Der HRW Podcast der Wissenschaft. In dieser Folge HRW goes COIL. So funktioniert kollaboratives Lernen.
Olaf Brinkmann:
Hallo und herzlich willkommen zum HRW Podcast der Wissenschaft. Wie schön, dass ihr wieder eingeschaltet habt und bei der neuen Podcast Folge dabei seid.
Mein Name ist Olaf Brinkmann und heute sprechen wir mal übers Lernen, denn das kann richtig spannend sein, wenn es kollaborativ und virtuell passiert und dazu noch über Ländergrenzen hinweg.
COIL ist ein solches Lernformat und Professor Dr. Felix Meckmann wird uns erzählen, was es damit auf sich hat. Er ist heute mein Gast. Hallo Herr Dr. Meckmann, schön, dass Sie da sind.
Prof. Dr. Felix Meckmann:
Vielen Dank.
Olaf Brinkmann:
Zu Beginn die Frage, wollen wir Sie sagen oder Du?
Prof. Dr. Felix Meckmann:
Ja, machen wir das Du.
Olaf Brinkmann:
Sehr gerne, ich bin der Olaf.
Felix, unsere Hörerinnen und Hörer sollen nicht nur alles über deine Arbeit als Professor und Wissenschaftler erfahren, wir interessieren uns auch für dich als Menschen. Wir machen jetzt mal ein kleines Spiel, okay?
Prof. Dr. Felix Meckmann:
Ja.
Olaf Brinkmann:
Ich stelle dir jetzt immer eine Frage und du wählst zwischen zwei Antworten.
An der Ampel bei Gelb, bremsen oder fahren?
Prof. Dr. Felix Meckmann:
Fahren.
Olaf Brinkmann:
Urlaub, lieber zu Hause oder in der Ferne?
Prof. Dr. Felix Meckmann:
Ich habe viel Fernweh.
Olaf Brinkmann:
Filme, Krimi oder Science Fiction?
Prof. Dr. Felix Meckmann:
Krimi.
Olaf Brinkmann:
Grillen, Würstchen oder Tofu?
Prof. Dr. Felix Meckmann:
Würstchen.
Olaf Brinkmann:
Felix, an der HRW gehörst du zum Institut Bauingenieurwesen. Was sind denn da deine Aufgaben und vor allem, was lernen deine Studierenden bei dir?
Prof. Dr. Felix Meckmann:
Ich vertrete das Lehrgebiet Bauökonomie und das ist ein Zwitter zwischen Bauingenieur und BWLer.
Ich habe beides studiert und bin eigentlich Statiker oder Tragwerksplaner und habe dann noch BWL draufgesattelt.
Das hat sich über mein Berufsleben immer mehr verstärkt, dass ich diese ökonomischen Aspekte beim Bauen immer mehr betrachtet habe.
Ich habe Fächer wie Projektentwicklung in der Bauwirtschaft, Bauvertragswesen, Projektentwicklung, was mir sehr viel Spaß macht, aber auch Fächer wie unternehmerisches Handeln und Denken.
Olaf Brinkmann:
Du betreust ja auch Doktorandinnen und Doktoranden im NRW Promotionskolleg. Kannst du mal kurz schildern, was das ist?
Prof. Dr. Felix Meckmann:
Man muss es sich so vorstellen, dass die Promotionsrechte nur die Universitäten haben.
Es gibt aber geeignete Kandidatinnen und Kandidaten an den Fachhochschulen oder Hochschulen für angewandte Wissenschaften.
In der Vergangenheit war es so, dass man eine Universität suchen musste, um jemanden, der an der FH promovieren will, zur Promotion zu bringen.
Das habe ich auch betrieben.
Inzwischen ist es so, dass es ein früheres Graduierteninstitut, jetzt Promotionskolleg NRW, gibt.
Das Land NRW hat gesagt, wir hätten gerne, dass geeignete Professorinnen und Professoren Promotionsrecht bekommen.
Die bekommen das nicht an der Fachhochschule, sondern es gibt eine eigene neue Hochschule.
Wenn man diese Voraussetzungen erfüllt, kann man über dieses Promotionskolleg Promotionsrecht bekommen und junge Menschen mit einem Masterabschluss an der Fachhochschule zur Promotion führen.
Da bin ich Mitglied und auch Gründungsmitglied der Abteilung Bau und Kultur.
Momentan läuft das Verfahren zu diesem Promotionsrecht und wenn alles gut läuft, werden wir im Sommer vom Wissenschaftsrat das Promotionsrecht bekommen.
