Olaf Brinkmann:
Der HRW Podcast, der Wissenschaft. In dieser Folge, wie Wasser digital wird, wertvolle Ressource beschäftigt HRW Forscher mit Prof. Dr. Mark Oelmann. Hallo und herzlich willkommen, super schön, dass ihr wieder reinhört.
Mein Name ist Olaf Brinkmann und ich will euch gleich mal was fragen. Was fällt euch ein, wenn ihr an Digitalisierung denkt? Also ich denke da zum Beispiel an kluge Kühlschränke, selbstfahrende Autos oder an Schuhe, die sich bei Kälte aufheizen. Aber an Wasser? Also an Wasser denke ich erst mal nicht.
Es kommt aus der Leitung, wenn ich mir die Zähne putze oder mir die Hände wasche. Bei uns ist es zum Glück auch so gut wie immer da. In vielen anderen Ländern ist das ja leider anders.
Natürlich habe ich mich auf meinen Gast heute vorbereitet und gleich auch was gelernt. Nämlich in der Wasserwirtschaft ist Digitalisierung auch ein großes Thema. Und keine Angst, das ist jetzt nicht nur für Firmen spannend, die mit Wasser Geschäfte machen.
Nein, ich habe heute nämlich einen Experten, der uns ganz sicher auch erzählen kann, wie jeder Einzelne von uns von Digitalisierung beim Wasser profitieren kann. Ich spreche gleich mit Prof. Dr. Mark Oelmann. Er ist an der HRW Professor für Energie und Wasserökonomik.
Was er da macht, das erzählt er uns gleich. Ich sage jetzt erst mal Hallo, Herr Dr. Oelmann. Schön, dass Sie da sind.
Prof. Dr. Mark Oelmann:
Hallo, Herr Brinkmann.
Olaf Brinkmann:
Herr Dr. Oelmann, bevor wir loslegen, eine Frage vorab. Wie wollen wir es machen, Sie oder du?
Prof. Dr. Mark Oelmann:
Wir können uns gerne duzen.
Olaf Brinkmann:
Okay, super. Ich freue mich. Ich bin der Olaf.
Und jetzt sag mal, du bist seit 2011 an der HRW. Kannst du bitte für mich, also den Laien, ganz kurz erklären, was du da machst?
Prof. Dr. Mark Oelmann:
Ich mache viele verschiedene Dinge. Vielleicht als kurzer Einstieg. Ich bin von der Ausbildung her Volkswirt und Völkerkundler.
Ich habe im Anschluss an dieses Doppelstudium in unterschiedlichen Funktionen der nationalen und internationalen Wasser- und Abwasserwirtschaft gearbeitet, bei Beratungsunternehmen, im Investmentbanking, und bin dann 2011 hingekommen an die Hochschule.
Und hier bin ich auf der einen Seite natürlich, wie sich das für einen ordentlichen Professor gehört, für die Lehre zuständig. Das heißt, ich bin Studiengangsleiter eines Studiengangs, der sich Energie- und Wassermanagement nennt.
Das ist ein betriebswirtschaftlicher Studiengang. Das heißt, wir unterrichten die klassischen betriebswirtschaftlichen Fächer, brechen die aber dann runter auf sehr konkrete Fragestellungen der Energie- und Wasserwirtschaft.
Wir kooperieren da auch ganz eng mit anderen Bereichen unserer Hochschule, also etwa den Bauingenieuren, die dort Wassertechniker haben, mit den Energietechnikern, mit den Informatikern, weil es einfach so ist, dass Fragen, die sich in der Wasser- und Energiebranche stellen, sehr interdisziplinär sind.
Und da profitieren wir als Ökonomen davon, dass wir hier eine große technische Expertise haben. Wir sind ja auch eine technische Hochschule.
Olaf Brinkmann:
Da gehen wir gleich noch näher drauf ein, aber jetzt erst mal ganz privat gefragt. Was machst du denn sonst, wenn du dich nicht mit Wasser beschäftigst?
Prof. Dr. Mark Oelmann:
Wenn ich nicht arbeite, kümmere ich mich zum Beispiel um meine vier Kinder.
Olaf Brinkmann:
Was machst du?
Prof. Dr. Mark Oelmann:
Also wenn ich nicht arbeite, kümmere ich mich um meine drei Kinder. Die sind 18, 16 und fast 12. Also mindestens die beiden Großen, da muss ich eher fragen, ob man sich mit mir unterhält oder mit mir spielt.
