Der hrw-Podcast der Wissenschaft. In dieser Folge nachhaltig in die Zukunft. Studiengänge voller Energie.
Olaf Brinkmann:
Hallo und herzlich willkommen beim hrw-Podcast der Wissenschaft. Mein Name ist Olaf Brinkmann. Wie ist das bei euch. Wenn ich etwas kaufen oder anschaffen will, dann achte ich schon darauf, was das fürs Klima bedeutet.
Also der Coffee-to-go-Becher zum Beispiel ist für mich jetzt keine so gute Wahl und ich repariere auch lieber, als gleich was wegzuwerfen. Um Klimaschutz wird es heute hier auch gehen, denn das ist einer der Forschungsschwerpunkte der hrw. Ich habe einen Gast, der dazu viel erzählen kann und der auch weiß, warum es klug ist, grüne Energiestudiengänge zu studieren.
Es ist Prof. Dr. Jens Paetzold. Er leitet an der hrw das Institut Energiesysteme und Energiewirtschaft. Jetzt sage ich aber erst mal Hallo, Herr Prof. Dr. Paetzold.
Prof. Dr. Jens Paetzold:
Schön, dass Sie da sind. Hallo, Herr Brinkmann. Ich freue mich auch, hier zu sein.
Olaf Brinkmann:
Herr Paetzold, wer unseren Podcast öfter hört, der weiß, wir spielen hier zu Beginn immer ein Spiel, um ein bisschen was über unsere Gäste zu erfahren. Ich stelle Ihnen jetzt eine Frage und Sie wählen zwischen zwei Antworten. Fernsehabend, Actionfilm oder Komödie.
Prof. Dr. Jens Paetzold:
Weder noch Infotainment.
Olaf Brinkmann:
Zeitung lesen, Papier oder online.
Prof. Dr. Jens Paetzold:
Lieber Papier.
Olaf Brinkmann:
Süßigkeiten, Lakritz oder Schokolade.
Prof. Dr. Jens Paetzold:
Schokolade.
Olaf Brinkmann:
Herr Paetzold, Sie leiten das Institut Energiesysteme und Energiewirtschaft an der hrw. Was machen Sie da genau.
Prof. Dr. Jens Paetzold:
Ja, wir haben drei Bachelorstudiengänge, die wir hier lehren. Das eine ist die Energieinformatik, das zweite ist die Energie- und Umwelttechnik und das dritte ist ein Wirtschaftsingenieurstudiengang, und zwar Wirtschaftsingenieurwesen, Energiesysteme. Diese drei Studiengänge führen wie gesagt zum Bachelor und in der Vertiefung kann man dann bei uns noch ein Masterstudium draufsetzen.
Das ist derzeit nur der Wirtschaftsingenieur Energiesysteme, aber wir sind in der Vorbereitung, das auch auf Energie- und Umwelttechnik auszudehnen.
Olaf Brinkmann:
Wenn ich jetzt in Ihre Lehrveranstaltungen komme, was genau lerne ich da.
Prof. Dr. Jens Paetzold:
Das kommt eben darauf an, welchen dieser Studiengänge man wählt, aber im Grunde genommen geht es natürlich um die aktuellen Herausforderungen der Fragen der Energiewirtschaft für unser Land, auch für die Welt. Also, welche aktuellen Antworten können wir ausseiten der Wissenschaft in der Lehre geben und wie können wir unsere Studierenden vorbereiten auf das, was sie im Beruf praktisch in allen Fragen der Energie und Umwelttechnik, die immer wieder eine Rolle spielen, später erwartet.
Olaf Brinkmann:
Jetzt ist Klimaschutz einer der neuen Forschungsschwerpunkte der HRW. Erst mal ganz plump gefragt, warum.
Prof. Dr. Jens Paetzold:
Klimaschutz ist bei uns im Institut das, was praktisch das verbindende Element ist, der einzelnen Dinge, die wir bei uns im Institut tun. Ich sage mal ein paar Schwerpunkte, mit denen wir uns bisher so beschäftigt haben. Im Einzelnen waren das erneuerbare Energien.
Mit der Simulation von Energiesystemen, das wird immer wichtiger, zurzeit merken wir gerade, wie in unserem Energiesystem einiges vielleicht nicht ganz so richtig läuft. Wir beschäftigen uns damit, wie wir den Brennstoff- und den Kraftstoffkreis in der Wertschöpfung verändern, wie wir da aus den fossilen Energien aussteigen können. Die Energienutzung in Gebäuden, in Handel und Dienstleistungen, Energiespeicher, Energienetze, dann die sogenannte zirkuläre Wertschöpfung und die Veränderungsprozesse, also die Transformationsprozesse.
Das waren so unsere Einzelforschungsschwerpunkte. Und natürlich haben wir immer gesucht, wie ist denn die Klammer dieser Dinge. Und die Klammer ist relativ einfach. Alle diese Dinge, die ich genannt habe, beschäftigen sich natürlich letztendlich mit Klimaschutz.
