Lernen unter realen Bedingungen
Montag 19. Oktober 2026
Was passiert, wenn ein Roboter im Bürgerbüro auf Bürgerinnen und Bürger trifft? Mit dieser Frage beschäftigen sich Studierende der Hochschule Ruhr West (HRW) im Projekt „Ruhrbots: Rathausinformationssystem“. Gemeinsam mit Forschenden testen sie den interaktiven Roboter „Temi“ im Bürgerbüro Bottrop und untersuchen, wie Menschen mit der neuen Technologie umgehen.
„Temi“ begrüßt Besucherinnen und Besucher, beantwortet Fragen und hilft bei der Orientierung im Rathaus. Über einen Touchscreen oder per Sprache können Informationen abgerufen werden. Der Roboter erklärt beispielsweise, welche Unterlagen für bestimmte Anliegen benötigt werden, zeigt den Weg zu verschiedenen Stellen und kann Informationen per QR-Code auf das Smartphone übertragen.
Für die Studierenden des Masterstudiengangs „Mensch Technik Interaktion“ des Instituts Informatik am Campus Bottrop, ist das Projekt vor allem eines: Lernen unter realen Bedingungen. Sie beobachten, wie die Technologie genutzt wird, sprechen mit Nutzerinnen und Nutzern und untersuchen, wo die Interaktion verbessert werden kann. Ist die Menüführung verständlich? Finden die Bürgerinnen und Bürger schnell die richtige Information? Wird der Roboter als hilfreich wahrgenommen?
„Unsere Studierenden erleben hier unmittelbar, dass eine gute technische Lösung nicht allein davon abhängt, was technisch möglich ist“, sagt Prof.in Dr. Sabrina Eimler, die das Projekt an der HRW leitet. „Entscheidend ist, ob sie für Menschen verständlich, sinnvoll und akzeptabel ist.“
Praxiserfahrung für die Arbeitswelt von morgen
Das Projekt steht beispielhaft für das projektbasierte Lernen an der HRW. „Studierende wenden ihr Wissen auf konkrete Fragestellungen an, arbeiten im Team und sammeln Erfahrungen im Umgang mit unterschiedlichen Nutzer:innen und Projektpartner:innen“, sagt die Präsidentin der HRW, Prof. in Dr. Susanne Staude.
Gerade angesichts von Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und Robotik werden diese Erfahrungen immer wichtiger. „Wir wollen unsere Studierenden dazu befähigen, Veränderungen nicht nur zu beobachten, sondern sie aktiv mitzugestalten“, sagt Sabrina Eimler. „Dafür brauchen sie Räume, in denen sie ausprobieren, Feedback bekommen und ihre Lösungen weiterentwickeln können.“
Dass dabei unterschiedliche Rahmenbedingungen eine Rolle spielen, zeigt der Vergleich mit einem früheren Einsatz von „Temi“ in der Lebendigen Bibliothek. „Im Bürgerbüro wollen die Menschen ihre Anliegen möglichst schnell vorbringen und erledigen. Die Bibliothek bietet dagegen mehr Aufenthaltsqualität und ist Teil der Freizeitgestaltung“, sagt HRW-Wissenschaftler Ramon Imort.
Bis zum 9. Oktober beobachten die Studierenden und Forschenden die Nutzung des Roboters. Auch die Rückmeldungen der Bürgerinnen und Bürger sowie der Beschäftigten fließen in die Auswertung ein.
Für Prof.in Dr. Sabrina Eimler ist die Beteiligung der Menschen zentral: „Wir möchten möglichst viele Menschen an dem Gestaltungsprozess beteiligen und Aufklärung leisten. Deshalb bringen wir Studierende, Forschende und Bürgerinnen und Bürger zusammen.“
So wird aus einem Roboter im Bürgerbüro ein Lernort für die Zukunft: Studierende sammeln praktische Erfahrungen, Forschende gewinnen neue Erkenntnisse und Bürgerinnen und Bürger erleben, wie neue Technologien ihren Alltag verändern können.