Projektende„Happy Kit“: Psychisches Wohlbefinden nachhaltig in der Lehre verankern
Dienstag 3. November 2026
Nach zwei Jahren Projektarbeit zieht die Hochschule Ruhr West (HRW) eine positive Bilanz: Mit einem digitalen Werkzeugkoffer, erprobten Methoden und hochschulweiter Vernetzung trägt das Happy Kit dazu bei, psychisches Wohlbefinden als Bestandteil guter Hochschullehre zu verankern. Die Materialien stehen auch über das jetzige Projektende hinaus zur Verfügung.
„Mit dem Happy Kit haben wir in den vergangenen zwei Jahren nicht nur einen digitalen Werkzeugkoffer mit positiv-psychologischen Tools und direkt einsetzbaren Materialien für Lehrende entwickelt, sondern auch das Thema psychische Gesundheit von Studierenden auf ganz unterschiedlichen Ebenen der Hochschule vorangebracht“, sagt Maike Graf, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt Happy Kit an der Hochschule Ruhr West.
Die Bilanz kann sich sehen lassen: Die Methoden des Happy Kit wurden in insgesamt 16 Lehrveranstaltungen eingesetzt und evaluiert. Damit konnten potenziell mehr als 1.000 Studierende erreicht werden. Gleichzeitig ist es gelungen, Studierende, Lehrende, die Hochschuldidaktik, Beratungsstellen und weitere Serviceeinrichtungen miteinander zu vernetzen und unterschiedliche Perspektiven und Kompetenzen zusammenzubringen. Aktionswochen und Anregungen für den Studienalltag haben zudem dazu beigetragen, psychisches Wohlbefinden an der Hochschule sichtbarer zu machen und den Austausch darüber zu fördern.
Mit kleinen Impulsen psychisches Wohlbefinden fördern
Das Happy Kit setzt bewusst früh an: „Statt erst dann Unterstützung anzubieten, wenn Studierende bereits stark belastet sind, sollen die Methoden das psychische Wohlbefinden präventiv und niedrigschwellig im Studienalltag stärken“, sagt Maike Graf. Der digitale Werkzeugkoffer bietet Lehrenden dafür positiv-psychologische Ansätze und direkt einsetzbare Materialien. Sie sollen Studierende dazu anregen, ihre eigenen Ressourcen bewusster wahrzunehmen, persönliche Erfolge zu reflektieren und das soziale Miteinander zu fördern.
Wie sich das in der Lehre umsetzen lässt, zeigt Magdalena Lukosz, Lehrkraft für besondere Aufgaben im Bereich Deutsch als Zweit- und Fremdsprache und fachliche Leiterin des Studienintegrationsprogramms (SIP) an der HRW. Sie begleitet insbesondere geflüchtete und andere internationale Studieninteressierte, die neben den allgemeinen Herausforderungen eines Studiums häufig mit zusätzlichen Belastungen umgehen müssen.
„Happy Kit ermöglicht einen niedrigschwelligen Zugang zum Thema psychisches Wohlbefinden von Lernenden – ganz unabhängig davon, welches Vorwissen ich als Lehrkraft in diesem Bereich mitbringe“, erklärt Magdalena Lukosz. Besonders schätzt sie, dass sich die Methoden flexibel und ohne großen Zeitaufwand in den Unterricht integrieren lassen.
So können „Positive Prompts“ oder das „Erfolgsglas“ beispielsweise als Check-in oder Check-out zu Beginn oder am Ende einer Lehrveranstaltung eingesetzt werden. Studierende richten dabei den Blick auf positive Erfahrungen und persönliche Erfolge, ohne ausdrücklich über psychische Gesundheit sprechen zu müssen.
„Mir gefällt besonders, dass man solche Methoden nutzen und ihre positive Wirkung mitnehmen kann, ohne explizit über psychische Gesundheit sprechen zu müssen. Das könnte für mich als Lehrkraft überfordernd sein und aufseiten der Studierenden auf Ablehnung stoßen“, sagt Lukosz. Gleichzeitig biete das Happy Kit auch tiefer gehende Werkzeuge für Gruppen, die bereits miteinander vertraut sind und sich gezielt mit psychischem Wohlbefinden auseinandersetzen möchten.
Hemmschwellen abbauen und gute Lernbedingungen schaffen
Für Magdalena Lukosz liegt eine besondere Stärke des Happy Kit darin, den Zugang zu einem Thema zu erleichtern, das noch immer mit Vorbehalten und Stigmatisierung verbunden ist. Kleine, alltagsnahe Methoden können einen ersten Einstieg ermöglichen und dazu beitragen, psychisches Wohlbefinden als selbstverständlichen Teil des Lernens und Studierens wahrzunehmen.
Nachhaltige Wirkung über die Projektlaufzeit hinaus
Das Happy Kit ergänzt die bestehenden Beratungs- und Unterstützungsangebote der HRW um einen präventiven Ansatz direkt in der Lehre. Denn dort lassen sich viele Studierende erreichen – auch diejenigen, die nicht aktiv nach Unterstützung suchen. Die Förderung psychischen Wohlbefindens wird damit als gemeinsame Aufgabe im Hochschulkontext gestärkt. „Ich freue mich besonders darüber, dass wir mit dem Happy Kit unterschiedliche Akteurinnen und Akteure an der HRW vernetzen, bestehende Kompetenzen bündeln und gemeinsam neue Impulse setzen konnten“, sagt Maike Graf.
Auch nach dem Ende der zweijährigen Projektlaufzeit bleibt das Happy Kit an der HRW verankert. Der Moodle-Kurs steht Lehrenden weiterhin zur Verfügung. Schon während der Projektlaufzeit gab es viel Interesse von anderen Hochschulen an den Materialien. Daher werden die Materialien als offene Bildungsmaterialien (Open Educational Resources, OER) veröffentlicht, sodass auch andere Hochschulen sie nutzen können. Ergänzend hat bereits ein erster Worshop im Rahmen des HDWs stattgefunden und weitere sind geplant, um Lehrenden weiterer Hochschulen in Nordrhein-Westfalen die Anwendung der Methoden näherzubringen.
„Meine Hoffnung ist, dass wir mit Happy Kit sowohl an der HRW als auch zukünftig an anderen Hochschulen einen nachhaltigen Beitrag dazu leisten, psychisches Wohlbefinden als selbstverständlichen Bestandteil guter Hochschullehre zu etablieren“, sagt Prof.in Dr. Carolin Straßmann, Projektverantwortliche.