen, weil du hattest jetzt ja mal eine aktuelle Position gesagt und auch wenn ich jetzt immer bei dem einen Arbeitgeber war, ich war ganz anfänglich im sogenannten Neuerlagen, wirklich Engineering gewesen. Also schon sehr nah dran, einfach an Engineering selber. Bin dann gewechselt für zwei Jahre in den Vertrieb, wo das ein Mix wirklich aus Kunden, Kommunikation war, auch vor Ort, da war ich auch in Asien gewesen, Angebote geschrieben. Lernt man jetzt nicht im Studium unbedingt, aber es ist, was immer wieder reinspielt, ist dieses technische Verständnis, weil mit einem technischen Produkt, es gibt immer Fragen, wenn es ein Produkt gibt, gibt es immer Fragen, die da differenzieren. Und als Maschinenbauer, vor allem, wenn man dann noch sagt, ich habe Spaß an Technik, aber ich werde kein Vollblutingenieur, ich sage, ich möchte gerne so beide Welten verbinden, die technische und nicht technische, hast du immer den Vorteil, du verstehst die Technik und du kannst mit Zahlen im besten Fall. Das hilft dahin hinaus. Umgekehrt wird das oftmals gerne mal schwieriger und da hat man als Maschinenbauer einfach einen riesen Vorteil. Und jetzt bin ich im Projektmanagement, was nochmal wieder ein ganz anderer Bereich ist, ganz andere Kompetenzen fordert, aber alles auf Grundlage von Maschinenbaustudien.
Olaf Brinkmann:
So, und dann übergebe ich doch jetzt mal das Zepter an Rabia. Du hast jetzt die Gelegenheit, Malte zu fragen, was auch immer dich interessiert.
Rabia Cosar:
Also mich würde interessieren, wie du jetzt herausgefunden hast, in welche Richtung du gehen möchtest oder jetzt in der Richtung, wo du bist, dass du damit zufrieden bist. Also wie hast du das für dich herausgefunden?
Malte Kanngießer:
Gute, wertvolle Frage. Zum einen, wichtig, ich habe mir schon relativ früh, nachdem ich unterwegs war, einen Mentor gesucht, um mich mit dem einfach mal austauschen zu können. Weil, ehrlich gesagt, wenn bitte 20, ich finde auch so ein bisschen einfach die Vorstellung, man hat ja eine Idee. Und jemand, der 20, 25 Jahre weiter ist, der hat natürlich schon viel gesehen, kann seine Erfahrungen teilen und einem helfen, so ein bisschen einzusortieren. Und dann ging es nicht um die Position, sondern es ging um die Frage der Kompetenzen. Also wo, glaube ich, sind meine Stärken? Schon, wo möchte ich mal hin? Aber alles auf so einem höheren Level, nicht wirklich nach dem Motto, exakt diese Stellenbeschreibung, sondern mehr, welche Art von Tätigkeit, wie soll meine Tätigkeit mal aussehen? Welche Kompetenzen brauche ich dafür? Und darüber dann geschaut, was gibt es denn für Angebote, die natürlich interessieren, aber auch eben dieses Kompetenzprofil, was ich suche, bedienen. Und das ist dann ganz gut, weil man selber hat schon so eine Einsortierung für sich, in welche Richtung schaue ich? Und hat dann auch immer die Möglichkeit, wenn man dann erstmal in der Tätigkeit ist, gefällt es mir denn wirklich? Was gibt es mir? Weil natürlich macht man eine Tätigkeit, aber Beruf ist auch immer eine persönliche Weiterentwicklung.
Rabia Cosar:
Welche Fähigkeiten, ja, die fachlichen Kenntnisse sind ja wahrscheinlich wichtig auch, aber so Softskills, welche sind wichtig? Es gibt ja Standard in Stellenanzeigen so Softskills wie Kommunikation und so weiter. Und was wäre deiner Meinung nach jetzt am wichtigsten oder wichtiger?
