Sprungnavigation

  1. Zur Volltextsuche springen
  2. Zum Inhalt springen
  3. Zur Hauptnavigation springen
  4. Zur Servicenavigation springen
Seite: https://www.hochschule-ruhr-west.de//studium/beratung-und-betreuung/international-office/erfahrungsbericht-chile/
Datum: 15.12.2017, 10:57Uhr

Erfahrungsbericht für das PROMOS-Stipendium des DAAD

Mein Auslandssemester in Chile

Ein Bericht Corinna Lieb

 

Zeitraum: August 2016 – Dezember 2016

Stipendienprogramm: PROMOS-Stipendium des DAAD

Heimathochschule: Hochschule Ruhr West | Studiengang: Internationale Wirtschaft-Emerging Markets

Gasthochschule: Universidad de Talca (UTALCA), Chile | Studiengang: Ingeniería Comercial y Auditoría

Schon bei der Wahl meines Studienganges Internationale Wirtschaft-Emerging Markets plante ich im Verlauf des Studiums ein Auslandssemester zu absolvieren. Zu diesem Zeitpunkt war ich mir allerdings bezüglich des Landes noch nicht sicher und wollte dies abhängig von den möglichen Partnerhochschulen entscheiden. Zu Beginn meines Studiums war eine neue Kooperation mit einem weiteren Land in Südamerika im Gespräch, woraus sich später Chile als mögliche neue Partnerhochschule ergab. In Bezug auf Südamerika interessierte mich diese eventuelle Option sehr, da ich bereits in der Schule Spanisch gelernt hatte und auch an der Uni weitere Kurse belegen wollte. Zusätzlich dazu begeisterte mich die Kultur und landschaftliche Vielfalt Südamerikas bereits seit Kindesalter und die Möglichkeit erneut zu reisen. Als zeitlich passend zum Ende meines 4.Fachsemesters der Kooperationsvertrag mit der Universidad de Talca in Chile zu Stande kam, war die Freude groß.

Bewerbung und Vorbereitung

Der erste Schritt für eine Bewerbung zum Studiensemester im Ausland erfolgt über ein von unserer Hochschule vorgefertigtes Formular, welches persönliche Angaben, den Zeitraum des Auslandssemesters und die gewünschte Gasthochschule beinhaltet. Die Bewerbung erfolgt über das International Office der Hochschule, welches die Studenten bei der Bewerbung unterstützt. Da der Kooperationsvertrag sehr kurzfristig zu Stande kam, erfolgte die Bewerbung an der Universidad de Talca für die ersten Studenten unserer Hochschule zu etwas späteren Fristen als gewöhnlich. Im Online-Portal E-Campus sind ein Merkblatt zur Bewerbung und eine Checkliste für die einzureichenden Bewerbungsunterlagen hinterlegt. Zusätzlich zu der Anmeldung zum Studiensemester im Ausland war ein Motivationsschreiben, ein Lebenslauf, ein Nachweis über Sprachkenntnisse (B1 in Spanisch), eine aktuelle Immatrikulationsbescheinigung, eine aktuelle Leistungsübersicht und ein Empfehlungsschreiben eines Professors der Hochschule einzureichen. Nach erfolgreicher Annahme an der Partnerhochschule wird ein sogenanntes Learning Agreement abgeschlossen, das die Anerkennung der Veranstaltungen der Partnerhochschule durch eine Unterschrift des Studiengangleiters bestätigt.

Kurse

Die an der Partnerhochschule zu belegenden Kurse werden vorab gewählt und in dem zuvor erwähnten Learning Agreement festgelegt. Sie können vor Ort jedoch geändert werden. Die Informationen über vorhandene Kurse sind in Südamerika schwieriger zu erhalten, als ich es als deutsche Studentin gewohnt bin, wo mittlerweile die Kurswahl und Informationseinsicht online möglich ist. In Talca müssen die Studenten persönlich zu dem Sekretariat ihres Studiengangs gehen und sich von der Sekretärin einen Plan mit allen möglichen Kursen und Informationen zu Kursinhalten ausdrucken lassen. Ich habe selber zwei meiner bereits vorab gewählten Kurse geändert und der Sekretärin viele Besuche abgestattet, bevor ich wusste, welche Kurse ich endgültig wählen werde. Das System erscheint auf den ersten Blick kompliziert und aufwendig, vor allem wenn man als Auslandsstudent zu Beginn noch mit sprachlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Die Sekretärin meines Studiengangs war jedoch sehr geduldig und hilfsbereit, genauso wie alle anderen Studenten, die mir bei jeder Frage weiter geholfen haben. Zusätzlich dazu ist es zu empfehlen die Studenten der eigenen Hochschule nach ihrer Kurswahl zu fragen, die bereits an der Universidad de Talca studiert haben. Insgesamt empfehle ich die Wahl von lediglich 3 Kursen und den Besuch des zusätzlichen Spanischkurses, der zweimal wöchentlich stattfindet. In meinem Studiengang