Also da haben wir jetzt langsam so ein bisschen umgedrehte Rollen. Aber auf jeden Fall verbringe ich ganz besonders gerne viel Zeit mit meiner Frau und meinen Kindern. Und wenn daneben noch Möglichkeiten bleiben, mache ich viel Sport. Und tatsächlich beschäftige ich mich viel mit Wasser, muss ich sagen.
Olaf Brinkmann:
Und nach dem Podcast unterhalten wir uns dann über das Thema Pubertät.
Prof. Dr. Mark Oelmann:
Genau, genau.
Olaf Brinkmann:
Wir haben in unserem Podcast immer das Tool, Mark, drei Fragen an.
Wir wollen nicht nur alles über deine Arbeit und deine Forschung wissen, sondern dich auch noch ein bisschen besser kennenlernen. Ich stelle dir jetzt drei Fragen und du antwortest bitte einfach immer ganz kurz, was dir spontan einfällt, ja?
Prof. Dr. Mark Oelmann:
Gut.
Olaf Brinkmann:
Erste Frage. Stell dir vor, du kannst eine Sache, wirklich nur eine Sache auf der Welt verbessern. Was veränderst du?
Prof. Dr. Mark Oelmann:
Den Zugang zu Wasser.
Olaf Brinkmann:
Zweite Frage. Nehmen wir an, du dürftest mit zwei bekannten Persönlichkeiten, egal ob sie noch leben oder nicht, verreisen. Wen nimmst du mit und warum?
Prof. Dr. Mark Oelmann:
Richard von Weizsäcker. Weil ich ihn einfach immer sehr beeindruckend fand, so als junger Heranwachsender, in der Art und Weise, wie er diskutiert und argumentiert hat.
Der zweite möglicherweise Angela Merkel, weil ich schon nicht notwendigerweise mit ihr politisch in allem übereinstimme, aber die Art und Weise, wie sie Politik betreibt, also eher die Mechanismen dahinter, mich interessieren würden.
Olaf Brinkmann:
Dritte Frage. Du hast sechs Wochen lang durchgearbeitet und hast jetzt das erste Mal einen ganzen Tag lang frei. Was machst du?
Prof. Dr. Mark Oelmann:
Ich würde laufen gehen. Ich würde meditieren. Ich würde mich mit meiner Familie beschäftigen. Also beschäftigen hört sich blöd an. Ich würde mit denen schöne Dinge machen.
Olaf Brinkmann:
Mark, lass uns durchstarten.
Unsere Hörerinnen und Hörer sind sicher schon ziemlich gespannt, warum Digitalisierung auch im Bereich Wasser bedeutend ist. Du und deine Kollegen, ihr macht euch ganz, ganz viele Gedanken über die Wasserwirtschaft. Vielleicht sprechen wir erst mal ganz kurz über den Begriff.
Wer und was gehört denn alles zur Wasserwirtschaft?
Prof. Dr. Mark Oelmann:
Zur Wasserwirtschaft gehört der gesamte wasserwirtschaftliche Kreislauf. Also das fängt an damit, dass ich Wasser entsprechend fördere. Das kann ich tun aus Grundwasser oder ich kann es fördern aus Oberflächenwasser.
Ich bereite das auf. Dann leite ich das entsprechend zu meinen Kunden. Als Wasserversorger schreibe ich dann Rechnungen, wie viel Wasser ich geliefert habe.
Dann setzt die Abwasserentsorgung ein. Das heißt, der Kunde, egal ob Haushaltskunde oder Industriekunde, nutzt das Wasser und gibt es dann ab in die Kanalisation.
Von der Kanalisation geht das in die Kläranlage, wird dort gereinigt und dann entsprechend in Flüsse oder Bäche abgeleitet.
Hinzu kommt auch der ganze Bereich des Niederschlagswassermanagements. Das heißt, was davon geht in den Kanal und was versuche ich bewusst nicht in den Kanal zu leiten. Das ist auch vor dem Hintergrund des Klimawandels eine immer wichtiger werdende Tätigkeit.
Olaf Brinkmann:
Das sind ja wahnsinnig viele Bereiche. Ich kann mir auch bei ganz vielen Bereichen gut vorstellen, wo und wie Digitalisierung zum Einsatz kommen könnte.
Wenn ich jetzt aber an mich denke als Endkunde, kannst du mir da Sachen nennen, wo Digitalisierung mich betrifft oder vielleicht in der Zukunft betreffen wird?
