Was haben das Modul „Projektentwicklung“ und die „Höhle der Löwen“ gemeinsam?
Dienstag 31. März 2026
Im Modul Projektentwicklung des Studiengangs Wirtschaftsingenieurwesen-Bau an der HRW können gute Ideen im Pitch den Realitätscheck bestehen.
Wer kennt sie nicht, die Sendung „Die Höhle der Löwen“, in der Menschen mit Erfindergeist und Überzeugung ihre neuen Business-Ideen einer Fachjury aus Investor:innen vorstellen. In einer Präsentation, dem sogenannten Pitch, hoffen sie, mindestens einen Investor oder eine Investorin von ihren Geschäftsideen zu überzeugen. Was winkt, ist die finanzielle Unterstützung, um mit dem Business durchstarten zu können. In der Sendung treffen jedoch Wunschgedanken und Realität auch schon einmal aufeinander.
Am Institut Bauingenieurwesen der Hochschule Ruhr West will man die Studierenden daher schon in der Lehre bestmöglich auf die Realität vorbereiten. Deshalb wird der Praxisbezug bei vielen Studieninhalten von Anfang an großgeschrieben. Im 5. Fachsemester des Bachelorstudiengangs Wirtschaftsingenieurwesen-Bau können Studierende im Modul Projektentwicklung ihr Wissen praktisch anwenden und die Komplexität immobilienwirtschaftlicher Wertschöpfungsketten an realen Fallbeispielen erproben. Und hinter dem Modulbegriff „Projektentwicklung“ verbirgt sich eine wirklich spannende Aufgabe:
Kleingruppen von drei bis vier Studierenden erstellen eine vollständige Machbarkeitsstudie für reale Grundstücke in Bottrop und Mülheim an der Ruhr. Im Zentrum steht die Transformation in zukunftsfähige Nutzungskonzepte. Die ausgewählten Flächen haben dabei ganz bewusst besondere Einschränkungen oder charakteristische Merkmale, die eine kreative und durchdachte Planung nötig machen. Einfach ist das nicht – aber genau diese Herausforderungen machen das Projekt spannend.
Tragfähige Projekte entwickeln
Mit kreativen Ideen veredeln Studierende in diesem Lehrmodul schwierige Grundstücke, zum Beispiel in direkter Autobahn- oder Ruhrufernähe oder mit einem Altbaubestand in Citylagen.
Auf Basis fundierter Standort-, Markt- und Wettbewerbsanalysen entwickeln sie tragfähige, neue Nutzungskonzepte. Hier werden aber keine Luftschlösser gebaut, denn ohne Bebaubarkeitsprüfung, Risikoanalyse, Erschließungskosten und Wirtschaftlichkeitsanalysen geht hier nichts. Daher wird die theoretische Lehre während des Semesters durch Gastvorträge erfahrener Projektentwickler und verschiedener Praxispartner begleitet, die Einblicke in aktuelle Marktdynamiken geben.
Auch eine Renditeberechnung darf selbstverständlich nicht fehlen. Ganz schön viel, denken sich Außenstehende vielleicht. Aber wer später in führenden Positionen arbeiten möchte, benötigt neben dem Fachwissen auch eine strukturierte Arbeitsweise und den Blick auf die Kosten.
Ein wesentliches Merkmal des Moduls ist zudem die enge Verzahnung mit kommunalen Akteuren. Die Stadtverwaltungen von Bottrop und Mülheim begleiten den Prozess aktiv und stehen den Gruppen für fachliche Rückfragen zur Verfügung. Ein Teilnehmer einer Gruppe berichtet, dass ihr zu planendes Grundstück als Verdachtsfall auf Kampfmittel einzustufen war und erwähnt die freundliche Unterstützung durch die Stadt Mülheim.
Kreativität in der Präsentation
Statt in einer trockenen mündlichen Abschlussprüfung erfolgt die Präsentation der Arbeitsergebnisse im Format „Höhle der Löwen“. Zwar müssen die Studierendengruppen ihre Konzepte nicht vor Herrn Maschmeyer verteidigen, aber vor einer erfahrenen Jury, die sich aus Prof. Meckmann, seiner wissenschaftlichen Mitarbeiterin und externen Co-Prüfern aus der Praxis zusammensetzt. Nach einem rund 20‑minütigen Pitch haben die Jurymitglieder – von der Wirtschaftsförderung Mülheim und dem Stadtplanungsamt Bottrop bis hin zu Unternehmen aus dem Immobiliensektor wie GF Benchmark Group, Wellhöner Immobilien, RMA Management, Redukta und TÜV NORD – die Gelegenheit, Rückfragen zu stellen. Dieser Rahmen simuliert die Realität von Investorenentscheidungen und schärft die Argumentationsfähigkeit der angehenden Absolvent:innen.
Von 3D-Modellen bis zu KI-Visualisierungen, von detaillierten Gebäudegrundrissen, Herausforderungen wie baulichem Schallschutz und Konzepten für Zielgruppen wie Senioren oder Studierende war alles vertreten. Es wurde sich um potenzielle Mieter gekümmert, geförderter Wohnraum einplant oder vorhandene bauliche Altsubstanz in ein neues Konzept eingebunden.
Co-Prüfer schätzen Arbeiten und Praxisnähe
Christoph Röhr, Geschäftsführender Gesellschafter der RMA Management in Düsseldorf und mittelständischer unabhängiger Projektentwickler, wertschätzt nach den Arbeiten von 12 Studierendengruppen, „dass die Studenten eine sehr komplexe Aufgabe bekommen haben und sich wirklich kreativ mit den Grundstücken und den möglichen Nutzungen auseinandergesetzt haben.“ Auch das breite Spektrum der zu bewerkstelligen Aufgaben „hätten das abgebildet, von der Grundstücksbewertung, über das Konzept bis zur von der Marktanalyse“. Er würde sich aber wünschen, dass der Praxisbezug des Marktes und die Ansprache der anderen Marktteilnehmern in den Präsentationen noch etwas stärker in den Fokus hätte genommen werden können.
Fabian Lüdke von der Wirtschaftsförderung der Stadt Mülheim an der Ruhr mit dem Tätigkeitschwerpunkt der Gewerbeflächenvermarktung und Entwicklung fand es spannend zu sehen, wie die Studierenden an die realen Grundstücke mit Ideen und kreativen Aspekten herangehen. Er ergänzt: „Das ergibt auch für uns neue Impulse für die Realität“ und so kann der Co-Prüfer auch „allerhand Ideen für die Praxis“ und „kreative Ansätze, die so sie bisher nicht hatten“, für einige Grundstücke mitnehmen.
Die Qualität der studentischen Ausarbeitungen hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass besonders innovative Ansätze über das Modul hinaus Beachtung fanden. Solche Konzepte wurden im Nachgang durch die Beteiligten weiter forciert und als Impulse für mögliche Stadtentwicklungsprozesse sowie reale Planungsüberlegungen weiterverfolgt.
Auch Kristina Kleinheins, Leiterin des Stadtplanungsamts der Stadt Bottrop zeigt sich beeindruckt davon, „dass die Aufgabenstellung so praxisnah und breit gefächert ist“. Sie betont, wie wichtig interdisziplinäre Teamarbeit bereits im Studium ist und ergänzt mit spürbarer Begeisterung: „Ich glaube, die Praxisnähe bekommt man kaum noch näher hin, als es jetzt hier in diesem Modul stattfindet.“
„Ich glaube, die Praxisnähe bekommt man kaum noch näher hin, als es jetzt hier in diesem Modul stattfindet.“
Kristina Kleinheins, Leiterin des Stadtplanungsamts der Stadt Bottrop