Auditoría und Ingeniería Comercial war ich mit dem Workload der Kurse und der zusätzlichen Herausforderung des Studiums auf Spanisch ausreichend beschäftigt. Durch das andere Hochschulsystem in Chile haben die Studenten während des gesamten Semesters deutlich mehr zu tun als ich es persönlich aus Deutschland gewohnt bin. Wir sind es gewöhnt hauptsächlich eine große Klausur am Semesterende zu schreiben und während des Semesters Hausarbeiten zu verfassen oder Präsentationen zu halten. In Chile werden alle paar Wochen Teste und Klausuren geschrieben und nach Wahl der Kurse gehören Hausarbeiten oder Präsentationen im Semester ebenfalls dazu. Zuvor war mir gar nicht bewusst, dass es in Chile überwiegend eine Anwesenheitspflicht gibt und es verpflichtende Tutorien zu den gewählten Kursen gibt. Mit der regulären Kursanzahl von 5 oder 6 Kursen aus Deutschland wäre ich überfordert gewesen und hätte im gesamten Semester wahrscheinlich gar keine Zeit für andere Dinge gehabt. Ich würde im Hinblick darauf empfehlen, zwei Kurse zuvor zu belegen.

Visum

Als wichtiger Bestandteil für eine erfolgreiche Bewerbung ist die rechtzeitige Beantragung des Visums ebenfalls zu berücksichtigen, da die Bearbeitungszeit mindestens 4 Wochen beträgt. Für ein Studium in Chile benötigt man ein so genanntes Studenten- und Schülervisum für welches diverse Unterlagen im Original an die Botschaft in Frankfurt geschickt werden müssen. Sobald das International Office die Aufnahmebestätigung der Universidad de Talca erhält, wird dieses an die Studenten weitergeleitet. Sobald dies erfolgt ist können die vollständigen Unterlagen abgeschickt werden. Da das Visum persönlich in Frankfurt abgeholt werden muss, sollte der Termin zur Abholung rechtzeitig vor der Abreise gemacht werden. In meinem Fall wurde dies etwas stressig, da das International Office die Aufnahmebestätigung aus Talca sehr spät erhalten hat und ich meine Unterlagen erst recht spät zur chilenischen Botschaft schicken konnte.

Für die eventuelle Beantragung eines Reisepasses, der Beantragung einer Kreditkarte und den Abschluss einer Auslandskrankenversicherung sollte auch genügend Zeit eingeplant werden.

Impfungen

Auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes wird auf die Standardimpfungen gemäß des aktuellen Impfkalenders des Robert-Koch-Institutes verwiesen, wozu auch Impfungen wie Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Mumps, Masern, Röteln und Pneumokokken gehören. Als zusätzliche Reiseimpfungen werden außerdem Hepatitis A und Hepatitis B empfohlen. Ich habe mich dazu im Gesundheitsamt Duisburg über für Chile notwendige Impfungen informiert und mich zusätzlich auch noch gegen Tollwut und Typhus impfen lassen. Auch hierbei empfehle ich rechtzeitig mit den Impfungen zu beginnen, da manche Impfstoffe dreimal gespritzt werden müssen und dies mit Abständen von einigen Wochen. Außerdem ist es angenehmer nicht mehrere Impfungen auf einmal gespritzt zu bekommen, da ich zum Beispiel recht stark darauf reagiert habe.

