Olaf Brinkmann:
Der HRW Podcast der Wissenschaft. In dieser Folge ohne Lenkrad und Pedal, was Augmented Reality leisten kann. Herzlich willkommen zum HRW Podcast der Wissenschaft.
Ich freue mich, dass ihr wieder eingeschaltet habt. Mein Name ist Olaf Brinkmann und heute geht es um ein Thema, das ein leichtes Kribbeln in meinem Bauch bringt. Automatisiertes Fahren.
Hand aufs Herz. Könnt ihr euch vorstellen, Auto zu fahren, ohne es selbst zu lenken. Ganz im Vertrauen darauf, dass die Technik das schon richten wird. Ich glaube, dass es irgendwann mal so kommen wird. Heute wird bereits auf Hochtouren daran geforscht, damit das alles Wirklichkeit wird und wir uns dann auch sicher fühlen können.
Und da kommt mein heutiger Gast ins Spiel. Dr. Hendrik Deitjen forscht genau dazu und wir sprechen gleich über sein Promotionsprojekt. Jetzt sage ich aber erst mal Hallo, Herr Deitjen, schön, dass Sie da sind.
Dr. Hendrik Deitjen:
Ja, guten Tag, Herr Brinkmann.
Olaf Brinkmann:
Zu Beginn wie immer die Frage, wollen wir Sie oder Du sagen.
Dr. Hendrik Deitjen:
Wir können uns gerne duzen, ist mir lieber.
Olaf Brinkmann:
Sehr gerne, Hendrik. Ich bin der Olaf.
Hendrik, erstmal wollen wir dich als Menschen ein bisschen besser kennenlernen und dafür haben wir ein kurzes Spiel. Ich stelle dir jetzt immer eine Frage und du wählst zwischen zwei Antworten, okay.
Dr. Hendrik Deitjen:
Okay, gern.
Olaf Brinkmann:
Bei Terminen eher zu früh oder zu spät.
Dr. Hendrik Deitjen:
Lieber zu früh, wenn es möglich ist.
Olaf Brinkmann:
Unterwegs lieber Aufzug oder Treppe.
Dr. Hendrik Deitjen:
Immer Treppe.
Olaf Brinkmann:
Sehr gut. Dessert süß oder salzig.
Dr. Hendrik Deitjen:
Mittags süß, abends salzig.
Olaf Brinkmann:
Kurze Strecke eher Auto oder eher zu Fuß.
Dr. Hendrik Deitjen:
Fahrrad.
Olaf Brinkmann:
Fahrrad, sehr gut.
Hendrik, an der HRW gehörst du zum Institut Informatik und lehrst auch. Was können Studierende bei dir lernen.
Dr. Hendrik Deitjen:
Ich bin ganz generell im Bereich Mensch Technik Interaktion in der Lehre eingesetzt und bei mir kann man lernen, wie man Systeme so gestaltet, dass sie möglichst nutzerfreundlich und effizient zu bedienen sind am Ende.
Olaf Brinkmann:
Lass uns da mal ein bisschen in die Glaskugel schauen. In deiner Doktorarbeit geht es um das automatisierte Fahren. Wie stellst du dir ganz persönlich Autofahren in einigen Jahrzehnten vor. Was kommt da.
Dr. Hendrik Deitjen:
Ich denke, in einigen Jahrzehnten wird das ein schleichender Prozess werden. Das Autofahren wird natürlich bleiben, gerade wenn wir an den Stadt Land Verkehr denken. Meine Eltern wohnen auch auf dem Land und da ist das Auto kaum wegzudenken.
Da muss erst mal eine Infrastruktur her. Aber auf Autobahnstrecken zwischen den Städten kann ich mir vorstellen, dass dort, so wie es jetzt langsam auch schon losgeht auf einigen Teststrecken, zum Beispiel in Bayern, dass wir autonome Fahrspuren haben. Und das kann ich mir sehr gut vorstellen, dass wir das in einigen Jahrzehnten sehen werden.
Also dass wir völlig autonom, zumindest in Teilbereichen, unterwegs sein werden.
Olaf Brinkmann:
Wenn jetzt ein Zug oder ein Schiff autonom fährt, dann können wir uns damit leichter anfreunden als beim Auto. Warum ist das so. Warum fällt uns das beim Auto immer noch so schwer, das Lenkrad aus der Hand zu geben.
