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Seite: https://www.hochschule-ruhr-west.de//die-hrw/news/details/
Datum: 01.12.2021, 05:23Uhr

Neues Leben für den alten Hallenrest in Mülheim

23. Oktober 2018 Studierende News Archiv Erstellt von Steffen Tost (NRZ)

Die Alte Dreherei ist 15 Jahren der Witterung ausgesetzt. Trägerverein und HRW Bauingenieure kooperieren bei der Sicherung.

Auf den rund 480 Quadratmetern soll alles untergebracht werden, was nicht zur Ausstellung gehört, sagt Martin Menke, Vorsitzender des Trägervereins. Neben Sozialräumen, der Werkstatt, Toiletten und einem Lager, sollen dort auch zwei Loks abgestellt werden.

Wenn jetzt nicht etwas geschieht, könnte in naher Zukunft die Standsicherheit der Rudimente der ehemaligen Lokrichthalle akut gefährdet sein. Zu diesem Ergebnis kommen Studierende der HRW, die sich in einem Praxisprojekt mit dem Erhalt der Halle 1 beschäftigen. Vor 15 Jahren wurde die zentrale Halle des Eisenbahnausbesserungswerkes, deren Giebel 1874 direkt auf der Begrenzungsmauer der  alten Dreherei errichtet wurde, weitestgehend abgerissen. Planungspolitiker und Denkmalschützer hätten damals gerne noch mehr von dieser wichtigen Bausubstanz erhalten. Aber die Verkehrsbetriebe brauchten Platz. Auch Besucher blicken eher verständlichlos und fragend auf die kümmerlichen Reste, die im Gegensatz zur Alten Dreherei die der Förderverein in mühsamer, zehn Jahre währenden Anstrengung restaurierte, kein Schmuckstück sind.

Grundfläche von 300 Quadratmetern blieb erhalten

Lediglich eine Grundfläche von 300 Quadratmetern blieb erhalten. Aber nun zeichnet sich durch das Praxisprojekt der benachbarten HRW für diese Reste eine sinnvolle Zukunftsperspektive ab. Dabei kooperiert die Hochschule mit dem Architekturbereich der Düsseldorfer Peter-Behrens School of Arts und bindet für die technische Gebäudeausstattung auch Studierende der HRW-Dependance in Bottrop ein. „Die Kooperation mit Düsseldorf ist sinnvoll, weil wir uns wechselseitig ergänzen“, erklärt Initiator Prof. Felix Meckmann. In Düsseldorf gebe es im Gegensatz zu Ruhrgebiets-Unis keine Bauingenieure. Praxis ist zudem sinnvoller als Theorie. Ziel ist es, bis 2019 eine Detailplanung zu erstellen, auf deren Grundlage alle notwendigen Arbeiten ausgeschrieben werden können und bei der Stadt ein Bauantrag gestellt werden kann.

Klaffende Risse in der Mauer

Mauerwerk und Stahlkonstruktion der dachfreien Konstruktion sind seit 15 Jahren schutzlos der Witterung ausgesetzt, so dass sich der Zustand kontinuierlich verschlechtert. Schäden sind für den Laien deutlich erkennbar. Risse klaffen im Mauerwerk, einzelne Steine sind kaputt oder fehlen und die Stahlträgerkonstruktion ist schief und verrostet. Einige Stahlträger haben sich bereits gelöst. Aber nicht nur die Witterung hat an der Bausubstanz gezehrt, durch den Teilabriss wirken auf die Wände auch andere Kräfte. „Durch den Abriss hat sich das statische System verändert“, erklärt der Stahl- und Holzbau lehrende Professor Christian Ludwig. Da die Abschlusswand fehlt und die länge deutlich verkürzt wurde, lasten auf der Konstruktion ein ganz anderer Druck und Zug.

In fünf Kleingruppen haben die Master-Studenten an Konzepten gefeilt, Material geprüft und statische Berechnungen angestellt. Einzig denkbare Lösung: Der denkmalgeschützte Rest muss durch eine äußere Hülle vor Sturm geschützt und stabilisiert werden.

Ein gläserner Schutzkasten

Idealerweise wäre die Hülle aus Glas mit Stützen. 900 Seiten Material und 16 Pläne füllen inzwischen die Ordner des Teams mit dem überzeugendsten Vorschlag. „Es ist eine spannende Herausforderung und wir wollen es auch sehen, wenn es fertig ist“, sagt Rebecca Hagmans. Nach einer ersten Schätzung der Studierenden muss der Förderverein je nachdem, ob eine kleine oder große Lösung (mit Erweiterung) favorisiert wird, mit Kosten von 500.000 bis 700.000 Euro rechnen. Durch Eigenleistungen würde dieser Betrag deutlich geringer ausfallen.

Ingenieurleistung zum Nulltarif

Den Vorsitzenden Martin Menke schrecken solchen Zahlen nicht. In den vergangenen zehn Jahren, als der Förderverein die Halle erworben hat, sind abgesehen, von tausenden ehrenamtlicher Stunden, mehr als zwei Millionen Euro in die Wiederherstellung dieses Kleinods geflossen. Den Förderverein freut das. Denn er erhält die gesamte Ingenieurleistung, die sich bei einem solchen Projekt auch auf einen unteren sechsstelligen Betrag belaufen dürfte, zum Nulltarif. Der Platz ist wichtig.