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Seite: https://www.hochschule-ruhr-west.de//sicherheitstechnik-im-sportwagen/
Datum: 24.09.2021, 21:08Uhr

Sicherheitstechnik im Sportwagen

Matthias Marissen analysierte die Zuverlässigkeit von Software

Matthias Marissen hat sein Bachelorstudium Sicherheitstechnik erfolgreich abgeschlossen. Das Besondere: Er fertigte seine Abschlussarbeit beim Sportwagenhersteller Porsche an. Aufgrund der Corona-Pandemie arbeitete Marissen zwar die meiste Zeit im Homeoffice und war nur zu wenigen Terminen vor Ort im Entwicklungszentrum Weissach (bei Stuttgart), jedoch stand er im ständigen Austausch mit den Sicherheits- und Entwicklungsingenieur:innen des Unternehmens. Das bot ihm die einmalige Gelegenheit , einen umfassenden Einblick in die Arbeit des Sportwagenherstellers zu bekommen.

Doch was hat der Studiengang Sicherheitstechnik überhaupt mit Porsche zu tun? Matthias Marissen beschreibt es so: „Ein Hauptkaufkriterium der Kunden ist die Sicherheit des Fahrzeuges. Mängel diesbezüglich können zu einem Imageverlust des Herstellers führen, hohe Kosten nach sich ziehen und im schlimmsten Fall Menschenleben gefährden. Dem Thema kommt daher ein enorm hoher Stellenwert zu. Der Funktionsumfang der Fahrzeuge ist innerhalb der vergangenen Jahre immer weiter angestiegen - darunter ein großer Anteil sicherheitsrelevanter Funktionen, welche mit Software und Elektronik umgesetzt werden."

Im Studiengang Sicherheitstechnik lernen die Studierenden diesbezüglich, Maßnahmen zur Beherrschung von zufälligen Bauteilausfällen und zur Vermeidung von systematischen Entwicklungsfehlern zu planen und umzusetzen. In der Automobiltechnik wird zukünftig vor allem die Zuverlässigkeit der Software eine immer wichtigere Rolle spielen. Vor allem in Bezug auf autonom fahrende Fahrzeuge stellt dies eine sehr große Herausforderung dar.

An dieser Stelle setzte die Bachelorarbeit von Marissen an. Das Thema der Arbeit war die „Erstellung eines generischen Leitfadens für sicherheitsbezogene Software-Analysen auf Architektur-Ebene unter Berücksichtigung der Norm ISO 26262“. Der internationale Standard ISO 26262 definiert hierzu geeignete risikoabhängige Maßnahmen. Mit der Arbeit wurde ein Analyseverfahren erstellt, welches anhand von möglichen Signal-Abweichungen Fehler in der Software identifiziert. Anhand der identifizierten Fehler können Anforderungen spezifiziert werden, welche die bestehende Software-Architektur hinsichtlich der Sicherheit verbessert. Das Verfahren wurde anhand einer sich in der Entwicklung befindlichen Software-Funktion erprobt. Anschließend wurde die Umsetzung des Verfahrens anhand eines generischen Leitfadens beschrieben, welcher künftig in den Entwicklungsprozess bei Porsche integriert wird.

Wie ist der Kontakt zu Porsche entstanden? Matthias Marissen bedankt sich hierzu bei Prof. Dr. Uwe Kay Rakowsky, der den Kontakt zu den Sicherheitsingenieur:innen von Porsche herstellte. Professor Rakowsky lernte einen Sicherheitsingenieur aus dem Porsche-Team bereits während seiner Tätigkeit an der Universität Wuppertal kennen und arbeitete später im beruflichen Kontext einige Zeit mit diesem zusammen. Die fachliche Betreuung der Arbeit übernahm dann Prof. Dr. David Schepers, da das Thema in sein Fachgebiet, die Funktionale Sicherheit, fällt. Marissen ergänzt weiterhin: „Ich hatte das Glück, dass ich gerade die Lehrveranstaltungen „Sicherheit in der Automobiltechnik“ und „Software-Qualitätsmanagement“ von Professor Schepers besuchte, als Porsche auf der Suche nach geeigneten Kandidat:innen für die Bearbeitung des Themas war und ich während der Lehrveranstaltungen auf das Bewerbungsverfahren aufmerksam wurde.“

Das Studium der Sicherheitstechnik hat Marissen hinsichtlich verschiedener Aspekte gut auf das zu bearbeitende Thema vorbereitet. In den ersten Semestern werden dort viele Grundlagen in den verschiedensten ingenieurwissenschaftlichen Fächern vermittelt, welche notwendig sind, um technische Systeme zu verstehen und unter Berücksichtigung der Sicherheitsanforderungen entwickeln zu können. Marissen erläutert: „Zur Umsetzung der Analyse und zum Verständnis der Software-Funktion waren beispielsweise viele Grundlagen-Kenntnisse im Bereich der Mechatronik, Software und Fahrdynamik notwendig. Die Absicherung von elektrischen und elektronischen Systemen ist sehr komplex und erfordert spezifisches Wissen, welches in den verschiedenen Modulen zum Thema Funktionale Sicherheit sowie in verschiedenen Laborpraktika vermittelt wird. Die Umsetzung der Funktionalen Sicherheit ist stark von der jeweiligen Branche geprägt, durch das Wahlmodul „Sicherheit in der Automobiltechnik“ war ich jedoch bereits vor Beginn der Arbeit mit den spezifischen Entwicklungsprozessen in der Automobilindustrie vertraut.“

Und was war das beeindruckendste Erlebnis während der Zusammenarbeit mit Porsche? „Zu Beginn und am Ende der Abschlussarbeit war ich vor Ort im Porsche Entwicklungszentrum in Weissach. Tage, die ich vor allem als Automobil-Fan nicht vergessen werde. Einen Blick hinter die Kulissen bei der Entstehung eines Sportwagens zu bekommen, war äußerst spannend und interessant. Das Erlebnis, welches mich am meisten beeindruckt hatte, war eine Erprobungsfahrt mit dem Porsche Taycan Turbo S“, erzählt Marissen begeistert.

Nach Abschluss der Bachelorarbeit waren auf der Seite von Porsche zufriedene Ingenieur:innen zu verbuchen und Matthias Marissen konnte sich über eine sehr gute Note freuen. Damit konnte ein durchweg positives Fazit bezüglich der Zusammenarbeit gezogen werden. Matthias Marissen wechselt nun in den Masterstudiengang Systemtechnik der HRW. Wer weiß, vielleicht ergibt sich ja die nächste Chance in der Masterarbeit ein weiteres interessantes Thema bei Porsche zu bearbeiten.