Malte Kanngießer:
Du hast das Schlagwort im Grunde schon genannt, Kommunikation. Jetzt ist das so ein breites Wort gefühlt, aber gerade in meiner jetzigen Rolle habe ich gelernt, präzise zu kommunizieren und sich selber auch vernünftig zu vermarkten. Das klingt jetzt wirklich, als wenn du ein Vertreter wärst, aber wie du dich selber präsentierst, das ist einer der wichtigsten Sachen, weil du kannst noch so kompetent sein, aber wenn du es nicht sauber kommuniziert kriegst, dann fällt das hinten über.
Rabia Cosar:
Und was hättest du rückblickend anders gemacht im Studium aus heutiger Sicht?
Malte Kanngießer:
Ganz ehrlich, im Studium selber nichts, aber neben dem Studium einfach mal öfter ein Bierchen trinken gehen abends, mal die Nächte ein bisschen länger werden lassen, wirklich einfach mal laufen lassen, weil ich fühle mich so alt, weil ich bin ja auch gerade mal über 30, aber das Leben wird noch ernst genug. Also jetzt das ausnutzen, weil den Freiheitsgrad, glaube ich, den kriegt man so nicht unbedingt wieder, wie man den als Student hat.
Olaf Brinkmann:
Das kann ich auch absolut bestätigen, als Vater von vier Kindern, Malte, da hast du sehr, sehr recht. Der Leitsatz der HRW, der lautet ja Never Stop Growing. Malte, was bedeutet denn dieser Satz für dich, gerade im Rückblick auf deinen Weg?
Malte Kanngießer:
Also im Rückblick auf meinen Weg jetzt heißt das, ich habe nach dem Bachelor meinen Master gemacht, erst Maschinenbau, und dann habe ich drei Jahre später nochmal den Master of Business Administration gemacht. Immer eigentlich getrieben dadurch, hatte einfach Lust, mich weiterzuentwickeln. Das ist jetzt natürlich sehr beruflich, aber dieses Never Stop Growing ist eigentlich zusammenfassend: Neugierig bleiben, für sich finden, was macht einem Spaß, und dann auch immer danach ausschalten, wo kann ich für mich wachsen, ganz persönlich im Beruf, aber das ist so essentiell, weil es treibt einen nach vorne in allen Bereichen.
Olaf Brinkmann:
Und Rabia, letzte Frage an dich. Welchen Rat würdest du jemandem geben, der überlegt, Maschinenbau zu studieren?
Rabia Cosar:
Da würde ich sagen, dass man auf jeden Fall schon ein gewisses Interesse mitbringt für Mathe und Physik, aber das heißt nicht, dass man da wirklich ein Einser-Kandidat sein muss, sondern, oder auch, dass man da nicht den Klischees, sage ich mal, zuhört - Man muss da Matheass sein oder sowas - das stimmt alles gar nicht. Wenn man so ein bisschen Interesse da hat, dann sollte man das auf jeden Fall versuchen und auch dranbleiben. Und auch wenn es mal anspruchsvolle Phasen gibt, dass man auf jeden Fall versucht, dann dran zu bleiben und nicht aufgibt sofort.
Olaf Brinkmann:
Ein schönes Wort zum Schluss. Ganz, ganz herzlichen Dank an euch beide, Malte und Rabia, für eure spannenden Einblicke. Dankeschön. Wenn euch diese Folge gefallen hat, abonniert unseren Podcast und teilt ihn mit euren Freundinnen, Freunden und Kolleginnen und Kollegen. Alle Infos zum Studiengang Maschinenbau findet ihr in den Show Notes und auf der Webseite der Hochschule Ruhr West. Oder noch besser, kommt einfach direkt an den Campus und macht euch selber ein Bild.
Jetzt sage ich Tschüss und bis zum nächsten Mal. Euer Olaf Brinkmann.
(Transkribiert von TurboScribe. Redaktionell bearbeitet)