COIL 2026: HRW-Studierende in Detroit
Donnerstag 10. September 2026
Internationale Projektarbeit an der Wayne State University
Gemeinsam entwickeln, testen und präsentieren: Studierende der Hochschule Ruhr West (HRW) und der Wayne State University (WSU) haben im Rahmen von COIL 2026 an zwei internationalen Technikprojekten gearbeitet. Zum Abschluss ging es für die HRW-Studierenden nach Detroit, um gemeinsam mit ihren amerikanischen Kommiliton:innen die Projektarbeit fertigzustellen.
In zwei Gruppen arbeiteten jeweils vier Studierende der HRW und vier Studierende der Wayne State University zusammen. In Detroit standen zunächst die letzten Arbeiten im Labor sowie die Vorbereitung der gemeinsamen Abschlusspräsentationen auf dem Programm.
Die Ergebnisse präsentierten die Teams anschließend vor Hochschulangehörigen und per Video zugeschalteten Vertreter:innen aus der Industrie.
ROAD-VIP: Radartechnik für mehr Sicherheit
Im Mittelpunkt der ersten Projektarbeit stand die Entwicklung von ROAD-VIP, dem „Radar Observation- and Detection-system for Vulnerable Individual Protection“.
Das System soll mithilfe eines kostengünstigen Radarsensors unübersichtliche Situationen im Straßenverkehr überwachen. Sind Personen beispielsweise durch parkende Fahrzeuge verdeckt und für herannahende Verkehrsteilnehmende nicht sichtbar, können sie vom Sensor erkannt und andere Verkehrsteilnehmende entsprechend gewarnt werden.
Eine Besonderheit des Systems ist seine unabhängige Energieversorgung: Das entwickelte Gerät benötigt weder einen Strom- noch einen Datenanschluss und wird über Photovoltaik betrieben. Im Rahmen des Projekts entstand ein Demonstrator, mit dem das internationale Team die Funktionsweise des Systems zeigen konnte.
Demonstator
Mobiler Erkundungs-Roboter für Rettungskräfte
Die zweite Projektarbeit hatte das Ziel, eine ferngesteuerte mobile Plattform zu entwickeln, die bei Feuerwehreinsätzen in Gebäuden vor dem Einsatz von Rettungskräften die Lage erkunden kann.
Dazu wurde ein Fahrzeug mit einer schwenkbaren Kamera und einer Infrarotkamera sowie umfangreicher Sensorik ausgestattet. Diese erfasst unter anderem Gaskonzentrationen wie Kohlenmonoxid und CO₂, die Partikelkonzentration sowie die Temperatur.
Über eine Fernsteuerung mit Bildschirm können die Messwerte abgelesen und das Fahrzeug sowie die Kameras per Joystick gesteuert werden. Ein angeschlossenes Headset ermöglicht es außerdem, die Situation vor Ort akustisch wahrzunehmen und gegebenenfalls direkt mit Personen im Gebäude zu kommunizieren.
Die Spezifikationen wurden gemeinsam mit dem technischen Leiter der Feuerwehr Mülheim im Labor der HRW diskutiert, um sicherzustellen, dass das System die tatsächlichen Anforderungen von Rettungskräften berücksichtigt.
Auf Basis dieser Vorgaben wählten die Studierenden selbstständig die notwendigen Komponenten aus, integrierten sie in das Fahrzeug und stellten die Funktionsfähigkeit her. Eine besondere Herausforderung bestand darin, die Prototypen in Deutschland und den USA möglichst identisch umzusetzen. Der regelmäßige digitale Austausch, wöchentliche Videokonferenzen und die beiden gegenseitigen Besuche halfen dabei, die Entwicklungen auf beiden Seiten aufeinander abzustimmen.
Gemeinsam arbeiten trotz unterschiedlicher Studienwelten
Der Aufenthalt bot den HRW-Studierenden gleichzeitig die Gelegenheit, das Studium und den Hochschulalltag in den USA kennenzulernen.
