Olaf Brinkmann:
Der hrw Podcast der Wissenschaft. In dieser Folge mit der Datenbrille auf Station. Wie neue Technik Pflegenden helfen soll.
Hallo und herzlich willkommen zum hrw Podcast der Wissenschaft. Schön, dass ihr wieder eingeschaltet habt. Mein Name ist Olaf Brinkmann.
Heute geht es um ein super wichtiges Thema, nämlich die Pflege. Wir wollen schauen, inwieweit eine Datenbrille hier helfen kann und die Arbeit auf der Station vereinfachen kann. Wir erfahren alles über das Projekt Parkoura.
Prof. Dr. Stefan Geißler weiß jede Menge darüber und ihn werde ich gleich fragen, wie die Technik eingesetzt werden soll. Jetzt begrüße ich meinen Gast aber erst mal und sage herzlich willkommen, Herr Prof. Dr. Geißler. Schön, dass Sie heute in unserem Podcast sind.
Prof. Dr. Stefan Geißler:
Ja, hallo. Vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich, hier zu sein.
Olaf Brinkmann:
Zu Beginn wie immer die Frage, wollen wir Sie oder du sagen.
Prof. Dr. Stefan Geißler:
Gerne du.
Olaf Brinkmann:
Ich bin der Olaf. Hallo Stefan.
Stefan, bevor wir gucken, was du als Professor machst, sollst du erst mal ein bisschen menscheln. Wir wollen dich kennenlernen und dafür stelle ich dir jetzt immer eine Frage und du wählst zwischen zwei Antworten, okay.
Prof. Dr. Stefan Geißler:
Okay.
Olaf Brinkmann:
Geburtstagsgrüße, Anruf oder Messenger.
Prof. Dr. Stefan Geißler:
Kommt auf die Person an.
Olaf Brinkmann:
Sport, lieber joggen oder schwimmen.
Prof. Dr. Stefan Geißler:
Vielleicht schwimmen.
Olaf Brinkmann:
Musik, Klassik oder Rock.
Prof. Dr. Stefan Geißler:
Rock, ganz klar.
Olaf Brinkmann:
Mittagessen, Fleisch oder vegetarisch.
Prof. Dr. Stefan Geißler:
Vegetarisch.
Olaf Brinkmann:
Stefan, an der HRW gehörst du zum Institut Informatik und du leitest den Studiengang Mensch Technik Interaktion. Ganz kurz, was lerne ich, wenn ich bei dir studiere.
Prof. Dr. Stefan Geißler:
Das ist eine ganze Menge, weil das ein sehr interdisziplinärer Studiengang ist. Wir beschäftigen uns damit, wie Menschen mit Technik interagieren. Das liegt schon im Namen des Studiengangs.
Man muss die Menschen verstehen und die Technik verstehen. Beide Sichtweisen haben wir im Studiengang mit drin. Das heißt, wir haben psychologische Anteile und Kompetenzen darin, wie man technische Systeme baut.
In der Informatik ist das Programmierung, aber ein großer und wichtiger Aspekt ist die Konzeption. Was und wie baue ich ein System, damit es für Menschen nützlich ist und gut zu bedienen ist.
Diese Aspekte versuchen wir methodisch und fachlich gut zu vereinen. Wenn wir sehen, dass unsere Absolventinnen und Absolventen gut unterkommen, dann ist uns das, glaube ich, ganz gut gelungen.
Olaf Brinkmann:
Du koordinierst außerdem das Institut Positive Computing. Worum geht es da.
Prof. Dr. Stefan Geißler:
Auch da schauen wir uns Menschen im technischen Umfeld an. Im Gegensatz zu klassischer Usability oder User Experience beziehen wir Aspekte des Wohlbefindens mit ein.
Wir schauen nicht nur, ob Menschen Aufgaben gut und schnell erledigen können, zum Beispiel einen Audioplayer bedienen, sondern auch, ob sie sich wohlfühlen. Ob sie ein Gefühl von Verbundenheit haben, mit ihren Kompetenzen klarkommen oder diese ausbauen können.
Das sind Faktoren aus der positiven Psychologie, die zu Wohlbefinden führen. Wir versuchen, Systeme so zu bauen, dass Menschen sich wohlfühlen und ihr Potenzial nutzen können und damit auch gute Leistung bringen.
