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Seite: https://www.hochschule-ruhr-west.de//news/datensaetze-presse/2019/kompetenz-durch-engagement/
Datum: 16.10.2019, 14:54Uhr

Studierende erarbeiten detaillierte Pläne rund um das Bauvorhaben „Alte Dreherei“

Mülheim an der Ruhr, 25. Juli 2019.  Die Lokrichthalle der Alten Dreherei oder: „Wie rettet man mit wenigen Mitteln ein denkmalgeschütztes Gebäude? Mit sehr viel Engagement und Eigenleistungen, mit Geduld und Kreativität. Das alles haben die Mitglieder vom Trägerverein „Alte Dreherei“ rund um den Vorsitzenden Martin Menke. Bereits im Sommer 2018 feilten Studierende des Masterstudiengangs Bauingenieurwesen an Konzepten, prüften die alte Bausubstanz und das alte Material an der Lokrichthalle, stellten statische Berechnungen an.

Die Lösung für die gestellte Herausforderung: Der denkmalgeschützte Gebäuderest muss durch eine äußere Hülle vor Witterungseinflüssen geschützt und stabilisiert werden. Im Wintersemester 2018/19 folgte ein Architekturwettbewerb mit Studierenden der Hochschule Düsseldorf. Anhand der Entwürfe der Architekturstudent*innen erstellten fünf Teams im Sommersemester 2019 eine Detailplanung, auf deren Grundlage notwendige Arbeiten ausgeschrieben werden könnten. Jeder Gruppe wurde ein Architekturentwurf zugeordnet mit dem Ziel, das Bauvorhaben vom Entwurf bis zur Ausführung unter realen Bedingungen zu entwickeln. Da der Masterstudiengang an der Hochschule zwei Schwerpunkte, Baumanagement und Konstruktion, hat, konnten in den Teams alle notwendigen Rollen verteilen werden: Projektleitung, Objektplanung, Bauleitung, Tragwerksplanung, Konstruktion sowie Energieberatung.

Mit den Präsentationen, die im Juli vor den Bauherren vom Trägerverein, dem Amt für Denkmalschutz und Dozenten gehalten wurden, gaben die Studierenden jede Menge Papier ab: eine genaue Kostenplanung, ein Leistungsverzeichnis mit Honorarermittlungen, ein Baustelleneinrichtungsplan mit Angaben zur Verkehrsführung, ein Antrag zur Baugenehmigung, ein Vertragsentwurf zur Vergabe der Bauleistungen, Zeitpläne (Planungszeitraum z. B. zwölf Monate, Bauzeit 23 Monate), Ausführungsplanung für das Tragwerk, Wärmeschutznachweise, Lösungsansätze für anfallende Wärmebrücken.

„Das Projekt hatte einen straffen Zeitplan; bestimmte Schritte und Meilensteine mussten parallel bearbeitet werden“, erklärte Stephan Schwarz, wissenschaftlicher Mitarbeiter am HRW Institut Bauingenieurwesen. Schwarz und sein Kollege Dr. Dirk Kuhfeld sind beeindruckt von den Arbeiten und Planungen der Studierenden. Zufrieden war auch Melanie Rimpel vom Denkmalschutz der Stadt Mülheim: „Wir können zu den Vorschlägen unser Einverständnis geben.“

Passten die Entwürfe der Architekten nicht mit wichtigen Vorgaben, bezüglich der Barrierefreiheit, des Brandschutzes oder beim Sonnen- und Wärmeschutz überein, erarbeiteten die Studierenden eigene Lösungsvorschläge. „Wir hatten überlegt, den Entwurf der Architekturstudentin partiell technisch und wirtschaftlich zu optimieren. Beispielsweise erarbeiteten wir den Vorschlag, in der Fassade kleinere Glaselemente zu verwenden bzw. die Träger anders zu setzen“, berichtete Lukas Schirmer, Masterstudent Bauingenieurwesen.

„Das Mitdenken der Studierenden begrüßen wir“, so Schwarz. „Doch die Veränderungen nahmen die Studierenden zum Teil ohne Rücksprache mit den Architekten vor. Das geht natürlich nicht – es gibt Entscheidungen, die liegen nicht bei den Fachplanern, sondern beim Architekten, den Bauherren, den zuständigen Ämtern. Das müssen junge Bauingenieur*innen lernen. Dafür sind Sercive-Learning-Projekte wie dieses sehr gut geeignet“, erklärte Schwarz.

Für den Bauherrn, den Trägerverein Haus der Vereine in der Alten Dreherei e.V., waren Kurt Leyk und Horst Wolfframm bei der Präsentation. „Wir haben als Verein den festen Willen, die alte Halle zu sanieren. Es ist für uns ein Riesenprojekt und wir schätzen die Ideen, Entwürfe und die Detailplanung der Studierenden und ihr Engagement sehr“, so Kurt Leyk. „Wichtig sind für uns die detaillierten Kostenaufstellungen, damit wir wissen, wie wir weiter vorgehen werden.“

„Das Praxisprojekt hat uns einen realitätsnahen Einblick in verschiedene Aufgabenbereiche eines Bauingenieurs in der Planungsphase gewährt. Darüber hinaus wurde uns die Gelegenheit geboten, das eigene Fachwissen sowie die Teamfähigkeit zu testen und auszubauen“, fasst der studentische Projektleiter Jens Terbeek zusammen.

Das Projekt zeigte deutlich, dass Bauingenieur*innen mehrere Hürden meistern müssen. Sie brauchen ihr Fundament, nämlich mathematische, naturwissenschaftliche und technische Grundlagen – für Planung und Konstruktion. Und Bauingenieure dürfen keine Scheu vor Menschen haben. Bei vielen Projekten arbeitet man im Team - ohne Kommunikation kommt man nicht weit. Außerdem müssen Bauingenieure immer im Blick haben, dass bei allen Bauobjekten Sicherheit und Funktion oberste Priorität haben. Anders als in der Architektur geht es hier nicht so sehr um die Ästhetik des Entwurfs.

Auch die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, ist im späteren Berufsleben gefragt. Denn Bauingenieure arbeiten oft an Projekten, die das Leben der Menschen über Jahrzehnte beeinflussen.


Service Learning an der HRW charakterisiert sich durch folgende Merkmale:

  • Studierende engagieren sich bei gemeinnützigen oder öffentlichen Partnern in der Region (Sport, Kultur, Soziales, Kommunen) und setzen dabei eigene Kompetenzen ein.
  • Das Engagement ist eingebunden in eine Lehrveranstaltung, ein Lehrprojekt oder eine Abschlussarbeit.
  • Es liegt eine konkrete, klar definierte Fragestellung des gemeinnützigen Partners vor.
  • Das Engagement der Studierenden wird kontinuierlich durch Hochschule und Vertreter*innen der Kooperationspartner vor Ort fachlich begleitet und schließt mit einer Reflexion ab.
  • Die Anerkennung des Engagements ist z. B. durch Credits, Zertifikate oder einer Aufführung im Abschlusszeugnis möglich.

Pressekontakt

Beatrice Liebeheim-Wotruba

Referat Hochschulmarketing
Duisburger Str. 100, 45479 Mülheim an der Ruhr
Gebäude 03

Telefon: +49 208 88254-251
Handy: +49 151 55 11 7450

beatrice.liebeheim-wotruba hs-ruhrwest "«@&.de