Prof. Dr. Mark Oelmann:
Ja. Wenn wir den Kundennutzen überlegen. Jeder erinnert sich noch an den Sportunterricht. Die ganzen Turnhallen sind irgendwann in den 50er Jahren gebaut worden. Die entsprechenden Wasserleitungen in den Schulen, da weiß man, irgendwann wird die Hausinstallation an ihre Grenzen kommen.
Wir wissen, dass es, wenn es Wasserrohrbrüche gibt, umso teurer wird, je länger das nicht auffällt. Und vor dem Hintergrund kann ich mit digitalen Techniken analysieren, wo sich möglicherweise ein Rohrbruch andeutet.
Das hat dann sehr unmittelbar zur Folge, dass zum Beispiel eine Versicherung sehr viel preiswerter ist.
Oder wir können das weiterdenken. Bei mir regnet es gerade, aber das wird im Hochsommer anders sein. Da haben wir infolge des Klimawandels Situationen, dass es längere Zeit trocken ist. Es ist warm und alle kommen werktags nach Hause und wollen gleichzeitig ihren Garten sprengen.
Da ist ein Wasserversorger dann mit zwei Möglichkeiten konfrontiert. Die eine ist, proaktiv die Netze auszubauen. Das führt dazu, dass es für uns als Kunden sehr viel teurer wird. Die Investitionen müssen ja gestemmt werden.
Und als Ökonom sage ich, das kann man spannender machen mit Hilfe von Digitalisierung. Wir können sich im Zeitverlauf verändernde Preise aufsetzen, die einen Anreiz liefern, dass nicht alle zwischen 17 und 19.30 Uhr Wasser nehmen, sondern der ein oder andere seine Wassernachfrage verschiebt.
So kommen wir nicht an Kapazitätsgrenzen und der Wasserversorger muss nicht teurer investieren. Das wären Beispiele, wo wir Digitalisierung sehr unmittelbar nutzen können.
Olaf Brinkmann:
Als ich dich vorhin gefragt habe, wenn du eine Sache auf der Welt verändern könntest, was wäre es, hast du gesagt, den Zugang zu Wasser. Mehr als zwei Milliarden Menschen haben keinen regelmäßigen Zugang zu sauberem Wasser.
Und du bist ja auch für Entwicklungsländer im Einsatz. Erzähl doch mal, was machst du da?
Prof. Dr. Mark Oelmann:
Ja, das ist richtig. Ich arbeite vor allem für die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit.
Da sind wir in unterschiedlichsten Ländern tätig. Von Ägypten, China, Uganda, Sambia, Tansania, Kenia, Jordanien, Jemen, viele Länder.
Und das, was wir tun, ist die Frage, wie gestaltet man sinnvoll den Wasser- und Abwassersektor in einem Land. Welche Institution, welches Ministerium sollte wofür zuständig sein.
Wie fördern wir den Wissensaustausch zwischen den einzelnen Wasserversorgern.
Mitunter geht es auch in Bereiche, die nicht in unserem Kern liegen. Wir haben kürzlich ein großes Projekt für das Bundesforschungsministerium abgeschlossen. Da ging es um die Frage, wie wir in der Textilproduktion in Pakistan vom Anbau der Baumwolle bis zur Produktion des T-Shirts sicherstellen können, dass wir effizient mit Wasser umgehen und das genutzte Wasser möglichst wenig verschmutzen.
Olaf Brinkmann:
Jetzt machen wir mal einen Schwenk zurück an die Hochschule und schauen auf die Studierenden. Wie sind die denn in deine Arbeiten eingebunden und was lernen sie?
Prof. Dr. Mark Oelmann:
Die Studierenden sind sehr intensiv eingebunden in meine Arbeiten. Wir sind eine Fachhochschule. Es ist unsere Aufgabe, Wissen in einem Praxiskontext zu vermitteln.
Es ist zwar schön, wenn ich als Professor vor meiner Zeit hier fünf oder zehn Jahre in der Praxis gearbeitet habe. Aber wenn ich den Kontakt nicht halte, unterrichte ich irgendwann veraltetes Wissen.
Vor dem Hintergrund bin ich sehr froh, dass die HRW uns als Professoren anhält, immer mit einem Fuß in der Praxis zu sein.
Alles, was ich im Rahmen der Forschung mache, fließt unmittelbar in meine Veranstaltungen ein. Eine ganze Reihe ehemaliger Studierender sind oder waren Mitarbeiter bei mir.
Ich habe den Eindruck, dass das sehr schön Hand in Hand geht.
