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Seite: https://www.hochschule-ruhr-west.de//frauen-in-der-forschung-prof-dr-sylvia-schaedlich/
Datum: 12.04.2021, 06:18Uhr

Prof. Dr. Sylvia Schädlich forscht zum Kältemittel Propan

WAZ Redakteurin stellt Frauen in der Forschung vor. Im Porträt: Prof. Dr. Sylvia Schädlich aus dem Institut Energiesysteme und Energiewirtschaft


Mit Propangas kochen die Camper. Man kann Propan aber auch als Kältemittel nutzen, hat Prof. Dr. Sylvia Schädlich mit Studenten herausgefunden.

Jeder Camper kennt und nutzt es zum Grillen oder Kochen – Propangas. Prof. Dr. Ing. Sylvia Schädlich erforscht an der Hochschule Ruhr West (HRW), wie man Propan auch in einem ganz anderen Bereich einsetzen kann – als Kältemittel für Kühlhäuser und Kühltheken beispielsweise.

Nur fünf  Prozent Frauen im Studiengang

Maschinenbau hat die Wissenschaftlerin in Essen studiert, sie zählte damals zu den rund fünf Prozent Frauen im Studiengang. „Ich habe schnell gemerkt, dass Mathe, Physik und das Problemlösen das Richtige für mich waren“, erinnert sie sich. Sie promovierte in Essen in der Angewandten Thermodynamik, war als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei vielen Forschungsprojekten dabei. „Bei der Fusion der Universitäten Essen und Duisburg ist unser Institut für Klima- und Kältetechnik leider geschlossen worden. Ich habe dann erstmal ein eigenes Ingenieurbüro aufgemacht, wollte aber immer an einer Hochschule lehren und forschen“ berichtet Sylvia Schädlich.

Die Mutter von drei Kindern engagierte sich auch frauenpolitisch. „Die Kindererziehungszeiten – bei mir waren es neun Jahre – wurden bei einer Bewerbung auf eine Professur damals nicht angerechnet, ich konnte nicht verbeamtet werden. Ich habe eine Petition in den Landtag eingebracht. Man hat schließlich zugegeben, dass das ein Fehler war und die Verordnung geändert.“

An die HRW wurde die Ingenieurin 2014 berufen. Sie arbeitet im Institut für Energiesysteme und Energiewirtschaft, beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Kälte- und Energietechnik, Klima- und Lüftungstechnik, führt energetische und ökologische Analysen und Inspektionen von Anlagen durch. „Früher hat man für Kühlschränke Kältemittel benutzt, die ozongefährdend waren und den Treibhauseffekt vorantrieben. Deshalb wurden später umweltschonendere Kältemittel entwickelt. Die meisten hatten aber ungünstige Nebeneffekte. Propan hat eine gute Energieeffizienz, ist umweltschonend“, hat Sylvia Schädlich herausgefunden.

Das einzige Problem: Das Gas ist leider brennbar. Es gibt deshalb strikte Verordnungen für die Nutzung. Aufgabe war es also, eine sichere Nutzung in Kühlanlagen zu entwickeln. Die Professorin und ihr Doktorand Tobias Guth kooperierten mit einem Kälteanlagenbauer aus dem Ruhrgebiet, forschten an einer Kälteanlage, die im Technikum der HRW aufgebaut wurde. Die Kühlung erfolgt über einen Wasserkreislauf mit kaltem Wasser. Das Ziel der Versuche: größere – absolut sichere – Module für die Kühlung zu konstruieren, die zum Beispiel Händler in Supermärkten aufstellen können.

Kooperation mit Kälteanlagenbauer

„Wir haben nachgewiesen, dass das Propan gefahrlos eingesetzt werden kann und untersucht, wie man mehrere Module mit Propan betreiben könnte. „Die Chemie hat zwischenzeitlich auch andere Kühlmittel entwickelt, Propan ist derzeit aber das Mittel der Wahl“, so Schädlich. Mit dem Gas und mittels des Wasserkreislaufes sei es auch möglich, Wärmepumpen oder Klimaanlagen zu betreiben.

Die entwickelte Technik kann Anwendung etwa bei Elektro-Fahrzeugen finden. „E-Autos geben zu wenig Abwärme ab, als dass damit der Wagen geheizt werden könnte. Man braucht intelligente Wärmepumpensysteme und die könnten ebenfalls mit Propan betrieben werden“, erklärt Sylvia Schädlich. An der Entwicklung solcher Systeme arbeite man zusammen mit Automobilzulieferern.

E-Fahrzeuge sind ein Anwendungsgebiet

Ein weiteres Projekt: das passende Öl zu jedem Kältemittel bzw. Verdichter zu finden, denn dieses Öl hat wohl Einfluss auf die Effizienz. „Das hat noch niemand systemisch untersucht. Eine Anlage zu bauen und Versuche durchzuführen, das wäre toll.“ Leider habe die Kältetechnik keinen so großen Stellenwert mehr an den Hochschulen. „Dabei werden zurzeit schon 14 Prozent des gesamten deutschen Strombedarfs für Kältetechnik aufgewendet. Und der Bedarf nimmt zu. Das wird in Deutschland nicht richtig erkannt. Unsere einst hohe Kompetenz haben wir nach Asien abgegeben“, kommentiert Sylvia Schädlich. Dabei ist die erste nutzbare Kälteanlage und damit das Prinzip des Kühlschranks von Carl von Linde erfunden worden - einem Deutschen.