Olaf Brinkmann:
Lass uns auf das Projekt Parkoura schauen. Wofür steht der Name und wer macht da mit.
Prof. Dr. Stefan Geißler:
Parkoura ist ein Akronym. Par steht für Partizipation und kura ist aus dem Pflegekontext abgeleitet.
Ausgeschrieben heißt das partizipative Einführung von Datenbrillen in der Pflege im Krankenhaus. Uns ist wichtig, das gemeinsam mit den Menschen in der Praxis zu machen.
Wir arbeiten in einem Konsortium mit drei Praxispartnern. Das sind das Franziskus Hospital in Münster, das Maria Josef Hospital in Greven und die Fakt IT als IT Dienstleister.
Dazu kommen drei Forschungspartner. Die Fachhochschule Münster mit dem Fachbereich Gesundheit, das Institut Technik Arbeit Transfer und wir von der HRW über das Institut Positive Computing.
Wir sind mit vier Personen aktiv. Neben mir ist meine Kollegin Sabrina Almler dabei, die auch schon im Podcast war. Wir leiten das Projekt gemeinsam. Sie kommt aus der Psychologie, ich aus der Informatik.
Außerdem sind die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Doktorandinnen Carina Ganser und Miriam Thelen dabei. Sie leisten den Großteil der praktischen Arbeit.
Nicht vergessen sollten wir die Studierenden, die als Hilfskräfte oder in Studien und Abschlussarbeiten mitwirken. Das zeigt gut, wie wir Forschung und Lehre miteinander verknüpfen.
Olaf Brinkmann:
Ihr wollt eine Datenbrille entwickeln, die dem Pflegepersonal nutzen kann. Warum und was soll damit erreicht werden.
Prof. Dr. Stefan Geißler:
Wir sind nicht mit einer festen Funktion gestartet, sondern wollten erst verstehen, wie die Arbeitsabläufe sind und wo Probleme liegen.
Deshalb haben wir viel Zeit in die Situationsanalyse gesteckt. Es gab viele Workshops und meine Kollegin hat auch zwei Nachtschichten begleitet, weil wir die Nachtschicht besonders betrachten wollten.
Wir haben viele Interviews geführt, um zu verstehen, wo eine Datenbrille sinnvoll eingesetzt werden kann. Das Partizipative ist uns dabei sehr wichtig.
Die Auswahl der Funktionen und deren Ausgestaltung erfolgt gemeinsam mit den Pflegekräften.
Olaf Brinkmann:
Gibt es schon erste Ansätze für Funktionen.
Prof. Dr. Stefan Geißler:
Ja, aus den Workshops ist viel entstanden. Es gibt Personalmangel, Zeitdruck und lange Wege, besonders nachts. Außerdem ist die Dokumentation sehr aufwendig.
Ein Ansatz ist daher die Unterstützung bei der Dokumentation, zum Beispiel bei der Wunddokumentation. Diese muss regelmäßig erfolgen und kann durch die Brille unterstützt werden.
Ein weiterer Bereich ist die Kommunikation. Pflegekräfte sind nachts oft allein und brauchen manchmal eine zweite Meinung. Auch junge Pflegekräfte können so erfahrene Kolleginnen und Kollegen hinzuziehen.
Zusätzlich können Informationen oder vorgefertigtes Material eingeblendet werden. Wir haben viele Ideen gesammelt und mussten dann auswählen, womit wir starten.
Olaf Brinkmann:
Das kostet sicher Geld. Woher kommt die Finanzierung.
Prof. Dr. Stefan Geißler:
Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und vom Europäischen Sozialfonds gefördert.
Wir als Hochschule erhalten eine Vollförderung und finanzieren daraus die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen. Auch die Krankenhäuser erhalten Mittel, um Ressourcen für die Mitarbeit im Projekt bereitzustellen.
Olaf Brinkmann:
Patientinnen und Patienten könnten sich erschrecken, wenn jemand mit einer Brille kommt. Habt ihr das im Blick. Und wie ist es mit Datenschutz.