Semesterzeiten

14.März – 15.Juli (Wintersemester)

08.August – 16.Dezember (Sommersemester)

Die Stadt Talca

Was mir persönlich an Talca sehr gefallen hat, ist der chilenische Charakter der Studentenstadt. Talca ist keine typische touristische Stadt in Chile mit diversen Sehenswürdigkeiten oder riesigen Einkaufszentren, wie man sie in der Hauptstadt Santiago findet. Dennoch hat die Innenstadt ein meiner Meinung nach ausreichendes Angebot an Läden und Märkten, sowie einer Mall. Auf den Cerro de la Virgen, den kleinen Berg der Stadt, kann man wandern und von oben den schönen Ausblick über die gesamte Stadt genießen. Vor allem in der Umgebung Talcas, in der Region Maule, gibt es einiges zu entdecken: der mit dem Bus zu erreichende Nationalpark Altos de Lircay eignet sich hervorragend zum Wandern und im Nationalpark Siete Tazas kann man die Natur bewundern und ein Bad im kühlen Wasser nehmen. Mit Zug oder Bus kann man nach Constitución an die Pazifikküste fahren oder Städte in der Umgebung wie Curicó, Linares oder San Javier besuchen. Es gibt zahlreiche Weingüter in der Region, die sich auch besichtigen lassen. Wenn es einen dann doch einmal in eine größere Stadt zieht, so sind Santiago (3 ½ h), Valparaíso (5-6 h) oder Viña del Mar (5-6 h) gut mit dem Bus zu erreichen.

Campus Talca und kulturelle Angebote

Der Campus Talca befindet sich außerhalb der Stadt ungefähr 10-15 Minuten mit dem Bus vom Stadtzentrum entfernt und ist sehr grün und weitläufig gestaltet. Alle Fakultäten von Medizin bis hin zu Musik oder wirtschaftlichen Studiengängen sind auf dem Campus vertreten. Die gesamte Anlage ist mit Rasenflächen, Palmen und Blumen gestaltet und im botanischen Garten können in einer Pause eine Vielfalt an Tieren und Pflanzen bewundert werden. Viele Studenten verbringen ihre Freizeit auf dem Campus, da es ein umfangreiches Sportangebot und Sportanlagen gibt. Es gibt ein lebhaftes Campusleben mit regelmäßigen Veranstaltungen, wie kleinen von den Fachschaften organisierten Märkten mit Tanzauftritten oder Live-Musik, sowie von der Uni organisierte Partys.

Das International Office der UTALCA organisiert zwei Wochen vor Semesterbeginn ein Einführungsprogramm für die Auslandsstudenten, um ihnen das Einleben in Talca und der Uni zu erleichtern. Dies ist eine gute Chance sich in der neuen Umgebung besser zurecht zu finden und die anderen Auslandsstudenten kennenzulernen. Zu dem Programm gehörten bei uns zahlreiche Ausflüge und Aktivitäten, wie gemeinsames Kochen oder ein Tag in der Hauptstadt Santiago.

Während des Semesters wurde ein International Fest organisiert, bei dem jedes Land typische Gerichte, Getränke, Musik und Tänze seines Landes vorstellen konnte. Es war eine sehr lebhafte Veranstaltung, bei der ich viel probieren und entdecken konnte.

Während des Semesters bekam ich nicht nur die Chance die chilenische Kultur kennenzulernen, sondern konnte auch einiges über Mexiko, Kolumbien, Brasilien, Frankreich, Spanien, Südkorea lernen. Es ist absolut ein Vorteil, dass in Talca Austauschstudenten aus der ganzen Welt studieren.

Wohnen in Talca

Wie bereits erwähnt ist Talca eine Studentenstadt und so gut wie alle Studenten wohnen in der Nähe der Uni. Auf der Straßenseite gegenüber des Campus Talca hat sich schon fast ein Studentenviertel entwickelt, da dort überwiegend Studenten in kleinen Häusern oder Wohnungen wohnen. Die meisten Studenten teilen sich mit 3-5 Leuten ein kleines Haus oder

eine Wohnung in den Wohngebieten direkt gegenüber der Uni. Die Mieten variieren hierbei je nach Umfang der Einrichtung zwischen 60.000 und 120.000 Pesos chilenos. Eine weitere Möglichkeit ist ein Haus in einem mit Zaun und Wächter abgegrenzten Condominio zu mieten, in welchem ich mit drei weiteren deutschen Studenten gewohnt habe. Ein Condominio könnte man auch mit Gated Community beschreiben.