Momentan ist es ein vorläufiges Recht und dann kann man über dieses Promotionskolleg auch an der Hochschule Ruhr West promovieren, wenn mehrere Kollegen die Voraussetzungen erfüllen.
Olaf Brinkmann:
Jetzt lass uns mal über HRW goes COIL sprechen.
Ich habe die Abkürzung COIL vorhin schon genannt. Kannst du uns sagen, wofür das steht?
Prof. Dr. Felix Meckmann:
Es ist Collaborative Online International Learning.
Ein für mich sperriger Begriff.
Im Endeffekt geht es darum, wie ich Internationalisierungserfahrungen hier bei uns an der Hochschule machen kann, ohne an eine andere Hochschule reisen zu müssen.
Also zum Beispiel ohne ein Auslandssemester oder Auslandspraktikum.
Diese Erfahrung können Studierende, Lehrende und wissenschaftliche Mitarbeiter hier an der HRW mit anderen Partnern machen.
Das Ziel passt natürlich auch gut zu der Zeit, als Reisen nicht mehr möglich war.
Umso wichtiger ist dieses COIL Projekt, weil wir den Studierenden ein Angebot machen können, mit anderen Ländern und Kontinenten zusammenzuarbeiten.
Olaf Brinkmann:
Dieses Format hat neben virtuellen und internationalen Elementen auch einen kollaborativen Ansatz. Kannst du den erklären? Was ist kollaboratives Lernen?
Prof. Dr. Felix Meckmann:
Kollaborativ heißt erst mal, dass unsere Studierenden befähigt werden, an Problemen zu arbeiten und diese zu lösen.
Dabei auch konfliktfähig zu sein, Ideen anderer zuzulassen und zu neuen Ideen zu kommen.
Wir erweitern das, indem wir mit anderen Ländern zusammenarbeiten.
In unserem COIL Projekt am Institut Bauingenieurwesen arbeiten wir als Piloten mit Nigeria zusammen.
Es wird gemischte Teams geben, zwei oder drei deutsche Studierende und zwei oder drei nigerianische.
Sie werden ein internationales Bauprojekt im Rahmen eines Online Planspiels bearbeiten.
Da stehen sie vor neuen Herausforderungen, weil es einen anderen kulturellen Hintergrund gibt.
In Nigeria wird anders gebaut, es gibt andere Baumaterialien.
Wir haben gelernt, als die Nigerianer bei uns waren, dass sie Nachhaltigkeit ganz anders definieren.
Wir finden nachhaltig, wenn wir Beton recyceln.
Sie sagen, nachhaltig ist, wenn wir gar keinen Beton benötigen, weil die Ressourcen aus dem Boden geholt werden und die Natur schädigen.
Da sieht man, wie unterschiedlich Themen wie Nachhaltigkeit oder Climate Change gesehen werden.
In diesem Kontext zusammenzuarbeiten und Lösungen für ein Bauprojekt zu finden, das vielleicht in Nigeria, in Deutschland oder in Marokko stattfindet, ist das Ziel.
Man muss sich darauf einstellen, welche Anforderungen vor Ort gelten.
Olaf Brinkmann:
Du hast von einem Planspiel gesprochen. Wie muss ich mir das vorstellen? Wie funktioniert das?
Prof. Dr. Felix Meckmann:
Das haben wir zusammen mit der Universität Duisburg Essen entwickelt.
Die Studierenden können in diesem Tool planen und bauen und spielen auch gegeneinander.
Sie sind Unternehmer, Planungsbüro.
Von außen kommen Einflüsse wie Corona oder Baupreissteigerungen.
So erleben sie, wie ein Marktzyklus läuft.
Ein Marktzyklus braucht vielleicht zehn Jahre und wir können das innerhalb eines Semesters durchspielen.
Im Rahmen von COIL haben wir das Tool um internationale Aspekte erweitert.
Es ist englischsprachig und wir haben Rahmenbedingungen aus Nigeria und dem internationalen Kontext ergänzt.
Wir hatten ein Treffen mit den nigerianischen Kollegen und haben sie in das Online Planspiel geschult.
Sie nutzen es bereits im Unterricht.
Im Sommersemester wird bei uns ein geblocktes Wahlmodul stattfinden.
Dort werden wir mit den Nigerianern zusammen Projekte bearbeiten, in gemischten Teams, mit diesem Online Tool und auch in Präsenz.
Wir werden uns gegenseitig im Unterricht zuschalten.
