Olaf Brinkmann:
Der hrw Podcast der Wissenschaft. In dieser Folge Astronautengesundheit und kardiovaskuläre Mechanik. Eine Professorin schildert ihren Weg.
Hallo und herzlich willkommen zum hrw Podcast der Wissenschaft. Schön, dass ihr wieder eingeschaltet habt. Mein Name ist Olaf Brinkmann.
Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich bin manchmal total beeindruckt, wenn ich lese, was Menschen schon alles so gemacht haben. Bei meinem heutigen Gast geht mir das auch so. Und zwar spreche ich heute mit Prof.in Dr. Carole Leguy.
Der Name sagt schon, sie ist Französin und seit 2018 Professorin an der hrw. Und vorher schon so richtig rumgekommen in der Wissenschaft. Sie weiß eine ganze Menge über die Gesundheit von Astronauten.
Sie entwickelt aber auch Spiele, mit denen Menschen zum Beispiel lernen können, ihre Handgelenke wieder besser zu bewegen. Ihr merkt schon, es wird spannend heute. Deshalb legen wir gleich los.
Hallo, Frau Dr. Leguy. Schön, dass Sie da sind.
Prof.in Dr. Carole Leguy:
Hallo, schönen guten Tag.
Olaf Brinkmann:
Zu Beginn wie immer die Frage, wollen wir Sie oder du sagen.
Prof.in Dr. Carole Leguy:
Ich habe gar kein Problem mit du.
Olaf Brinkmann:
Das ist schön. Ich bin der Olaf.
Hallo, Carole. Wer unseren Podcast kennt, der weiß, am Anfang machen wir immer ein kleines Spiel, damit wir unsere Gäste ein bisschen besser kennenlernen. Ich stelle dir jetzt eine Frage und du wählst zwischen zwei Antworten.
Frühstück Baguette oder Müsli.
Prof.in Dr. Carole Leguy:
Baguette.
Olaf Brinkmann:
Wohnen Einfamilienhaus oder Penthouse.
Prof.in Dr. Carole Leguy:
Einfamilienhaus.
Olaf Brinkmann:
Schmuck Silber oder Gold.
Prof.in Dr. Carole Leguy:
Beides, das kann man nicht beantworten.
Olaf Brinkmann:
Sport Fitnessstudio oder Waldlauf.
Prof.in Dr. Carole Leguy:
Waldlaufen.
Olaf Brinkmann:
Carole, ich habe es ja schon gesagt, du bist vor deiner Zeit an der HRW viel rumgekommen. Du hast an einer Ingenieurhochschule in Blois in Frankreich Ingenieurwesen Mechatronik studiert. Wie viele Frauen wart ihr denn damals?
Prof.in Dr. Carole Leguy:
Am Anfang waren wir 100 Studierende und davon zehn Frauen. Mit drei davon bin ich noch in Kontakt und auch befreundet, weil wir sehr eng miteinander verbunden waren.
Olaf Brinkmann:
Wie bist du darauf gekommen, das zu studieren?
Prof.in Dr. Carole Leguy:
Es war mir immer klar. Schon als Kind in der Grundschule mochte ich Mathematik. Das war für mich wie ein kleines Rätselspiel. Später habe ich Naturwissenschaften entdeckt, Chemie und Physik im Gymnasium. Da war mir klar, ich möchte etwas in der Wissenschaft machen.
Olaf Brinkmann:
Du hast dann ein deutsch französisches Doppeldiplom in Biomedical Engineering gemacht.
Prof.in Dr. Carole Leguy:
Genau. Nach meinem vierjährigen Studium in Frankreich wollte ich mich im Master spezialisieren und gleichzeitig ins Ausland gehen. Ich hatte Biomedical Engineering entdeckt und fand die Nutzung neuer Technologien für die Medizin sehr spannend. So habe ich beides kombiniert mit einem Master in Deutschland in Baden Württemberg und konnte beide Diplome gleichzeitig erwerben.
Olaf Brinkmann:
Was ist Biomedical Engineering genau?
Prof.in Dr. Carole Leguy:
Biomedical Engineering ist ein sehr breiter Bereich. Es kann mehr in Richtung Elektrotechnik, Mechanik oder Informatik gehen. Allgemein nutzen wir Technologien und Modelle, um Gesundheitssysteme zu verbessern, bessere Diagnosen zu ermöglichen, bessere Geräte zu entwickeln und die Behandlung von Patientinnen und Patienten zu verbessern.
Olaf Brinkmann:
Wie schwer ist es für Frauen in solchen technischen Studiengängen?
Prof.in Dr. Carole Leguy:
Es ist schwierig, eine objektive Antwort zu geben. Für mich persönlich war es kein Problem. Ich hatte viel Spaß und es war eher ein Vorteil, Teil der Minderheit zu sein. Aber ich kann nicht für alle Frauen sprechen.
Man muss das auch statistisch betrachten. Persönliche Erfahrungen lassen sich schwer von anderen Faktoren trennen. Aber ich würde Frauen empfehlen, Technik, Engineering oder Naturwissenschaften zu studieren.
Olaf Brinkmann:
Du hast gesagt, es war für dich eher ein Vorteil. Warum?
