Olaf Brinkmann:
Der HRW Podcast der Wissenschaft. In dieser Folge klimafreundlich kühlen, warum Propangas nicht nur für Camper spannend ist, mit Prof.in Dr. Sylvia Schädlich. Ein herzliches Hallo, hier sind wir wieder mit dem HRW Podcast der Wissenschaft.
Heute hört ihr bereits unsere fünfte Folge und es geht, so viel wisst ihr ja schon, um Propangas. Wer gerne grillt, der kennt es vom Gasgrill. Da kommt Propangas zum Einsatz, um Steaks und Würstchen so richtig einzuheizen. Oder Camper haben immer mindestens eine Flasche dabei für den Gasherd.
Aber Propangas ist auch als Kältemittel für Kühlhäuser und Kühltheken bahnbrechend. Davon ist Prof.in Dr. Sylvia Schädlich überzeugt. Sie arbeitet an der HRW am Institut Energiesysteme und Energiewirtschaft.
Was an Propan so spannend ist, das frage ich sie gleich. Jetzt sage ich erst mal herzlich willkommen, Frau Prof.in Dr. Schädlich. Schön, dass Sie da sind.
Prof.in Dr. Sylvia Schädlich:
Ja, vielen Dank. Herzlich willkommen, Herr Brinkmann.
Olaf Brinkmann:
Frau Schädlich, bevor wir loslegen, eine Frage vorab. Wie wollen wir es machen, Sie oder du?
Prof.in Dr. Sylvia Schädlich:
Wir können uns sehr gern duzen. Ich bin die Silvia.
Olaf Brinkmann:
Und ich bin der Olaf. Hallo Silvia. Silvia, du bist seit 2014 an der HRW. Kannst du bitte für mich, also den Laien, mal ganz kurz erklären, was machst du da?
Prof.in Dr. Sylvia Schädlich:
Ja, die kurze Erklärung ist sicherlich schwierig. Ich probiere es mal.
Ich war vorher schon sehr stark in der Kältetechnik unterwegs, weil mich das immer schon fasziniert hat. Das ist ein Bereich, der uns im alltäglichen Leben überall begegnet, ohne den wir keine gescheiten Lebensmittel hätten.
Das ist ein Thema, das habe ich auch mitgenommen zur HRW und auch ein Partnerunternehmen, das in diesem Bereich sehr innovativ unterwegs ist.
So war die Idee geboren, etwas Innovatives im Bereich Kältetechnik zu machen, was uns nützt, was der Gesellschaft nützt und was der Umwelt nützt. Und da kommt jetzt das Propangas ins Spiel.
Unsere momentane Kältetechnik war früher sehr stark umweltgefährdend, hat das Ozonloch mit verursacht und ist für den Treibhauseffekt mitverantwortlich. Und Propangas würde dafür eine Lösung schaffen, weil es deutlich umweltverträglicher ist.
Olaf Brinkmann:
Auf das Propangas gehen wir gleich noch genauer ein. Du interessierst dich für Mathe, Physik und das Lösen von Problemen. Hast du denn schon als Kind gemerkt, dass dir das Spaß macht oder was wolltest du als Kind werden?
Prof.in Dr. Sylvia Schädlich:
In der Tat wollte ich bis nach dem Abitur Tierärztin werden. Meine Stärken in der Schule lagen aber ganz klar im Bereich Mathe und Physik. Mein Herz gehörte den Tieren.
Als dieser Wunsch sich zerschlagen hat und ich keinen Studienplatz bekommen habe, habe ich noch mal überlegt, was kannst du eigentlich gut. Da standen Mathe, Physik und logisches Denken ganz weit oben.
Und dann war der Weg zum Maschinenbaustudium erstaunlich kurz.
Olaf Brinkmann:
Was machst du denn, wenn du nicht gerade hier an der Hochschule bist?
Prof.in Dr. Sylvia Schädlich:
Ich bin voll ausgefüllt. Ich habe vier Kinder, zwei davon sind noch recht klein.
Olaf Brinkmann:
Wenn du so tierlieb bist, hast du denn Haustiere zu Hause? Was machst du in deiner Freizeit?
Prof.in Dr. Sylvia Schädlich:
Wir wohnen tatsächlich auf dem Land, wirklich auf dem Land. Um uns herum sind nur Felder.
Ich habe ein eigenes Pferd und betreibe Freizeitreiten, bin viel in der Natur unterwegs. Ich habe auch drei Kinder, die aber schon groß und aus dem Haus sind. Dafür sind die ersten Enkelkinder schon da.
Also auch da ist für genügend Auslastung und Abwechslung neben dem Beruf gesorgt.
Olaf Brinkmann:
Und jetzt zum ruhigen Teil des Lebens. Ich freue mich immer, wenn ich Frühstück ans Bett gebracht bekomme. Wie sieht denn dein perfekter Sonntag aus?
