Olaf Brinkmann:
Der hrw-Podcast der Wissenschaft. In dieser Folge, was haben ein Sportwagen und eine Sauerkrautabfüllanlage gemeinsam? Mit Professor Doktor Christoph Kesselmanns.
Olaf Brinkmann:
Hallo, hier sind wir wieder mit dem hrw-Podcast der Wissenschaft. Herzlich willkommen, schön, dass ihr wieder eingeschaltet habt. Heute sprechen wir über Autos und über Sauerkraut. Klingt kurios, ist es aber viel weniger, als ihr jetzt vielleicht denkt, denn wir schauen heute mal, wie Produkte konstruiert werden und was da alles dahinter steckt, bis wir Gas geben oder eben Sauerkraut essen.
Olaf Brinkmann:
Ich spreche gleich mit Professor Doktor Christoph Kesselmanns vom hrw-Institut Maschinenbau. Er verrät uns, was ein Sportwagen und eine Sauerkrautabfüllanlage gemeinsam haben. Jetzt begrüße ich meinen Gast erst mal und sage freundlich hallo, Herr Doktor Kesselmanns, schön, dass Sie da sind.
Prof. Dr. Christoph Kesselmanns:
Ja, hallo, ich freue mich, hier sein zu dürfen.
Olaf Brinkmann:
Bevor wir loslegen, erst mal die klassische Frage. Wollen wir Sie oder du sagen?
Prof. Dr. Christoph Kesselmanns:
Von mir aus sehr gerne du.
Olaf Brinkmann:
Sehr schön. Okay, Christoph, ich bin der Olaf. Du arbeitest an der hrw am Institut Maschinenbau.
Olaf Brinkmann:
Kannst du mir als Laien mal erklären, was du deinen Studierenden dabei bringst?
Prof. Dr. Christoph Kesselmanns:
Genau, also wie du schon richtig erkannt hast, ich komme vom Institut Maschinenbau. Wir Maschinenbauer bauen, wie der Name schon sagt, Maschinen. Ich bin dort berufen für Konstruktion und Produktdesign. Und mein Steckenpferd ist die virtuelle Produktentwicklung. Die findet heute im CAD-System statt.
Prof. Dr. Christoph Kesselmanns:
Das ist das System, mit dem wir heute digital Maschinen vorausdenken. Da kommen wir später noch zu. Aber jetzt gehen wir erst mal ein paar Schritte zurück.
Olaf Brinkmann:
Hast du schon als Kind gerne konstruiert und hattest jede Menge Technik-Spielzeug oder wie kommt es, dass du heute Professor im Bereich Maschinenbau bist?
Prof. Dr. Christoph Kesselmanns:
Das konnte ich damals nicht ahnen. Das hat sich stückweise ergeben, dass ich heute Professor bin. Aber ich war schon immer technikaffin. Ich habe damals lieber am Mofa geschraubt, als damit zu fahren. Da war schon immer eine Affinität da und die hat sich über die Jahre weiterentwickelt. So ist es dann gekommen, dass ich heute Professor für Konstruktion und Produktdesign bin.
Olaf Brinkmann:
Und wenn du mal nicht hier am Institut bist, was machst du dann? Hast du spannende Hobbys?
Prof. Dr. Christoph Kesselmanns:
Wir haben drei kleine Kinder, die einen Großteil der Zeit in Anspruch nehmen, was auch gut und ganz toll ist. Und wenn dann noch ein bisschen Zeit bleibt, gehe ich gerne Mountainbiken oder mache Wintersport, Snowboarden.
Olaf Brinkmann:
Wie sieht dein perfekter Sonntag aus?
Prof. Dr. Christoph Kesselmanns:
Der ideale Sonntag beginnt mit schönem Wetter, sodass wir draußen im Garten frühstücken können. Idealerweise gibt es frische Brötchen, selbstgemachte Erdbeermarmelade und gerne auch Eier von den eigenen Hühnern.
Olaf Brinkmann:
Eigene Hühner habt ihr auch?
Prof. Dr. Christoph Kesselmanns:
Ja, ohne Hahn.
Olaf Brinkmann:
Christoph, du kennst unseren Podcast ja bereits. Es ist schon unsere neunte Folge und du weißt, wir haben immer das Tool Drei Fragen an. Ich stelle dir jetzt drei Fragen. Antworte einfach ganz schnell, was dir spontan einfällt.
Prof. Dr. Christoph Kesselmanns:
Okay.
Olaf Brinkmann:
Erste Frage. Würdest du einen Tandem-Fallschirmsprung machen, wenn du ihn geschenkt bekommst?
Prof. Dr. Christoph Kesselmanns:
Ja.
Olaf Brinkmann:
Zweite Frage. Wann hast du das letzte Mal von Herzen gelacht und warum?
Prof. Dr. Christoph Kesselmanns:
Vor wenigen Tagen, als ich den Junior im Kindergarten abgeholt habe. Kinder erzählen manchmal Dinge, da kann man wirklich herzlich lachen.
Olaf Brinkmann:
Dritte Frage. Wann fühlst du dich so richtig gestresst?