Prof.in Dr. Carole Leguy:
Ich glaube, es gab den Wunsch an der Hochschule, mehr Frauen in den Studiengängen zu haben. Wir fühlten uns gut bewertet und nicht diskriminiert. So habe ich es zumindest wahrgenommen.
Olaf Brinkmann:
Mit wie vielen Jahren bist du Professorin geworden?
Prof.in Dr. Carole Leguy:
Ich war 36, als ich 2018 Professorin wurde.
Olaf Brinkmann:
War dieser Weg für dich immer klar?
Prof.in Dr. Carole Leguy:
Mein ursprüngliches Ziel war Forschung. Ich fand es immer spannend, Neues zu entdecken. Am Anfang hatte ich keine Lust auf Lehre, weil ich dachte, es wäre jedes Jahr das Gleiche.
Aber ich bin jetzt seit fast vier Jahren in der Lehre und habe das Gefühl, ich stehe erst am Anfang. Jedes Jahr lerne ich dazu und kann mich verbessern. Die Interaktion mit den Studierenden ist sehr bereichernd.
Olaf Brinkmann:
Du hast für das Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrtmedizin gearbeitet und zur Gesundheit von Astronauten geforscht. Worum ging es da?
Prof.in Dr. Carole Leguy:
Das war eine Anschlussforschung an meine Doktorarbeit in vaskulärer Biomechanik in Eindhoven. Ich habe untersucht, welchen Einfluss Schwerelosigkeit auf die Blutdruckregulation und die Gefäßgesundheit hat.
Olaf Brinkmann:
An der HRW beschäftigst du dich mit kardiovaskulärer Mechanik. Was kann ich mir darunter vorstellen?
Prof.in Dr. Carole Leguy:
Ich habe als erste Anschaffung eine Simulation für mein Labor aufgebaut. Damit kann ich Bedingungen in Gefäßen nachbilden.
So können wir Studien durchführen, zum Beispiel zur Verteilung von Kontrastmitteln im MRT, zur Effizienz von Ventilen oder zur nichtinvasiven Blutdruckmessung. Der Aufbau eignet sich auch sehr gut für die Lehre, um Studierenden die Biomechanik anschaulich zu erklären.
Olaf Brinkmann:
Du arbeitest auch an Spielen für die Rehabilitation.
Prof.in Dr. Carole Leguy:
Ich entwickle die Spiele nicht selbst, sondern arbeite mit einem Start up aus Düsseldorf zusammen. Es geht um Serious Games, die Patientinnen und Patienten in der Rehabilitation motivieren sollen, zu Hause zu trainieren.
Meine Rolle ist es, die physiologischen Effekte zu messen und zu bewerten, wie effektiv diese Methoden sind. Dabei nutze ich auch Methoden aus der Weltraumforschung.
Olaf Brinkmann:
Du leitest das Institut Mess und Sensortechnik an der HRW. Womit beschäftigt ihr euch dort?
Prof.in Dr. Carole Leguy:
Wir beschäftigen uns mit nichtinvasiven Messungen. Zum Beispiel messen wir Strom, magnetische Felder oder Temperatur, ohne direkten Kontakt.
Das kann in der Industrie eingesetzt werden oder auch bei Lebensmitteln. Außerdem arbeiten wir mit drahtlosen Systemen und integrieren künstliche Intelligenz direkt in die Sensorik, ohne Cloud, direkt vor Ort.
Olaf Brinkmann:
In welchen Studiengängen lehrst du an der HRW?
Prof.in Dr. Carole Leguy:
Ich lehre im Bachelorstudiengang Gesundheit und Medizintechnologie.
Olaf Brinkmann:
In dieser Staffel geht es um den Claim Never Stop Growing. Was bedeutet der für dich?
Prof.in Dr. Carole Leguy:
Leben ist ein ständiger Lernprozess. Never Stop Growing passt sehr gut dazu.
Olaf Brinkmann:
Wo spürst du diesen Claim als Professorin?
Prof.in Dr. Carole Leguy:
Ich sehe mich wie einen Baum mit vielen Wurzeln und Ästen. Verschiedene Länder, verschiedene Erfahrungen. Daraus entstehen immer neue Ideen und Projekte.
Olaf Brinkmann:
Was braucht es, um diesen Claim zu leben?
Prof.in Dr. Carole Leguy:
Positivität und Austausch mit Menschen. Forschung und Technologie funktionieren nur durch Interaktion.
Olaf Brinkmann:
Bitte vervollständige diese Sätze. Studierende können an der HRW wachsen, weil.
Prof.in Dr. Carole Leguy:
Weil wir ein tolles Team sind, einen schönen Campus, gute Labore und sehr gute Menschen.
Olaf Brinkmann:
Lebenslanges Lernen bedeutet für mich.
Prof.in Dr. Carole Leguy:
Forschung, Lehre und Familienleben.
Olaf Brinkmann:
Carole, wir sind am Ende. Vielen Dank für all deine spannenden Antworten.
Prof.in Dr. Carole Leguy:
Vielen Dank.
Olaf Brinkmann:
Wenn ihr, liebe Hörerinnen und Hörer, Prof.in Dr. Carole Leguy persönlich sprechen wollt, sie ist Prodekanin im Fachbereich 4. Bewerbungen für die Studiengänge sind ab Mai möglich.
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Habt eine gute Zeit, bis zur nächsten Folge.
Euer Olaf.