Prof.in Dr. Sylvia Schädlich:
Nicht ganz so lange schlafen, dann aber auf jeden Fall aufs Pferd. Frühstück kann vorher sein, muss aber nicht so sehr ausgedehnt sein.
Die Hauptsache ist eigentlich, dass der Sonntag das Pferd beinhaltet und danach irgendwas Schönes mit der Familie zu machen. Gerne auch lecker kochen und die Familie dazu einladen.
Olaf Brinkmann:
Und jetzt gehen wir einen Tag weiter, nämlich zum Montag und willkommen zu deinem Arbeitsalltag. Wenn du morgens in dein Büro kommst, was machst du als erstes? Kaffee kochen oder doch E Mails checken?
Prof.in Dr. Sylvia Schädlich:
Ich muss gestehen, die E Mails checke ich eigentlich schon zu Hause. Das Erste ist zu gucken, ob es irgendwo richtig brennt.
Teilweise erledige ich Dinge schon vor dem Frühstück. Aber der Kaffee wird natürlich nebenbei getrunken.
Olaf Brinkmann:
Wir haben in unserem Podcast immer das Tool Drei Fragen an, Silvia. Es soll nicht nur um Forschung gehen. Wir wollen dich auch ganz persönlich besser kennenlernen.
Ich stelle dir jetzt drei Fragen. Antworte bitte einfach ganz schnell, was dir spontan einfällt. Erste Frage. Wenn du dich mit drei Wörtern beschreiben sollst, was sagst du?
Prof.in Dr. Sylvia Schädlich:
Organisiert, strategisch und empathisch.
Olaf Brinkmann:
Zweite Frage. Stell dir vor, du sollst einen neuen Beruf lernen. Was wirst du?
Prof.in Dr. Sylvia Schädlich:
Ich würde noch mal in Richtung Tiermedizin gehen. Das würde mir Spaß machen.
Olaf Brinkmann:
Dritte Frage. Du fliegst zum Mond und darfst eine berühmte Persönlichkeit mitnehmen. Wer sitzt mit in deiner Rakete und warum?
Prof.in Dr. Sylvia Schädlich:
Ich glaube, es wäre der Dalai Lama, weil mich seine spirituelle Sicht der Welt sehr anspricht und eine große Ausstrahlung hat.
Olaf Brinkmann:
Jetzt starten wir durch. Unsere Hörerinnen und Hörer sind sicher schon gespannt, was du genau mit Propangas erforschst. Vielleicht sprechen wir mal kurz über dieses Gas.
Die meisten kennen es vom Grillen oder vom Campingkocher. Für dich ist es aber in einem ganz anderen Zusammenhang wichtig. Du willst, dass es für Kühlanlagen genutzt wird. Warum?
Prof.in Dr. Sylvia Schädlich:
Weil Propan sehr viel umweltverträglicher ist als alle Kältemittel, die wir bisher eingesetzt haben.
Ein gängiges Kältemittel hat einen Treibhauseffekt von 1430 und Propan hat einen von drei. Es ist nicht nur umweltschonend, sondern auch sehr energieeffizient. Das ist eine sehr gute Kombination.
Olaf Brinkmann:
Wo Licht ist, ist auch Schatten. Was ist problematisch an dem Gas?
Prof.in Dr. Sylvia Schädlich:
Propan ist brennbar. Das ist jedem klar.
Aber jeder hat kein Problem damit, eine fünf Kilo Flasche Propan zu transportieren und anzuschließen. Man vertraut darauf, dass die Industrie das sicher gefertigt hat.
Bei unserer Kälteanlage an der Hochschule ist gerade mal ein Kilo Propan drin. Trotzdem sind die Sicherheitsbedenken groß, weil es technisch genutzt wird.
Olaf Brinkmann:
Deine Kollegen und du habt geforscht, um das Problem in den Griff zu bekommen. Wie?
Prof.in Dr. Sylvia Schädlich:
Es wird schon eingesetzt, aber noch nicht in der Breite. Der normale Kälteanlagenbauer hat Bedenken wegen der Haftung.
Wir haben gesagt, in Kühlschränken ist auch ein brennbares Kältemittel. Man kauft sie, stellt sie in die Küche und sie funktionieren.
Warum geht das nicht mit größeren Anlagen. Wir entwickeln Anlagen, die wie Kühlschränke funktionieren, nur mit größerer Leistung. Wenn man mehr braucht, stellt man mehrere davon auf.
So bringen wir die Technologie in die Massenanwendung.
Olaf Brinkmann:
Wie bekommt ihr die Gefährlichkeit in den Griff?
Prof.in Dr. Sylvia Schädlich:
Der Kältekreislauf ist ausreichend dicht und industriell gefertigt. Das Kältemittel bleibt viele Jahre im System.
Falls doch etwas austritt, gibt es einen Gaswarnsensor, der einen Lüfter einschaltet. Wir haben nachgewiesen, dass das funktioniert.
