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Neuigkeiten

Lassen Sie mich durch, ich bin Robo-Doc

Dienstag 7. April 2026

Eine Frau steht zwischen zwei Männern, vor ihnen steht ein humanioder Roboter.

Ok, es geht an der Hochschule Ruhr West (HRW) nicht um die Rettung menschlichen Lebens in höchster Not. Wohl aber um dessen nachhaltige Verbesserung durch kompetente Forschung auf höchstem Niveau. So auch im Bereich der nutzendenzentrierten Forschung zu sozialer Robotik rund um Prof.in Dr. Sabrina Eimler und ihr Team aus jungen Wissenschaftler:innen. Also: Platz für die Experten. 

„Die Liebe zur Forschung bei jungen Menschen zu wecken, ist uns eine Herzensangelegenheit. Sie ist für uns ein wichtiger Beitrag für die Zukunftsfähigkeit und Sichtbarkeit unserer Region”, meint Prof.in Dr. Sabrina Eimler. Bereits früh im Studium beteiligen sich Studierende der HRW daher mit eigenen Beiträgen an Fachtagungen und werden nach dem Studium auf dem Weg zur Promotion gefördert. 

Lukas Erle und André Helgert aus dem Team von Prof.in Dr. Sabrina Eimler entdeckten die Leidenschaft für Forschung an der Schnittstelle zwischen Psychologie und Informatik während ihres Studiums an der HRW in Bottrop. Die familiäre Atmosphäre, die hervorragende Ausstattung, der enge Kontakt zu den Lehrenden sowie die individuelle Förderung weckten ihre Begeisterung für Mensch Computer Interaktion. 

Beide arbeiten an Fragestellungen des RuhrBots Kompetenzzentrums und werden von Prof.in Dr. Eimler auf ihrem Weg zum Doktortitel begleitet. Soziale Roboter werden hier bürgernah erforscht und in Stadtverwaltungen, aber auch in Hotellerie und Gastro zum Einsatz kommen. Allerdings ist hierzu noch einiges an Forschung nötig. Gefördert wird das Projekt aus Mitteln des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt.

 

Fehler sind menschlich. Was tun, wenn mein Roboter spinnt?

Lukas untersucht, was passiert, wenn ein Roboter im Umgang mit dem Menschen nicht das macht, was man von ihm erwartet. Moderne Roboter stoßen weiterhin an Grenzen. Sie verstehen Anweisungen nicht, reagieren nicht oder führen falsche Aktionen aus.

Lukas' Interesse wurde während der RuhrBots-Studien in Praxistests geweckt. Es kam, immer wieder zu Fehlern beim Roboter. „Besonders spannend fand ich, wie unterschiedlich Menschen darauf reagieren: Manche waren genervt, viele zeigten Verständnis, einige fanden die Situation lustig, andere entfernten sich vom Roboter”, berichtet Lukas.

In öffentlichen Situationen, in denen Roboter zukünftig menschliches Personal entlasten sollen, können Fehler schnell frustrierend werden. Im schlimmsten Fall kann es zu Missverständnissen oder zum Abbruch der Kommunikation führen. Wenn also Roboter im Alltag eingesetzt werden sollen, muss einerseits Fehlerursache verstanden werden, aber auch die Wirkung fehlerhafter Kommunikation auf verschiedene Menschen untersucht werden. Welche Fehler passieren besonders oft – und warum? Wie nachsichtig sind Menschen mit den Pannen des Roboters? Was müssen wir den Nutzenden über Roboter beibringen, um ein Miteinander im öffentlichen Raum mittelfristig zu begleiten und positiv zu gestalten? Diese und weitere Fragen will Lukas in seiner Forschung beantworten. „Ich hoffe, dass ich dazu beitragen kann, dass alle Menschen in Zukunft gerne mit Robotern sprechen und zusammenarbeiten – auch wenn diese nicht immer perfekt sind”. 

 

„Bevor der Roboter ins Rathaus kommt“: Testlauf in der virtuellen Welt

Während Lukas untersucht, wie Menschen reagieren, wenn der Roboter „Mist baut“, kümmert sich André um die praktische Frage, wie man solche Situationen erforschen kann, ohne den echten Roboter in eine Behörde, ein Café oder ein Hotel zu stellen.

Tests mit echten Robotern sind teuer und umständlich. André nutzt dafür Virtual Reality, also eine digitale Welt, in die man mithilfe einer Brille eintauchen kann. Dort lässt sich ein sozialer Roboter in typischen Alltagssituationen ausprobieren.

„In der VR können wir Situationen testen, die im echten Leben viel Aufwand wären. Wir müssen nicht gleich eine ganze Behörde umkrempeln“, sagt Helgert. Forschende können so sicher und kontrolliert beobachten, wie Menschen auf verschiedene Verhaltensweisen eines Roboters reagieren. In Zukunft könnten solche Tests virtuell stattfinden – schnell, flexibel und ohne großen technischen Aufbau. Neue Ideen lassen sich in der digitalen Umgebung ausprobieren, anpassen und sofort erneut testen.

Das eröffnet neue Möglichkeiten. Statt monatelang an einem einzigen realen Versuchsaufbau zu arbeiten, können verschiedene Szenarien durchgespielt werden – vom ruhigen Wartezimmer bis hin zur lauten Eingangshalle. Auch für Nutzende hat das Vorteile: Die Bedürfnisse von Bürger:innen lassen sich so mit viel mehr Menschen ausprobieren, ohne dass die Menschen und der Roboter in einem Raum sein müssen.

Wichtig ist André dabei vor allem eins: „Nicht nur Programmierprofis sollen unsere virtuelle Roboterwelt nutzen können, sondern möglichst viele Forschende und auch Unternehmen.”, betont er. Er entwickelt deshalb eine Anwendung, mit der sich solche Tests einfach vorbereiten und durchführen lassen. Die Idee dahinter: Wenn Roboter im öffentlichen Leben helfen sollen, müssen wir früh verstehen, was im Alltag wirklich funktioniert und was nicht. Dazu müssen wir die Zukunft erlebbar machen.”