Dr. Hendrik Deitjen:
Die meisten von uns haben ja selber einen Führerschein. Wenige von uns haben einen Zugführerschein oder waren schon mal Lokführer. Von daher müssen wir unsere Kompetenz an die Maschine abgeben. Und das fällt uns natürlich nicht leicht, weil wir dem System vielleicht nicht das zutrauen, was wir uns selbst zutrauen würden.
Olaf Brinkmann:
Denkst du, dass ein Lokführer, der das schon eher durch die Arbeit kennt, da schneller reinkommt.
Dr. Hendrik Deitjen:
Der Lokführer hat ja auch Kontrollmechanismen. Der fährt ja auch nicht komplett autonom. Er muss die Steuersignale beobachten, Gas geben, bremsen.
Es ist natürlich ein bisschen leichter, weil er auf einer Schiene fährt und nicht auf der Straße ständig der Spur folgen muss.
Olaf Brinkmann:
Was braucht es denn, damit wir irgendwann mal völlig entspannt in so einem Auto sitzen und während der Fahrt lesen oder auf unser Smartphone schauen können.
Dr. Hendrik Deitjen:
Erst mal braucht es dafür die technischen Voraussetzungen. Nehmen wir an, die sind vorhanden. Dann brauchen wir Vertrauen. Und das Vertrauen schafft sich so ein System über die Zeit. Wir müssen lernen, dass wir dem System vertrauen können.
So wie in der menschlichen Interaktion. Wir vertrauen nicht jedem sofort. Vertrauen muss man sich erst erarbeiten.
Olaf Brinkmann:
Du beschäftigst dich mit Augmented Reality. Da verschmilzt die reale Welt mit der virtuellen Welt. Das kennen wir zum Beispiel vom Handyspiel Pokémon Go. Was bringt uns Augmented Reality im Zusammenhang mit dem autonomen Fahren.
Dr. Hendrik Deitjen:
Wenn es um komplett autonomes Fahren geht, dann können wir uns Technologien vorstellen wie durchsichtige OLED Displays. In einiger Zukunft haben wir vielleicht Head up Displays, also Displays, die auf die Windschutzscheibe projiziert werden oder in die Windschutzscheibe integriert sind.
Die können uns Informationen in unsere Umgebung hinein projizieren. Das kann dabei helfen, Vertrauen zu schaffen. Wenn wir den Menschen kommunizieren, was das Fahrzeug sieht und welche Dinge es gerade betrachtet. Diese Transparenz darüber, was das System gerade macht.
Ich glaube, das kann helfen, diese Systeme für den Menschen verständlicher zu machen und Vertrauen herzustellen.
Olaf Brinkmann:
Kannst du ein oder zwei Beispiele nennen, was da eingeblendet werden könnte.
Dr. Hendrik Deitjen:
Am einfachsten wären Navigationsinformationen, Statusinformationen. Was macht das Fahrzeug gerade. Wie schnell fährt es. Welche Straßenschilder hat es erkannt. Wo möchte es hinfahren. Welche Aktion führt es gerade aus. Will es einen Spurwechsel machen oder gleich bremsen, sodass man sich darauf einstellen kann, wenn man das möchte.
Olaf Brinkmann:
Autonomes Fahren, was bringt das mir als Fahrer. Es wäre mir schon lieb, wenn ich noch eingreifen könnte. Wird das gehen oder irgendwann gar nicht mehr.
Dr. Hendrik Deitjen:
Das hängt stark davon ab, wie die Hersteller das implementieren. Vor einigen Jahren hat man sich darüber kaum Gedanken gemacht und gesagt, Menschen fahren autonom, das ist doch gut.
Heute weiß man durch Forschung, dass Menschen ein Bedürfnis haben, das System zu kontrollieren. Wenn ich keine Möglichkeit habe, meine Situation zu kontrollieren, schafft das nicht unbedingt Vertrauen. Für manche Menschen kann das dazu führen, dass sie diese Technologie nicht nutzen wollen.
Ganz praktisch gibt es auch Anwendungsfälle, wo wir kein konkretes Ziel haben. Wenn ich autonom von A nach B fahre, muss ich A und B benennen können. Manchmal möchte ich aber einfach bei der nächsten Tankstelle rechts anhalten. Auch solche Funktionen müssen integriert sein.
Und wenn ich kein Lenkrad mehr habe, stellt sich die Frage, wie man das dann macht.
Olaf Brinkmann:
Das Ganze ist Thema in deinem Promotionsprojekt. Wie gehst du da vor. Gibt es Testautos oder Simulatoren.