Olaf Brinkmann:
Wie lange dauert es noch, bis Supermärkte Kühltheken mit Propan haben?
Prof.in Dr. Sylvia Schädlich:
Es gibt sie schon vereinzelt. Wir möchten mit weiteren Forschungsprojekten dazu beitragen, dass sich diese Technologie weiter durchsetzt, weil sie sicher, energieeffizient und wirtschaftlich ist.
Olaf Brinkmann:
Du denkst auch an den Einsatz im E Auto. Geht es da ums Kühlen oder ums Heizen?
Prof.in Dr. Sylvia Schädlich:
Um beides. Jede Kältemaschine ist auch eine Wärmepumpe.
Im E Auto fehlt die Abwärme des Motors. Deshalb brauchen wir eine energieeffiziente und umweltschonende Technologie. Das ist die Wärmepumpe. Und auch dafür können wir Propan einsetzen.
Olaf Brinkmann:
Propan im Auto. Wie gefährlich ist das bei einem Unfall?
Prof.in Dr. Sylvia Schädlich:
Wie gefährlich ist Benzin im Auto. Ich glaube, Propan ist ein eher kleines Problem.
Olaf Brinkmann:
Wie werden Studierende in deine Arbeit eingebunden?
Prof.in Dr. Sylvia Schädlich:
Sehr stark. Sie schreiben Bachelor und Masterarbeiten, helfen beim Anlagenaufbau, nehmen Messtechnik in Betrieb, führen Messungen durch und werten sie aus.
Teilweise halten sie auch Vorträge auf Konferenzen.
Olaf Brinkmann:
Silvia, wollen wir noch was spielen?
Prof.in Dr. Sylvia Schädlich:
Auf jeden Fall.
Olaf Brinkmann:
Ich habe ein Kinderbuch Zitate Quiz oder ein Schätzspiel. Worauf hast du Lust?
Prof.in Dr. Sylvia Schädlich:
Versuchen wir mal die Kinderbücher.
Olaf Brinkmann:
Ich bin nämlich ein Sachensucher und da hat man niemals eine freie Stunde. Wer hat das gesagt? Ronja Räubertochter, Pippi Langstrumpf oder Pinocchio?
Prof.in Dr. Sylvia Schädlich:
Pippi Langstrumpf.
Olaf Brinkmann:
Richtig. Nächstes Zitat. An allem Unfug, der passiert, sind nicht nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern. Woher stammt das?
Prof.in Dr. Sylvia Schädlich:
Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer.
Olaf Brinkmann:
Das fliegende Klassenzimmer wäre es gewesen. Drittes Zitat. Alles, was du brauchst, ist Glauben, Vertrauen und ein bisschen Feenstaub.
Prof.in Dr. Sylvia Schädlich:
Peter Pan.
Olaf Brinkmann:
Richtig. Jetzt würde ich gerne wissen, wie es ist, als Professorin an der HRW zu arbeiten. Ich nenne dir Sätze und du bringst sie zu Ende.
Lehren an der HRW ist wie?
Prof.in Dr. Sylvia Schädlich:
Toll, aber auch eine große Herausforderung.
Olaf Brinkmann:
Die HRW ist eine Hochschule der Chancen, weil?
Prof.in Dr. Sylvia Schädlich:
Weil wir eine junge Hochschule sind, sehr divers aufgestellt und viel Unterstützung bieten, zum Beispiel in Gender, Diversity und E Learning.
Olaf Brinkmann:
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Mensa sind?
Prof.in Dr. Sylvia Schädlich:
Immer gut aufgelegt und haben nette Worte auf den Lippen.
Olaf Brinkmann:
Und dein Lieblingsgericht in der Mensa?
Prof.in Dr. Sylvia Schädlich:
Hamburger. Am besten vom mit Propan betriebenen Gasgrill.
Olaf Brinkmann:
Liebe Silvia, Propangas hat für mich jetzt eine ganz neue Bedeutung. Spätestens beim nächsten Grillen werde ich an diese Folge denken. Ganz lieben Dank für das Gespräch.
Prof.in Dr. Sylvia Schädlich:
Vielen Dank.
Olaf Brinkmann:
Beim nächsten Mal habe ich Dr. Caroline Strassmann zu Gast. Sie spricht über virtuelle Agenten und soziale Roboter und über das Projekt Ruhrbots.
Solche Projekte vorzustellen, ist auch ein Ziel des HRW Fördervereins. Deshalb unterstützt er unsere Podcast Produktion.
Liebe Hörerinnen und Hörer, schaltet auch beim nächsten Mal wieder ein. Abonniert unseren Podcast, damit ihr keine Folge verpasst. Teilt ihn gerne weiter.
Für heute sage ich Tschüss. Habt eine gute Zeit. Bis zum nächsten Mal.
Euer Olaf.