Olaf Brinkmann:
Der hrw-Podcast der Wissenschaft. In dieser Folge tüfteln im FabLab, wie hrw-Studierende lernen mit Prof. Dr. Michael Schäfer.
Hallo und herzlich willkommen zu dem hrw-Podcast der Wissenschaft, dem Podcast der Hochschule Ruhr West.
Mein Name ist Olaf Brinkmann und ich freue mich, dass ihr heute dabei seid. Was ich schon mal verraten kann, es wird super spannend hier bei uns. Dieses Mal haben wir nämlich einen Erfinder am Mikrofon.
Er hilft Menschen, die es nicht so leicht im Alltag haben. Wie er das macht und worum es bei seiner Arbeit geht, das erzählt er uns am besten selbst. Mein Gast heute ist Prof. Dr. Michael Schäfer vom hrw-Institut Informatik.
Und ich will ganz ehrlich sein, als ich zum ersten Mal sein Forschungsgebiet und seine Lehrmethode gehört habe, da habe ich gedacht, was ist das? Michael Schäfer nutzt das Service Learning und leitet ein sogenanntes FabLab.
Keine Angst, in einer Viertelstunde wissen wir alle, was das ist. Und nicht nur das. Ich werde auch schauen, was der Professor uns Privates verrät. Ich will nämlich auch den Menschen kennenlernen und nicht nur seine Arbeit.
Jetzt sage ich aber erst mal Hallo, Herr Prof. Dr. Michael Schäfer.
Prof. Dr. Michael Schäfer:
Ja, hallo Herr Brinkmann. Ich freue mich sehr auf das Gespräch und ich bin gespannt, was Sie alles aus mir herauskitzeln werden.
Olaf Brinkmann:
Herr Schäfer, bevor wir loslegen, eine Frage vorab. Wollen wir Sie oder du sagen?
Prof. Dr. Michael Schäfer:
Wir sagen extrem gerne du, so wie ich das auch mit meinen Studierenden mache. Ich duze sehr gerne.
Olaf Brinkmann:
Michael, ich bin der Olaf. Jetzt erzähl mal ganz kurz und knapp, was genau machst du an der hrw? Du bist technischer Informatiker. Was muss ich mir darunter vorstellen?
Prof. Dr. Michael Schäfer:
Da machen wir Dinge wie Mikrocontrollerprogrammierung, Elektronikentwicklung und Ähnliches. Aber wie du schon erwähnt hast, machen wir das in einem sogenannten FabLab.
Mein Konstrukt ist, dass man mit einer Idee und mit viel Kreativität ins Labor geht und hinterher mit einem fertigen Produkt wieder rausgeht. Genau das möchte ich meinen Studierenden beibringen.
Olaf Brinkmann:
Großartig. Michael, als Kind, wolltest du da auch Hochschulprofessor werden?
Prof. Dr. Michael Schäfer:
Ja. Ehrlich.
Ich habe eine relativ ungewöhnliche Laufbahn. Ich war in der Grundschule so schlecht, dass ich zuerst auf die Hauptschule gegangen bin. Danach bin ich auf die Aufbau-Realschule gegangen. Danach erst aufs Gymnasium.
Und irgendjemand hat mich zufällig in der fünften Klasse in eine Stadtteilbibliothek geschleppt. Da habe ich mir Bücher über Einstein und ähnliche ausgeliehen, erst populärwissenschaftliche Bücher.
Und in der fünften Klasse wollte ich Physiker werden. Das ist das, was ich hinterher studiert habe.
Olaf Brinkmann:
Das ist ja eine Megageschichte. Und ich glaube, das macht ganz vielen Eltern Mut.
Wenn du morgens ins Büro kommst, was machst du zuerst? Kaffee kochen oder E-Mails checken?
Prof. Dr. Michael Schäfer:
Erst Kaffee kochen. Auch im Homeoffice heißt es zuerst Kaffee kochen.
Ich schwärme für das FabLab natürlich. Als erstes ist der Doppelsiebträger, die Doppelsiebträger-Gastromaschine angeschafft worden.
Das heißt, demnächst, wenn ich im Baristakurs mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern war, machen wir morgens vernünftigen Cappuccino auf einer vernünftigen Maschine. Das startet für mich den Tag perfekt.
