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Neuigkeiten

Von Mülheim nach Saint-Louis: HRW-Studierende eine Woche im Senegal

Dienstag 14. Juli 2026

Eine Gruppe von Studierenden und Lehrenden aus Deutschland und dem Senegal  lächelt freundlich

Im Juni 2026 tauschten 8 der Bachelorstudiengänge Bauingenieurwesen und Wirtschaftsingenieurwesen – Bau den Campus in Mülheim an der Ruhr gegen die Université Gaston Berger (UGB) in Saint-Louis, Senegal, rund 4.500 Kilometer südlich. Eine Woche lang arbeiteten sie in gemischten Teams mit senegalesischen Kommilitonen, besuchten Baustellen und erlebten einen Studienalltag, der sich von ihrem eigenen grundlegend unterscheidet.

Die Exkursion fand im Rahmen des COIL-Projekts „International Planning and Construction“ am Institut Bauingenieurwesen statt. COIL steht für Collaborative Online International Learning – ein Format, bei dem Studierende verschiedener Länder gemeinsam an Aufgaben arbeiten, in 1. Linie digital, wenn es möglich ist, aber auch unterstützt durch eine Präsenzphase vor Ort. Organisiert wurde die Reise von Prof. Felix Meckmann vom Lehr- und Forschungsgebiet Bauökonomie an der HRW. Ziel der Reise war es, den fachlichen Austausch zu stärken, gemeinsam zu lernen und die internationale Zusammenarbeit sowie die bestehende Partnerschaft mit der UGB nachhaltig auszubauen.

Planspiel Panda: Bauen unter Druck

Im Mittelpunkt des Aufenthalts stand das Planspiel „Panda“: In gemischten deutsch-senegalesischen Teams schlüpften die Studierenden in die Rolle von Bauunternehmen. Über mehrere Tage wurde „gespielt“ und auf internationale Bauprojekte angeboten und die gewonnenen Projekte durch das eigene Unternehmen realisiert. Dies in einem sich laufend ändernden Umfeld: War es einmal eine Schlechtwetterperiode, die die Bauzeit verlängert hat, veränderten sich das andere Mal die Rohstoffpreise oder die Verfügbarkeit verschlechterte sich. Was im Hörsaal als Theorie behandelt wird, wurde hier zur konkreten Herausforderung mit echtem Zeitdruck und echten Teammitgliedern aus einer anderen Kultur. Der intensive Austausch in den Teams bot spannende Einblicke in unterschiedliche Herangehensweisen und Rahmenbedingungen des Bauens und zeigte, wie bereichernd internationale Zusammenarbeit für Studium und Lehre sein kann.

Neben der fachlichen Zusammenarbeit wuchs gleichzeitig der persönliche Kontakt: Mobilnummern wurden ausgetauscht und spätestens zur Mitte des COIL-Projekts war die Eigendynamik so groß, dass sich die Studierenden auch abseits des Programms verabredeten. Gemeinsam ging es in die Mensa und in die Studierendenwohnheime. Das Interesse am Austausch war auf beiden Seiten groß, und die vielen Sportmöglichkeiten auf dem Campus wie Beach-Volleyball und Fußball wurden schnell gemeinsam genutzt. Sport verbindet immer.

Zwei Welten, ein Fach

Wie unterschiedlich Studieren sein kann, wurde bei einem Unterrichtsbesuch und mehreren Campustouren eindrucksvoll deutlich: So umfasst der Campus der UGB rund 250 ha, das entspricht ca. 350 Fußballfeldern! Unvorstellbar für HRW-Studierende, die auf dem 4 ha großen HRW-Campus in Mülheim alles räumlich nah und praktisch beieinander finden. Vorlesungen finden an der UGB in der Regel von 8 bis 13 Uhr und von 16 bis 20 Uhr statt. Ab 20 Uhr starten dann die Tutorien, die durchaus die ganze Nacht bis in den Morgen angeboten werden. Um Mitternacht sind die Seminarräume noch gut gefüllt. 21.000 Studierende, Stundenpläne, die sich alle zwei Wochen ändern – für die HRW-Studierenden ein eindrücklicher Perspektivwechsel.