Prof. Dr. Stefan Geißler:
Ja, das ist ein sehr wichtiger Punkt. Das übernimmt vor allem unser Partner Fakt IT. Datenschutz ist im Krankenhaus besonders sensibel.
Wir entwickeln keinen fertigen Produktivbetrieb, sondern einen Demonstrator, der das Prinzip zeigt. Bei einer späteren Umsetzung müsste alles datenschutzrechtlich geprüft werden.
Schon in der Konzeption achten wir darauf, dass Daten nur im Krankenhausnetz verarbeitet werden. Die Brille kann Videos aufnehmen, daher muss transparent sein, wann aufgenommen wird und mit wessen Zustimmung.
Aufnahmen dürfen nur situationsbezogen erfolgen und sicher gespeichert werden. Es geht nicht darum, dauerhaft zu filmen, sondern gezielt dort zu unterstützen, wo es notwendig ist.
Olaf Brinkmann:
Stefan, du bist seit 2010 an der HRW. Wie bist du seither persönlich und beruflich gewachsen.
Prof. Dr. Stefan Geißler:
Das Spannende am Professorenberuf ist die Vielfalt und Freiheit der Tätigkeiten. Man wächst fachlich, weil man auf dem aktuellen Stand bleiben muss, für Forschung und Lehre.
Man wächst aber auch im Umgang mit Studierenden. Als Studiengangsleiter habe ich viele Einblicke in die Studienberatung bekommen, die mich auch persönlich weitergebracht haben.
Olaf Brinkmann:
In dieser Staffel schauen wir auf den Claim Never Stop Growing. Was verbindest du persönlich damit.
Prof. Dr. Stefan Geißler:
Als Hochschule den Zuwachs an Erkenntnissen, aber auch an zwischenmenschlichen Kompetenzen.
Olaf Brinkmann:
Was braucht es, damit dieser Claim wirklich gelebt werden kann.
Prof. Dr. Stefan Geißler:
Man muss Wachstum spüren können. Eigene Erfolge wahrnehmen, daraus Motivation ziehen und sich darüber freuen.
Olaf Brinkmann:
Was tut die HRW konkret dafür.
Prof. Dr. Stefan Geißler:
In den Studiengängen gibt es viele Möglichkeiten zur freien Entfaltung. Neben Grundlagen gibt es früh Gruppenarbeiten, kreative Projekte und Gestaltungsspielräume.
In der Forschung haben wir eine gute Ausstattung, um sowohl Forschung als auch Lehre auf einem hohen Niveau zu betreiben.
Olaf Brinkmann:
Zum Schluss bitte vervollständige diese Sätze. Studierende können an der HRW wachsen, wenn.
Prof. Dr. Stefan Geißler:
Wenn alle an einem Strang ziehen, die Studierenden motiviert sind und wir Lehrenden das passende Umfeld schaffen.
Olaf Brinkmann:
Die HRW hilft Studierenden auf ihrem Weg, indem.
Prof. Dr. Stefan Geißler:
Indem wir ein gutes Betreuungsverhältnis haben, auf individuelle Bedürfnisse eingehen und die Menschen dort abholen, wo sie stehen.
Olaf Brinkmann:
Wer wächst, der.
Prof. Dr. Stefan Geißler:
Wird am Ende hoffentlich erfolgreich sein.
Olaf Brinkmann:
Stefan, vielen Dank für deine spannenden Antworten. Ich bin gespannt, wann eure Datenbrille Alltag wird und Patienten davon profitieren.
Prof. Dr. Stefan Geißler:
Vielen Dank auch von meiner Seite. Wir werden weiter berichten, wie das Projekt voranschreitet.
Olaf Brinkmann:
Wenn ihr, liebe Hörerinnen und Hörer, Stefan kennenlernen wollt, er leitet den Studiengang Mensch Technik Interaktion. Bewerbungen sind immer zum Wintersemester möglich.
Wie immer am Schluss die Bitte. Wenn euch unser Podcast gefällt, gebt uns bei Spotify ein paar Sterne oder schreibt uns auf unseren Social Media Kanälen. Teilt den Podcast gern mit Kommilitoninnen und Kommilitonen, Kolleginnen und Kollegen, der Familie oder mit Freunden.
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Jetzt sage ich Tschüss und bis zum nächsten Mal.
Euer Olaf.