Sprache (chilenisches Spanisch)

In meinem Auslandssemester habe ich gelernt, dass Spanisch nicht gleich Spanisch ist. Das Spanisch aus Spanien ist nicht unbedingt mit dem aus Chile, Mexiko oder Argentinien zu vergleichen. Zu Beginn habe ich wirklich den Eindruck gehabt, dass die Chilenen einfach kein Spanisch sprechen. Die Mehrheit spricht sehr schnell und undeutlich und verwendet viele Slang-Wörter, die in keinem anderen Land existieren. Der Chilene nennt eine Party carrete und spricht alle Freunde und Bekannten mit weon an. Als Bestätigung um sich zu vergewissern ob sein gegenüber verstanden hat was er gesagt hat, vergewissert er sich mit einem kurzen ¿cachai? Mit der Zeit versteht man immer mehr und verwendet bald selbst chilenische Wörter ohne dies zu bemerken. Einige sehr amüsante Wortwitze gab es dennoch…

Für ein Studium an der UTALCA wird ein Sprachlevel von B1 vorausgesetzt, was ich für sinnvoll halte, da ein Studium auf Spanisch nicht zu unterschätzen ist. In der Schule hatte ich 3 Jahre Spanischunterricht und habe an der Hochschule Ruhr West 3 weitere Sprachmodule belegt. Mit diesen Voraussetzungen ist ein Studium auf Spanisch kein Problem, allerdings sollte man sich auf anfängliche Probleme einstellen und nicht direkt den Kopf in den Sand stecken. Ich habe auch etwas gebraucht um mich zurechtzufinden und die Hemmung zu Sprechen zu überwinden. Am Ende war ich dann doch stolz auf meine Fortschritte während des Semesters, auch wenn es etwas gedauert hat.

Wetter

Nach der Vorstellung der Deutschen ist Südamerika ein Kontinent, auf dem es immer warm und sonnig ist und ein Winter so zusagen nicht existiert. Wir wurden in Chile eines anderen belehrt. Nachdem wir im August ankamen hat es noch einige Monate gedauert, bis wir wirklich in kurzen Sachen draußen herumlaufen konnten. Vor allem in den Häusern war es sehr kalt, da die Isolierung nicht gerade dick ist und es nicht wie bei uns in Deutschland überall Zentralheizungen gibt. Es ist wichtig zu wissen, dass der Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht sehr extrem ist und es auch im Hochsommer sehr stark abkühlt. Also nicht vergessen auch warme Sachen einzupacken. Die Sonne ist in Chile hingegen sehr intensiv und nicht zu unterschätzen. Die Sonneneinstrahlung ist mit eine der stärksten der Welt und einen Sonnenbrand holt man sich das ganze Jahr über sehr schnell.

Reisen

Da ich im Semester recht viel mit der Uni zu tun hatte, habe ich in der Zeit ein paar Wochenendtrips oder kleiner Ausflüge in die Umgebung Talcas gemacht und meine fast zwei Monate nach dem Auslandssemester zum Reisen genutzt. Südamerika hat sehr viel zu bieten und ich kann es gar nicht erwarten wieder dort hinzureisen und weitere Länder zu erkunden. In meiner Reisezeit habe ich versucht ganz Chile zu bereisen, habe etwas von Perú, Bolivien und Brasilien sehen können.

Insgesamt kann ich jedem herzlich empfehlen den Schritt zu wagen und ein Auslandssemester zu machen. Ich habe in diesen 6 Monaten so viele unglaubliche Dinge erleben dürfen, die ich niemals vergessen werde. So viele unfassbare Orte und wundervolle Menschen die ich in mein Herz geschlossen habe. Ich werde noch lange auf diese Zeit zurück blicken und mich glücklich schätzen diese Erfahrungen gemacht zu haben. Nun kann ich meine Freunde aus aller Welt besuchen gehen oder sie bei mir in Deutschland willkommen heißen. Persönlich als auch akademisch habe ich vieles dazu gelernt und vielleicht meine Sicht und Einstellung zu bestimmten Dingen geändert oder erweitert.

Bei weiteren Fragen bin ich unter folgender E-Mail Adresse zu erreichen: corinna.lieb stud.hs-ruhrwest "«@&.de

Mülheim, 17.02.2017
Corinna Lieb