Baustellen, die man nicht im Lehrbuch findet

Zum Programm gehörten auch Besuche realer Bauprojekte in Saint-Louis und Umgebung: ein Gaskraftwerk im Neubau, an dem neben einem türkischen Generalunternehmer auch zwei deutsche Unternehmen beteiligt sind. Es zeigte beeindruckend die starke Verbindung des Bauingenieurwesens mit dem Anlagenbau. Auch das Sperrwerksprojekt Diama-Damm, ein Gemeinschaftsprojekt zwischen Mauretanien und Senegal, wurde gemeinsam mit den senegalesischen Studierenden besucht.

Durch die Studierenden wurde auch ein Field-Research für ein laufendes Forschungsprojekt zum Thema Technical and Vocational Education and Training (TVET) am Lehr- und Forschungsgebiet Bauökonomie realisiert. Hierfür haben sie die Arbeiten auf zwei Baustellen beobachtet, Bauarbeitende befragt und die Ergebnisse dokumentiert. Diese werden zugleich in die Dissertation von Alexandra Bohra (Promotionsstudierende der HRW) einfließen.

Den Abschluss der Woche bildete der Besuch der Insel Gorée vor der Küste Dakars, ein Ort von großer historischer Bedeutung als Symbol für den transatlantischen Sklavenhandel und heute UNESCO-Weltkulturerbe. Der Besuch von Gorée ist in Senegal vergleichbar mit einem Besuch von Dachau oder Auschwitz in Deutschland. Die Anfahrt von Saint-Louis nach Dakar dauerte ganze 6 Stunden. Begleitet wurden sie vom Institutsbusfahrer Lamine, seiner Frau, der Studiengangskoordinatorin Jan und ihrer 16 Monate alten Tochter, zudem Boli, dem Fachschaftsvorsitzenden der Bauingenieure sowie einem deutschsprachigen Studierenden, der die Gelegenheit nutzen wollte, sein Deutsch zu trainieren. Die sechs haben die deutsche HRW-Gruppe auch Sonntagmorgen um 5 Uhr zum Flughafen gebracht, um anschließend noch sechs Stunden zurück nach Saint-Louis zu fahren. In Summe waren sie mehr als 30 Stunden auf den Beinen. Was für eine große Gastfreundschaft!

Prof. Felix Meckmann schmunzelt: „Wir sind alle gesund nach Hause gekommen, auch wenn der ein oder andere Magen unterwegs komische Geräusche gemacht hat. Mein wichtigster Tipp vorab war: Nie Wasser aus dem Hahn trinken – und immer eine eigene Rolle Klopapier dabeihaben.“ 

Und er ergänzt, dass die Gruppe auch den Präsidenten der UGB kennenlernen durfte, der auch Professor für Deutsch ist. Ein Gespräch, bei dem viel gelacht wurde und klar wurde: „Wer aus Deutschland an die UGB kommen möchte, ist herzlich willkommen.“

 

Warum Internationalität im Studium den Unterschied macht

Exkursionen wie diese zeigen, was ein Studium an der HRW über den Hörsaal hinaus bieten kann: internationale Erfahrung, interkulturelle Teamarbeit und fachliche Einblicke, die es in Deutschland allein so nicht gibt. Die Bachelorstudiengänge Bauingenieurwesen und Wirtschaftsingenieurwesen – Bau sind zulassungsfrei und können in Vollzeit oder dual studiert werden. Bewerbungen für das Wintersemester sind noch bis zum 15. September 2026 möglich.

Ein besonderer Dank gilt Prof. André Faye, Direktor des polytechnischen Instituts der UGB, für sein persönliches Engagement und die Herzlichkeit die er uns entgegengebracht hat sowie dem Präsidenten der UGB für den herzlichen Empfang. Die Gastfreundschaft der senegalesischen Studierenden und Lehrenden hat diese Woche unvergesslich gemacht.