Prof. Dr. Christoph Kesselmanns:
In unvorhergesehenen Situationen, wenn man nicht weiß, wie man reagieren soll.
Olaf Brinkmann:
Christoph, lass uns durchstarten. Unsere Hörerinnen und Hörer sind sicher gespannt, was es mit dem Sportwagen und der Sauerkrautabfüllanlage auf sich hat. Kannst du ganz grob erklären, wie ein Konstrukteur arbeitet? Gibt es bestimmte Phasen?
Prof. Dr. Christoph Kesselmanns:
Ja, es gibt Phasen. Wir müssen erst mal die Aufgabe verstehen. Dann konzipieren wir und überlegen, wie es funktionieren könnte. Danach wird es immer konkreter. Am Ende entsteht meist eine technische Zeichnung, die alles zusammenführt, was festgelegt wurde.
Olaf Brinkmann:
Ein Konstrukteur hat also eine Schlüsselrolle. Kann ein schlechter Entwurf richtig Geld kosten?
Prof. Dr. Christoph Kesselmanns:
Ja, das kann durchaus sein. Etwa 70 Prozent der Herstellungskosten eines Produkts werden in der Konstruktionsphase festgelegt. Außerdem beeinflussen wir, wie ein Produkt genutzt, gewartet oder entsorgt werden kann. Das ist eine anspruchsvolle und sehr wichtige Aufgabe.
Olaf Brinkmann:
Du hast vorhin CAD-Systeme erwähnt. Wie funktionieren die?
Prof. Dr. Christoph Kesselmanns:
Früher wurde am Zeichenbrett gearbeitet. Das hatte den Nachteil, dass man schlecht korrigieren konnte. In den 80er-Jahren wurde das Zeichnen digitalisiert. Später hat man erkannt, dass man gleich dreidimensional arbeiten sollte. So entstanden 3D-CAD-Systeme. Heute sprechen wir nicht mehr vom Zeichnen, sondern vom Modellieren.
Prof. Dr. Christoph Kesselmanns:
Im CAD-System können wir Geometrien erstellen, Simulationen durchführen und Varianten vergleichen. So lassen sich zum Beispiel Strömungen oder Belastungen simulieren. Das hilft uns, früh Entscheidungen zu treffen.
Olaf Brinkmann:
Was haben denn nun der Sportwagen und die Sauerkrautabfüllanlage gemeinsam?
Prof. Dr. Christoph Kesselmanns:
Beide entstehen im CAD-System. Egal ob Sportwagen, Kaffeemaschine oder Sauerkrautabfüllanlage, all diese Produkte werden virtuell entwickelt. Beim Sauerkraut gehört dazu der gesamte Prozess, von der Ernte über Maschinen wie die Kohlstrunk-Bohrmaschine bis zur Abfüllung.
Olaf Brinkmann:
Kohlstrunk-Bohrmaschine, das muss man sich merken.
Prof. Dr. Christoph Kesselmanns:
Ja, wir Maschinenbauer haben manchmal besondere Begriffe.
Olaf Brinkmann:
Wollen wir noch ein Spiel machen? Ein Ratespiel.
Prof. Dr. Christoph Kesselmanns:
Gerne.
Olaf Brinkmann:
Wie viele Einkerbungen hat ein Golfball?
Prof. Dr. Christoph Kesselmanns:
300 bis 450.
Olaf Brinkmann:
Richtig. Wie viele Buchstaben hat das hawaiianische Alphabet?
Prof. Dr. Christoph Kesselmanns:
Zwölf.
Olaf Brinkmann:
Auch richtig. Was bezeichnet die chemische Formel C6H12O6?
Prof. Dr. Christoph Kesselmanns:
Glucose.
Olaf Brinkmann:
Volltreffer.
Olaf Brinkmann:
Jetzt noch zum Schluss. Lehren an der HRW ist?
Prof. Dr. Christoph Kesselmanns:
Spannend und abwechslungsreich.
Olaf Brinkmann:
Das magst du persönlich an der HRW besonders?
Prof. Dr. Christoph Kesselmanns:
Die gesamte Umgebung.
Olaf Brinkmann:
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Mensa sind?
Prof. Dr. Christoph Kesselmanns:
Motiviert und engagiert.
Olaf Brinkmann:
Christoph, wir sind am Ende. Ganz lieben Dank, dass du mir von deiner Arbeit erzählt hast.
Prof. Dr. Christoph Kesselmanns:
Vielen Dank. Ich habe mich sehr gefreut.
Olaf Brinkmann:
In der nächsten Folge geht es weiter mit spannender Lehre und Forschung. Dann habe ich Professorin Dr. Sabrina Aimler zu Gast. Sie arbeitet an einem virtuellen Begleiter gegen Mobbing, Hate Speech und falsche Nachrichten in sozialen Netzwerken.
Olaf Brinkmann:
Arbeiten wie diese vorzustellen, ist eines der Ziele des HRW-Fördervereins. Deshalb unterstützt er unsere Podcast-Produktion.
Olaf Brinkmann:
Danke fürs Einschalten. Bis zum nächsten Mal. Euer Olaf.