Olaf Brinkmann:
Also das meinst du ernst? Baristakurs steht auf dem Plan?
Prof. Dr. Michael Schäfer:
Ja, das steht auf dem Plan als Team-Event für das gesamte Team, damit wir die Maschine ordentlich bedienen können.
Olaf Brinkmann:
Und steht die bei dir im Büro oder irgendwo auf dem Flur?
Prof. Dr. Michael Schäfer:
Die steht im FabLab, das wir gerade umbauen auf 600 Quadratmeter. Da steht auch ein großer Kühlschrank und alles Mögliche, damit wir eine perfekte Selbstversorgung machen können.
Zu einer Kreativumgebung gehört einfach auch dieses Kaffee-Ambiente.
Olaf Brinkmann:
Michael, in unserem Podcast haben wir immer das Tool Drei Fragen an. Heute also an dich.
Ich stelle dir drei Fragen. Bitte nicht lange nachdenken, sondern einfach spontan antworten. Bist du startklar?
Prof. Dr. Michael Schäfer:
Mach mal.
Olaf Brinkmann:
Wie hieß der Held deiner Kindheit und warum?
Prof. Dr. Michael Schäfer:
Albert Einstein. Wegen der Relativitätstheorie und dieser Verbindung zwischen Philosophie und der Frage, wie die Welt entstanden ist. Das hat mich zur Physik gebracht.
Olaf Brinkmann:
Zweite Frage. Wer hat deiner Meinung nach die Welt verbessert?
Prof. Dr. Michael Schäfer:
Das ist eine sehr schwierige Frage. Ich gebe mal eine aktuelle Antwort. Greta ist gerade dabei, indirekt die Welt zu verbessern, weil das Thema Klimawandel jetzt endlich in den Köpfen angekommen ist und wir vielleicht noch die Chance haben, rechtzeitig die Kurve zu kriegen.
Olaf Brinkmann:
Dritte Frage. Für welche drei Dinge in deinem Leben bist du am dankbarsten?
Prof. Dr. Michael Schäfer:
Für meine Kinder. Die Geburt ist das erstaunlichste Erlebnis überhaupt. Für meine Frau und für den Weg, den ich bisher gehen durfte.
Olaf Brinkmann:
Und auf dem Weg starten wir jetzt mal durch. Ich habe dich am Anfang als Erfinder angekündigt. Du leitest an der HRW das FabLab in Bottrop.
Erklär bitte, was ist das FabLab?
Prof. Dr. Michael Schäfer:
Das FabLab ist ein Konzept. Das kommt vom MIT, vom Massachusetts Institute of Technology. Neil Gershenfeld ist der Vater des Gedankens.
Es soll eine Umgebung sein, in die man mit einer Idee kommt und mit einem fertigen Produkt wieder rausgeht, ohne auf andere angewiesen zu sein. Dazu nutzt man digitale Fabrikation.
Das bekannteste Beispiel sind 3D-Drucker. Davon haben wir etwa 50. Weltweit gibt es ungefähr zweieinhalbtausend FabLabs. Unseres wurde 2012 gegründet und war eines der ersten.
Olaf Brinkmann:
Jetzt sprechen wir über Emscher-Lippe hoch vier. Ihr wollt in dem Projekt Menschen mit Einschränkungen helfen. Wie geht ihr da vor?
Prof. Dr. Michael Schäfer:
Emscher-Lippe hoch vier ist ein gefördertes Projekt, bei dem wir mit acht Partnern zusammenarbeiten, um Menschen mit Beeinträchtigungen zu unterstützen.
Wir bauen Assistenzsysteme. Zum Beispiel haben wir eine virtuelle Rollstuhlplattform gebaut, mit der man sich in virtueller Realität bewegen kann.
Oder wir haben einen querschnittsgelähmten Menschen unterstützt, indem wir eine Unterwasserkamera für ihn umgebaut haben, damit er unter Wasser filmen kann.
Olaf Brinkmann:
Ihr habt viele 3D-Drucker. Was habt ihr sonst noch an Ausstattung?
Prof. Dr. Michael Schäfer:
Wir haben komplette Elektronikentwicklung. Wir können Platinen fräsen, also Elektronik herstellen.