Dr. Hendrik Deitjen:
Je nach Fragestellung eignen sich unterschiedliche Testumgebungen. Wenn ich ein Assistenzsystem wie ein Head up Display ausprobieren möchte, kann ich das schnell im Fahrsimulator machen.
Wir haben auch Studien gemacht, in denen wir Videos bearbeitet und Overlays eingefügt haben, um es für Nutzer vorstellbar zu machen. Wir haben Fahrzeuge präpariert, Menschen mitgenommen und beobachtet, was sie während der Fahrt machen.
Olaf Brinkmann:
Was ist das Ziel deiner Promotionsarbeit.
Dr. Hendrik Deitjen:
Das Ziel ist, in die Zukunft zu schauen und die gewonnenen Erkenntnisse in die Gegenwart zurückzuholen, um die Entwicklung in eine gute Richtung zu lenken.
Olaf Brinkmann:
Hendrik, du bist seit 2017 an der HRW. Wenn du zurückblickst, wie bist du seither persönlich und beruflich gewachsen.
Dr. Hendrik Deitjen:
In der Zeit habe ich viel darüber gelernt, was ich gut kann und was nicht so gut. Ich hatte viele Möglichkeiten, mich auszuprobieren, in der Lehre, in Forschungsprojekten, in der Betreuung von Studierenden und beim Halten von Präsentationen. Das formt einen.
Olaf Brinkmann:
Jetzt schauen wir auf den Claim der HRW. Never Stop Growing. Bitte antworte spontan. Was verbindest du persönlich damit.
Dr. Hendrik Deitjen:
Kritik annehmen und weitermachen.
Olaf Brinkmann:
Kannst du als Doktorand diesen Claim in deinem Alltag spüren.
Dr. Hendrik Deitjen:
Ja. Man wird immer wieder vor Herausforderungen gestellt. Diese zu meistern bringt einem etwas für den eigenen Erfahrungsschatz und man kann daran wachsen.
Olaf Brinkmann:
Was tut die HRW, damit der wissenschaftliche Nachwuchs gut aufgestellt ist.
Dr. Hendrik Deitjen:
Ich finde die Ausstattung an der HRW sehr gut. Das ist wichtig für Forschung. Man wird gut unterstützt. Zum Beispiel kann man unkompliziert auf Konferenzen gehen, es gibt Fonds für Mitarbeitende, ohne großen bürokratischen Aufwand.
Olaf Brinkmann:
Und was macht die HRW für Studierende, damit sie wachsen können.
Dr. Hendrik Deitjen:
Die HRW integriert Forschung stark in die Lehre. Studierende werden in aktuelle Forschung einbezogen und so gut auf die Zukunft und den Arbeitsmarkt vorbereitet.
Olaf Brinkmann:
Bitte vervollständige diese Sätze. Als Doktorand brauche ich.
Dr. Hendrik Deitjen:
Freiheit und Zeit.
Olaf Brinkmann:
An einer Hochschule wachsen Menschen, wenn.
Dr. Hendrik Deitjen:
Wenn sie kontinuierlich gefordert werden und gleichzeitig Freiraum haben, Fehler machen zu dürfen, und ein sicherer Raum für alle vorhanden ist.
Olaf Brinkmann:
Damit ich wachsen kann, muss ich selbst.
Dr. Hendrik Deitjen:
Mit mir im Einklang sein und ausgelastet sein.
Olaf Brinkmann:
Hendrik, wir sind am Ende. Vielen Dank für deine spannenden Antworten. Ich wünsche dir viel Erfolg.
Dr. Hendrik Deitjen:
Vielen Dank. Ich bedanke mich bei dir, Olaf.
Olaf Brinkmann:
Wenn ihr, liebe Hörerinnen und Hörer, Hendrik mal kennenlernen wollt. Er lehrt im Studiengang Mensch Technik Interaktion immer zum Wintersemester. Ihr könnt euch dafür an unserer Hochschule bewerben und einschreiben.
Jetzt noch eine Bitte. Wenn euch unser Podcast gefällt, dann teilt ihn mit euren Kommilitoninnen und Kommilitonen, Kolleginnen und Kollegen, der Familie oder mit Freunden. Das hilft uns, bekannter zu werden. Schreibt uns gerne eine Bewertung auf unseren sozialen Netzwerken oder drückt die Sternchen bei Spotify, wenn ihr unsere Themen spannend findet.
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Jetzt sage ich Tschüss und bis zum nächsten Mal.
Euer Olaf.