Die Teams treffen sich asynchron, also außerhalb der Unterrichtszeit, und bearbeiten ihr Projekt.
Sie reichen gemeinsam eine Prüfungsleistung ein.
Der Unterricht wird von mehreren Lehrenden gestaltet, aus Nigeria und aus Deutschland.
Das Spannende ist zu erleben, wie dort Unterricht läuft und wie hier Unterricht läuft und wie sich die Teams schlagen.
Olaf Brinkmann:
Felix, du bist seit 2015 an der HRW. Wenn du zurückblickst, wie bist du seitdem persönlich und beruflich gewachsen?
Prof. Dr. Felix Meckmann:
Ich mache etwas, was ich sehr gerne mache.
Es ist genau das, was ich mir immer gewünscht habe.
Ich habe Kontakt mit jungen Menschen und merke, dass man sie prägen kann und Themen vermitteln kann, die man interessant findet.
Gleichzeitig kann ich forschen, was auch immer mehr an der FH gewünscht wird.
Diese intrinsische Motivation ist so groß, dass man manchmal sogar über das Ziel hinausschießt.
Ich habe zehn Jahre darauf hingearbeitet, an die Hochschule zu gehen.
Ich habe einen Master nachgemacht und berufsbegleitend promoviert.
Ich habe es nicht bereut, fühle mich sehr wohl und freue mich, wenn wieder mehr Präsenz möglich ist, weil die Rückmeldung der Studierenden momentan fehlt.
Olaf Brinkmann:
In dieser Staffel haben wir das Format Never Stop Growing und Du.
Bitte antworte kurz und spontan.
Never Stop Growing ist der Claim der HRW. Was bedeutet er für dich?
Prof. Dr. Felix Meckmann:
Ich probiere gerne neue Sachen aus und etablierte Sachen langweilen mich schnell.
Ich werde immer wieder neue Dinge versuchen und auch scheitern.
Nicht alles funktioniert, aber daraus ziehe ich Rückschlüsse und mache es beim nächsten Mal anders.
Das soll auch Inspiration für Studierende sein, dass nicht immer alles sofort funktionieren muss.
Mit dem Scheitern lernt und wächst man.
Olaf Brinkmann:
Was tut die HRW, damit du als Wissenschaftler vorankommst?
Prof. Dr. Felix Meckmann:
Die Abteilung Forschung und Transfer ist super aufgestellt.
Wir bekommen guten Support.
Es gibt Ansprechpartner und Unterstützung bei Fördermittelbeantragung, Budgetkontrolle und Abwicklung.
Olaf Brinkmann:
Was müssen Studierende tun, damit sie an der HRW wachsen können?
Prof. Dr. Felix Meckmann:
Sie müssen mit offenen Augen durch die Hochschule gehen und die Angebote bewusst wahrnehmen.
Vielleicht auch einmal mehr nachfragen, wo ein Mehrwert für sie liegt.
Mut beweisen und Dinge ausprobieren.
Feststellen, ob es etwas für sie ist oder nicht.
Und Erkenntnisse auch an andere Studierende weitergeben.
Olaf Brinkmann:
Jetzt zum Schluss bitte ich dich noch, folgende Sätze zu vervollständigen.
Erfolg ist für mich …
Prof. Dr. Felix Meckmann:
… eine Rückmeldung zu kriegen von den anderen.
Olaf Brinkmann:
Für gute Wissenschaft brauche ich …
Prof. Dr. Felix Meckmann:
… gute Mitarbeiter.
Olaf Brinkmann:
An der HRW wachsen Menschen fachlich und persönlich, wenn …
Prof. Dr. Felix Meckmann:
… sie die fachlichen Angebote wahrnehmen und sich darauf einlassen, auch persönliche Erfahrungen machen zu können.
Olaf Brinkmann:
Felix, wir sind am Ende. Ganz lieben Dank für deine spannenden Antworten.
Ich wünsche dir, dass du mit COIL viele interessante Menschen kennenlernst und tolle Erfahrungen machst.
Prof. Dr. Felix Meckmann:
Vielen Dank.
Olaf Brinkmann:
Ja, danke auch, Felix.
Wenn ihr, liebe Hörerinnen und Hörer, Felix mal kennenlernen wollt, ab Mai könnt ihr euch für die Studiengänge Wirtschaftsingenieurwesen Bau und Bauingenieurwesen an unserer Hochschule bewerben und einschreiben.
Und jetzt noch eine Bitte.
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Jetzt sage ich Tschüss und bis zum nächsten Mal.
Euer Olaf.