Olaf Brinkmann:
Wenn ich jetzt an der HRW Energie- und Wassermanagement studiere, wie sind meine Aussichten? Wohin kann es mich verschlagen?
Prof. Dr. Mark Oelmann:
Tatsächlich kann ich nicht alle einstellen. Die Wasser- und Abwasserwirtschaft ist nach dem Bergbau die Branche mit dem höchsten Durchschnittsalter.
Der hohe Anteil der über 50- und über 55-Jährigen führt zu enormen Verrentungswellen in den nächsten Jahren.
Mir passiert es regelmäßig, dass Vorstände sagen, wir verlieren zwischen 2023 und 2030 40 Prozent unserer Belegschaft. Mach was.
Die Berufsaussichten sind aus meiner Sicht herausragend. Das betrifft Stadtwerke, Konzerne, Wasserverbände, Abwasserentsorger, Ministerien, die Verwaltung, Beratungsunternehmen und Dienstleister im Umfeld der Energie- und Wasserwirtschaft.
Es gibt sehr viele Möglichkeiten und wir unterstützen die Studierenden dabei, das individuell Richtige für sich zu finden.
Olaf Brinkmann:
Jetzt hast du mir schon so viel erzählt. Ich glaube, es ist Zeit. Wollen wir noch was spielen?
Prof. Dr. Mark Oelmann:
Gerne.
Olaf Brinkmann:
Ich habe ein Zitate Quiz oder ein Schätzspiel. Worauf hast du Lust?
Prof. Dr. Mark Oelmann:
Lass uns Zitate machen.
Olaf Brinkmann:
Wer hat den folgenden Satz gesagt. Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit. Neil Armstrong, Buzz Aldrin oder Michael Collins?
Prof. Dr. Mark Oelmann:
Neil Armstrong.
Olaf Brinkmann:
Richtig. Wer hat gesagt, wir wollen mehr Demokratie wagen. Helmut Kohl, Helmut Schmidt oder Willy Brandt?
Prof. Dr. Mark Oelmann:
Willy Brandt.
Olaf Brinkmann:
Drittes Zitat. Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt. Nelson Mandela, Albert Einstein oder der Dalai Lama?
Prof. Dr. Mark Oelmann:
Ich würde sagen Albert Einstein.
Olaf Brinkmann:
Und das ist der Hattrick. Alle drei richtig.
Mark, jetzt will ich noch wissen, wie ist es als Professor an der HRW zu arbeiten. Ich nenne dir Sätze und du bringst sie zu Ende.
Lehren an der HRW ist überaus inspirierend und bereichernd, weil?
Prof. Dr. Mark Oelmann:
Weil man in kleinen Gruppen Rückmeldung bekommt zu dem, was man sagt, wie es ankommt, und nicht selten auch zum Nachdenken gebracht wird.
Olaf Brinkmann:
Die HRW ist eine Hochschule der Chancen, weil?
Prof. Dr. Mark Oelmann:
Weil der Studierende keine Nummer ist, sondern wir die einzelnen Studierenden kennen und individuell eingehen können und wollen.
Olaf Brinkmann:
Mein Lieblingsgericht in der Mensa ist?
Prof. Dr. Mark Oelmann:
Die Salatbar und die Antipasti Bar.
Olaf Brinkmann:
Mark, wenn ich in den nächsten Tagen das Wasser aufdrehe, werde ich ganz sicher an dich denken.
Prof. Dr. Mark Oelmann:
Das ist schön.
Olaf Brinkmann:
Ganz, ganz lieben Dank für das spannende Gespräch.
Prof. Dr. Mark Oelmann:
Sehr herzlich gerne.
Olaf Brinkmann:
Ja, und beim nächsten Mal habe ich Professor Dr. Silvia Schädlich bei mir zu Gast. Sie beschäftigt sich mit Propan und überlegt, wie wir das im E Auto nutzen können.
Auf das Gespräch freue ich mich. Forschungs- und Entwicklungsprojekte vorzustellen, das ist übrigens auch im Sinne des HRW Fördervereins. Deshalb unterstützt er auch unsere Podcast Produktion.
Liebe Hörerinnen und Hörer, wenn ihr unseren Podcast spannend findet, dann schickt ihn gerne an eure Freunde, Kommilitonen, Kollegen oder an Menschen, die sich für Wissenschaft und Forschung interessieren.
Lasst uns gerne auch eine Bewertung bei iTunes da. Für heute sage ich Tschüss. Habt eine gute Zeit. Bis zum nächsten Mal. Euer Olaf.