Dabei wurden einige Unterschiede zur HRW deutlich. Der Campus der Wayne State University bietet zahlreiche Aufenthalts-, Essens- und Lernmöglichkeiten. Viele Studierende verbringen dadurch einen großen Teil ihres Alltags auf dem Campus, einige leben sogar dort im Hochschul-Wohnheim. So entsteht ein anderes Campusleben und ein starkes Zugehörigkeitsgefühl zur Universität.
Auch die unterschiedliche Struktur des Studiums auf deutscher und amerikanischer Seite erwies sich als Bereicherung für die gemeinsame Projektarbeit. Die Studierenden konnten ihre jeweiligen Fähigkeiten, Erfahrungen und Perspektiven einbringen.
Besonders wertvoll war die Erfahrung, als internationales Team komplexe technische Projekte gemeinsam bis zur Abschlusspräsentation weiterzuentwickeln. Unterschiedliche Hintergründe, Fähigkeiten und auch unterschiedliche Vorstellungen davon, wann ein Projekt tatsächlich „fertig“ ist, mussten zusammengebracht werden. Eine Erfahrung, die die Studierenden zugleich auf die spätere Zusammenarbeit in internationalen Industrieprojekten vorbereitet.
Forschung erleben und Detroit kennenlernen
Neben der Arbeit an ROAD-VIP und dem Erkundungs-Roboter standen weitere fachliche und kulturelle Programmpunkte auf dem Plan. Beim Besuch des Institute of Biomedical Engineering erhielten die Studierenden beispielsweise Einblicke in Forschungsarbeiten zu den Auswirkungen extremer Situationen auf den menschlichen Körper, etwa bei Stürzen oder Unfällen.
Auch das Kennenlernen Detroits gehörte zum Austausch. Zu den Highlights zählten der gemeinsame Besuch eines Baseballspiels sowie der Blick über Detroit bis nach Kanada aus einer Cocktailbar in einem der höchsten Gebäude der Stadt.
Gemeinsames Dinner in Detroit.
Die Studenten beim Baseballspiel in Detroit.
Mehr als gemeinsame Technikprojekte
Der besondere Wert des Austauschs zeigte sich nicht allein in den fertigen Demonstratoren. Die gemeinsame Arbeit brachte Studierende mit unterschiedlichen fachlichen und kulturellen Hintergründen zusammen.
Prof. Klaus Thelen, der die FEEM-Studierenden der HRW und das Projekt ROAD-VIP begleitet, fasst die Erfahrung zusammen:
„Es ist immer wieder spannend zu sehen, wie Studierende komplexe internationale Projekte trotz kultureller und sprachlicher Barrieren gemeinsam meistern. Solche Erfahrungen bereiten sie sehr gut darauf vor, später auch internationale Projekte in der Industrie erfolgreich umzusetzen.“
Besonders faszinierend ist für Prof. Thelen und Prof. Lothar Kempen, wie gemeinsam bewältigte Projekte über die fachliche Zusammenarbeit hinaus zu interkulturellen Freundschaften und gegenseitigem Verständnis beitragen können. So wurde aus der gemeinsamen Arbeit an ROAD-VIP und dem Erkundungs-Roboter mehr als technische Projektarbeit: eine intensive Erfahrung internationaler Zusammenarbeit und eine praxisnahe Vorbereitung auf die internationale Arbeitswelt.
Was bedeutet COIL?
COIL steht für „Collaborative Online International Learning“ und beschreibt die Zusammenarbeit von Studierenden und Lehrenden verschiedener Hochschulen über Ländergrenzen hinweg. Bei den gemeinsamen Projekten von HRW und Wayne State University wurde die internationale Zusammenarbeit durch gegenseitige Besuche und die Projektphase vor Ort in Detroit ergänzt.
Unterstützt wurde der internationale Austausch durch das International Office sowie den Förderverein der Hochschule Ruhr West.
Weitere Informationen zu den Studiengängen:
Fahrzeugelektronik und Elektromobilität
Elektro- und Informationstechnologien