Wir haben Augmented Reality, Virtual Reality, humanoide Roboter wie Pepper, Laserschneideanlagen, Portalfräsen, 3D-Scanner und Copter-Systeme.
Ein spannendes Spielfeld mit fast allen Möglichkeiten.
Olaf Brinkmann:
Sind Studierende in das FabLab eingebunden und was lernen sie dort?
Prof. Dr. Michael Schäfer:
Ja, sehr vielfältig. Ich nutze das FabLab im Unterricht. Wir bauen Maschinen und setzen eigene Projekte um.
Ein Beispiel ist Card Master Extreme. Menschen mit Spastiken können beim Kartenspielen nicht mitmachen. Studierende haben ein Kartengebegerät gebaut, das Karten automatisch verteilt.
So können Menschen mitspielen. Ein typisches Assistenzsystem.
Olaf Brinkmann:
Wenn ich eine Idee für eine Erfindung habe, kann ich zu euch kommen?
Prof. Dr. Michael Schäfer:
Ja. Außer in Corona-Zeiten sind wir jeden Mittwoch offen für alle.
Olaf Brinkmann:
Muss ich meinen Kaffee mitbringen?
Prof. Dr. Michael Schäfer:
Auf gar keinen Fall. Kaffee und Getränke gibt es immer umsonst. Wir haben sogar eine professionelle Crêpe-Maschine.
Wir haben auch ein Forschungsprojekt namens Cook3D. Da geht es um Lebensmittel-3D-Druck. Wir haben einen Pancake-Automaten, bei dem man am Rechner eine Figur entwirft und dann kommt der Pancake raus.
Olaf Brinkmann:
Das FabLab ist bestimmt auch spannend für Unternehmen.
Prof. Dr. Michael Schäfer:
Ja. Wir kooperieren mit vielen Unternehmen. Wir machen Workshops, zum Beispiel zu Design Thinking.
Der Vorteil bei uns ist, dass Ideen nicht nur auf Papier bleiben, sondern direkt umgesetzt werden können.
Olaf Brinkmann:
Du lehrst auch mit Service Learning. Was ist das?
Prof. Dr. Michael Schäfer:
Service Learning ist Teil der dritten Mission der Hochschule. Wir wollen mit der Gesellschaft für die Gesellschaft arbeiten.
Wir binden zum Beispiel Werkstätten der Diakonie in Lehre und Forschung ein. Studierende arbeiten mit Menschen mit Beeinträchtigungen zusammen und entwickeln gemeinsam Lösungen.
Olaf Brinkmann:
Lass uns noch spielen. Schätzspiel oder Hast du schon mal?
Prof. Dr. Michael Schäfer:
Schätzspiel.
Olaf Brinkmann:
Was ist größer, Nordrhein-Westfalen oder Baden-Württemberg?
Prof. Dr. Michael Schäfer:
Nordrhein-Westfalen.
Olaf Brinkmann:
Das ist falsch. Baden-Württemberg ist etwas größer.
Zweite Frage. Wie viele Zähne hat ein Eisbär? 36, 42 oder 64?
Prof. Dr. Michael Schäfer:
42. Per Anhalter durch die Galaxis.
Olaf Brinkmann:
Richtig.
Dritte Frage. Was ist höher, der Eiffelturm oder das Ulmer Münster?
Prof. Dr. Michael Schäfer:
Der Eiffelturm.
Olaf Brinkmann:
Korrekt.
Jetzt zum Abschluss. Lehren an der HRW ist wie?
Prof. Dr. Michael Schäfer:
Macht Spaß, weil man tolle Studierende hat.
Olaf Brinkmann:
Studieren an der HRW ist deshalb so cool, weil?
Prof. Dr. Michael Schäfer:
Es sehr vielfältig ist und sich die Lehrenden engagieren.
Olaf Brinkmann:
Michael, vielen Dank, dass du heute dabei warst.
Prof. Dr. Michael Schäfer:
Vielen Dank. Ich wundere mich, dass es jetzt schon vorbei ist.
Olaf Brinkmann:
An euch, liebe Hörerinnen und Hörer, vielen Dank, dass ihr dabei wart.
In der nächsten Folge sprechen wir mit Prof. Dr. Ioannis Iosifidis über Neuroinformatik.
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Danke und bis zum nächsten Mal. Euer Olaf Brinkmann.