Von der Vorlesung in die Fahrzeugentwicklung: FEEM-Studierende entwickeln intelligentes System für Elektro-LKW
Dienstag 4. August 2026
Was passiert beim elektrischen Bremsen, wenn die Batterie eines Elektro-LKW bereits vollständig geladen ist? Mit genau dieser Fragestellung beschäftigten sich Studierende des Bachelorstudiengangs Fahrzeugelektronik und Elektromobilität (FEEM) der Hochschule Ruhr West. Die Studierenden entwickelten im Rahmen einer Projektarbeit einen funktionsfähigen Prototypen für ein sicherheitsrelevantes System.
Dabei ging es um weit mehr als die technische Lösung. Von der ersten Idee über die Entwicklung bis zur Abschlusspräsentation vor den Daimler Truck Ingenieur:innen durchliefen die Studierenden einen Entwicklungsprozess, der sich eng an der industriellen Praxis orientierte. So erhielten sie bereits während des Studiums Einblicke in die Arbeitsweise eines führenden Nutzfahrzeugherstellers und sammelten Erfahrungen, die sie optimal auf den Berufseinstieg vorbereiten.
Lernen wie in der Industrie
Die Projektarbeit war bewusst sehr realitätsnah gestaltet. Grundlage war eine echte Aufgabenstellung aus der Entwicklung elektrischer Nutzfahrzeuge. Die Studierenden arbeiteten auf Basis eines Lastenhefts, entwickelten eigene Lösungsansätze, testeten ihre Konzepte im Labor und präsentierten ihre Ergebnisse anschließend direkt beim „Auftraggeber“ Daimler Truck.
Eine Exkursion zum Standort von Daimler Truck in Wörth am Rhein ergänzte das Projekt und ermöglichte dem „Auftraggeber“ Einblicke in Entwicklungsarbeit und den realisierten Prototypen. Die Studierenden lernten dabei nicht nur technische Zusammenhänge kennen, sondern auch Projektorganisation, Kommunikation mit Auftraggebern und die Abläufe industrieller Entwicklungsprozesse. Sie lernten außerdem das Präsentieren Ihrer Arbeit und Ergebnisse vor einem Komitee und dem Auftraggeber.
Im Labor entstand ein funktionsfähiger Prototyp, der überschüssige Rekuperationsenergie bei voll geladener Batterie sicher ableitet.
Wenn Rekuperation an ihre Grenzen stößt
Elektro-LKW nutzen beim Bremsen die sogenannte Rekuperation. Dabei wird Bewegungsenergie zurückgewonnen und die Batterie wieder aufgeladen. Doch was passiert, wenn die Batterie bereits vollständig geladen ist – beispielsweise nach einer langen Bergabfahrt? Dann kann sie keine weitere Energie aufnehmen.
Für genau diesen Fall entwickelten die FEEM-Studierenden ein intelligentes elektronisches System. Dieses kommuniziert mit dem Fahrzeug und sorgt dafür, dass die überschüssige Bremsenergie kontrolliert in Wärme umgewandelt wird, die an die Umgebung abgegeben wird. Für ihren Prototypen entwickelten die Studierenden auch die passende Steuerung und bauten das System im Labor auf.
Neue Ideen durch frische Perspektiven
„Praxisprojekte wie dieses bieten den Studierenden der HRW die Möglichkeit, ihr Wissen direkt auf reale Fragestellungen anzuwenden und Verantwortung für ein anspruchsvolles Entwicklungsprojekt zu übernehmen. Gleichzeitig profitieren auch wir von der Zusammenarbeit: Studierende bringen kreative Ideen und Perspektiven ein, hinterfragen bestehende Lösungsansätze und agieren unabhängig von etablierten Denk- und Vorgehensweisen.“ Ulrich Wachter, Ingo van Bochove, Cost Engineering Daimler Truck AG
Gerade dieser unverstellte Blick eröffnet häufig neue Impulse und macht Projektarbeiten für beide Seiten besonders wertvoll.
Erfahrungen, die bleiben
Neben der technischen Entwicklung sammelten die Studierenden Erfahrungen, die weit über die Vorlesung hinausgehen. Sie arbeiteten unter anderem mit Leistungselektronik, beschäftigten sich mit der CAN-Bus-Kommunikation, führten Validierungen durch und erhielten Einblicke in Cost Engineering sowie industrielle Entwicklungsprozesse.
Student Daniel Steggers beschreibt als größte Herausforderung die Einarbeitung in neue Mikrocontroller und die CAN-Bus-Programmierung. Besonders beeindruckt habe ihn die Prüfstrecke von Daimler Truck mit den zahlreichen Prototypen und Erlkönigen.
Auch Student Hamza Lahniti hebt den Praxisbezug hervor: „Wir hatten die Möglichkeit, einen realen Prototypen zu testen und unsere Ergebnisse direkt vor Ingenieurinnen und Ingenieuren aus der Praxis zu präsentieren. Dadurch haben wir einen guten Einblick in den industriellen Entwicklungs- und Validierungsprozess erhalten.“
Und für Olyar Habach liegt der größte Mehrwert im persönlichen Lernprozess: „Nicht alles läuft wie geplant. Genau dadurch lernt man, Probleme schneller zu erkennen, wird mit jedem Projekt besser und bekommt einen Eindruck davon, was einen später im Berufsleben erwartet.“
Praxisorientierung als fester Bestandteil des Studiums
Die Projektarbeit ist fester Bestandteil des FEEM-Studiums und umfasst 6 Credits im Sommersemester. Auch in den kommenden Semestern werden die Studierenden im Rahmen weiterer Projektarbeiten an praxisnahen Entwicklungsaufgaben arbeiten und dabei weitere Einblicke in industrielle Fragestellungen gewinnen.
Praxisprojekte wie dieses zeigen exemplarisch, wie eng Theorie und Anwendung an der Hochschule Ruhr West miteinander verbunden sind. Sie vermitteln nicht nur fachliches Wissen, sondern bereiten die Studierenden gezielt auf die Herausforderungen ihres späteren Berufslebens vor.