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Seite: /digital-readiness-saarn/
Datum: 30.11.2020, 11:33Uhr

Digital Readiness Saarn

Digitalisierung des Saarner Einzelhandels

Mülheim an der Ruhr, Oktober 2020: Das Projekt ‚Digital Readiness Saarn‘ unter der Leitung von Prof. Dr. Sarah Hosell, Studiengangsleiterin des Bachelorstudiengangs E-Commerce, und Prof. Dr. Fatih Gedikli, Lehrgebiet ‚Big Data, Data Warehousing, Mobile- und Socialcommerce‘, befasst sich mit einem Change-Prozess vom alleinigen stationären Handel am Standort Mülheim-Saarn hin zu einer gelungenen Mischung von stationärem und digitalem Handel zur Erschließung neuer Zielgruppen und Sicherung der Zukunftsfähigkeit des Einzelhandels im Stadtteil.

“Saarn” ist ein Stadtteil im Südwesten von Mülheim. Strukturell setzt sich der Einzelhandel in Saarn sowohl durch Solitär als auch durch Handelsketten zusammen. Viele der Einzelhändler:innen sind Mitglied in der Werbegemeinschaft Saarn e.V.. Bisher sind keine digitalen Strukturen wie W-LAN oder eine Stadtteil-App vorhanden. Rudimentär ist die Werbegemeinschaft in sozialen Medien tätig, in denen dort auf aktuelle Veranstaltungen hingewiesen wird.

In einem bereits abgeschlossenen Studierendenprojekt im vergangenen Sommersemester 2019 zum Thema “Online Marketing” berichteten die Händler:innnen in Saarn über Frequenzverluste in den vergangenen Jahren sowie die eher gehobene Altersstruktur der Kund:innen. Damit einher gehen Umsatzverluste und sich verstärkende Existenzängste insbesondere hinsichtlich der meist familiären Nachfolgerschaft.
Im Gespräch mit Händler:innen aus Saarn wurde deutlich, dass Chancen des Projektes darin gesehen werden, den Standort zu sichern und die junge Generation als Kund:innen zu erreichen. Zudem sollen Vertreter:innen der jungen Generation einen Anreiz darin sehen, die traditionellen Unternehmen zu übernehmen und fortzuführen.

Ein Schlüssel zum Erfolg wird darin gesehen, dass sich die aktuellen Händler:innen stärker gegenüber digitalen Medien und Digitalisierung öffnen und „attraktiver“ für die junge Zielgruppe werden. Als Herausforderung wird genannt, dass es bei einer Ansammlung von 134 Händler:innen in der Werbegemeinschaft, 134 Personen sind, die es gewohnt sind selbstständig zu agieren und eben nicht im Verbund. Jedoch wurde bereits bei der Einbringung der Projektidee durch die Hochschule Ruhr West - Gespräche mit Prof. Hosell und Prof. Gedikli - deutlich, dass die Wirkungskette wie ein Lauffeuer angesprungen ist und die Kommunikation der Händler:innen untereinander stark angeregt wurde.

Der Tipping Point, das Projekt als große Chance wahrzunehmen, ist innerhalb der Händler:innenschaft akzeptiert und durch einzelne Meinungsführer ohne Zutun der Hochschule verbreitet worden. Diese positive Resonanz überraschte auch die beteiligten Professor:innen der Hochschule. Deutlich wird dies auch durch die zahlreichen Spendenbereitschaften einzelner Händler:innen.

Die Projektidee, Empfehlungssysteme - Recommendation Engines - als verkaufsunterstützende Anwendungen in den stationären Handel zu integrieren, wuchs durch zahlreiche Gespräche innerhalb und außerhalb der Hochschule. Diese sogenannten Recommendation Engines sind gewöhnlich in Webshops integriert und weisen den:die Konsument:innen auf Produkte und Dienstleistungen hin, an denen sie:er interessiert sein könnte, die sie:er aber noch nicht gekauft hat. Die Empfehlungen des Systems können auf Benutzer- und Produktdaten basieren. Kleine und mittlere Betriebe im Einzelhandel haben jedoch meistens kein Warenwirtschaftssystem im Einsatz und somit auch keine direkt auswertbaren Daten. Allerdings werden diese Betriebe trotzdem im World Wide Web “datafiziert”, d.h. ihre Produkte und Dienstleistungen werden auch ohne Kenntnis der Einzelhändler im virtuellen Raum bewertet und kritisiert.

Um die Händler:innenschaft im Hinblick auf die fortschreitende Digitalisierung des Handels vorzubereiten, verfolgt das Projekt ‚Digital Readiness Saarn‘ mehrere Ziele:

Als Oberziel steht ein Fitmachen der Händler:innenschaft für die digitale Disruption im Handel und damit die Existenzsicherung im Fokus.
Mittelziele sind eine Marktforschung zur Struktur des Einzugsgebietes, mithilfe von professionellem Change Management die Händler:innen im Prozess der Veränderung zu begleiten, Entwicklung eines angemessenen und durch die Gemeinschaft leistbaren Digitalisierungsplan, Entwicklung der KI für Empfehlungen, Umsetzung in der Praxis und ein Empfehlungsheft für weitere Projekte in NRW.
Unterziele sind aktuelle Empfehlungsverfahren aus dem Bereich der KI einzusetzen und den aktuellen Stand der Technik zu erweitern, den Händler:innen die Weltanschauung und den Umgang junger Menschen mit den digitalen Medien aufzuzeigen, Rechtskonforme Vorgehensweise, Aufsetzen der Softwarearchitektur, Datengewinnen und –Verarbeitung, Testbetrieb, Dokumentation, langfristige Nutzbarmachen der Ergebnisse für die Gemeinschaft.

Ein weiteres Unterziel des Projekts besteht darin, bereits vorhandene Daten aus Social Media-Kanälen wie z.B. Facebook und Instagram und Bewertungsplattformen wie z.B. Google durch den Einsatz von Textanalyseverfahren für Einzelhändler:innen greifbar und nutzbar zu machen. Nachdem die Daten automatisiert bzw. semi-automatisiert generiert wurden, können in einem zweiten Schritt Empfehlungsverfahren eingesetzt werden, um passende Empfehlungen zu generieren. Die Händler:innenschaft wird bis zum Testbetrieb der einzelnen Steps des Digitalisierungsplanes mit einbezogen und aktiv bei der Testung begleitet.

Am 8. Oktober 2020 fand die Kick-Off-Veranstaltung des Projektes unter Corona-Bedingungen am HRW Campus in Mülheim statt. Dort wurden neben organisatorischen Dingen Anforderungen und Erwartungen aller Projektteilnehmer:innen diskutiert und eine erste Zielausrichtung besprochen. In Kürze werden unterschiedliche Workshops aus dem Bereich Social Media, Weihnachtsgeschäft in Coronazeiten und KI für Dummies angeboten. Zeitgleich werden erste Test mit dem KI-System gefahren.

Zum Abschluss des Projetzeitraumes Ende 2022 sollen die Ergebnisse des Prozesses dokumentiert und veröffentlicht werden, um so auch als ‚Blue Print‘ für andere Einzelhandelsstandorte mit vergleichbarer Ausgangslage dienen zu können.

Sabine Zieren
Interne Kommunikation

Referat Hochschulmarketing & Kommunikation
Duisburger Str. 100, 45479 Mülheim an der Ruhr
Gebäude 03

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