Und das ist auch das Ziel unseres neuen Forschungsschwerpunktes. Wir wollen diese Dinge sozusagen koordinieren und in eine gemeinsame Zielrichtung bringen.
Olaf Brinkmann:
Sie haben gerade eben von unserem Energiesystem gesprochen, bei dem nicht alles ganz so richtig läuft. Was sind denn da die größten Herausforderungen, wenn es um ein zukunftsfähiges Energiesystem geht.
Prof. Dr. Jens Paetzold:
Die größten Herausforderungen sind natürlich, dass wir eine Stabilität im Energiesystem erhalten. Wir sind es gewohnt, ein stabiles, immer verfügbares Energiesystem zu haben und das Ganze zu akzeptablen Preisen. Und das ist auch die Herausforderung für die Zukunft.
Das sind gerade die Fragestellungen im Umbau unseres Energiesystems. Wir können uns sicherlich technisch viele Dinge vorstellen, die möglich sind, aber es muss insgesamt stabil bleiben und es muss bezahlbar bleiben.
Olaf Brinkmann:
Und wenn man Deutschland auf diesem Weg jetzt ein Zwischenzeugnis geben dürfte, ist das eher eine Eins oder eine Sechs.
Prof. Dr. Jens Paetzold:
Ich würde sagen, es ist weder eine Eins noch eine Sechs. Wir befinden uns irgendwo so in der Mitte. Wir haben einiges ganz richtig angefasst, aber es gibt auch einige Dinge, und das merken wir natürlich im politischen Umfeld gerade, die uns ein wenig auf die Füße fallen, wo wir also zu sehr auf einige Energieträger, Stichwort Erdgas, uns konzentriert haben. Und das muss sicherlich in Kürze auch korrigiert werden.
Olaf Brinkmann:
Genau, man merkt es an den Energiepreisen, die steigen und steigen. Wie lässt sich da gegensteuern.
Prof. Dr. Jens Paetzold:
Indem wir natürlich viele verschiedene Energiequellen nutzen, indem wir diversifizieren. Das ist sozusagen immer erst mal das Stichwort.
Und mit diesem Diversifizieren schaffen wir mehrere Dinge. Wir schaffen auch eher die von mir genannte Stabilität. Das heißt also, wenn eine Quelle nicht verfügbar ist oder Schwierigkeiten bei der Beschaffung aus einer Quelle bestehen, können wir natürlich auf andere Quellen umstellen.
Aber wichtig ist dabei, dass wir immer berücksichtigen, jedes hat seinen Preis und jede Quelle ist zu bestimmten Zeiten auch nur gut verfügbar. Und das alles muss in einem System komplex zusammengefasst werden. Und dafür brauchen wir natürlich dann auch gerade die Informatik.
Die hatte ich vorhin noch so ein bisschen vergessen. Ich sprach ja von dem Studiengang Energieinformatik, wo wir also auch gerade solche Informationen zusammenfließen lassen und verarbeiten lassen wollen in der Steuerung des Gesamtsystems.
Olaf Brinkmann:
Sie überlegen ja auch, wie kostengünstig alternative Brenn- und Kraftstoffe hergestellt werden können. Der Krieg in der Ukraine zeigt uns, wie wichtig das ist. Was sind denn da die Ideen.
Prof. Dr. Jens Paetzold:
Also die Ideen sind natürlich dort die Nutzung insbesondere von Stoffen, die wir als Reststoffe praktisch in der bisherigen Verwertungskette kennen. Wir haben einige Ideen, die ein Kollege mitgebracht hat, der sich eben der Energie- und Umwelttechnik verdient gemacht hat mit der Untersuchung bestimmter Brennstoffe.
Hier insbesondere von biologischen Abfallstoffen, die wir sonst als Abfall deklariert haben oder Reststoffen, wo man eben tatsächlich überlegen kann, wie können wir sie anders verwerten.
Olaf Brinkmann:
Wo geht die Reise hin. Womit fahren und heizen wir in der Zukunft am ehesten, was meinen Sie.
Prof. Dr. Jens Paetzold:
Ja, das ist immer so eine Sache mit den Prognosen. Natürlich tendiert jetzt vieles dazu, alles auf den elektrischen Strom umzustellen. Ich als Elektrotechniker bin dann natürlich total begeistert über diesen Weg. Aber ich weiß natürlich auch, dass das Ganze auch einige Risiken hat.
Wir können nicht einfach unbegrenzt erst einmal alles transformieren in das elektrische Stromnetz hinein, sondern wir müssen natürlich auch beachten, wie viele Transportwege für Strom haben wir, wie können wir den Strom verteilen, wie kommt er denn bei dem Nutzer auch tatsächlich an und wir müssen auch den großen Nachteil des elektrischen Stromes und des Stromnetzes berücksichtigen, eben die Nicht-Speicher-Fähigkeit von Strom, sondern wir brauchen immer eine andere Zwischenenergieform.
Insofern glaube ich tatsächlich, hier kommt wieder das Wort, was ich vorhin nannte, Diversifizierung. Wir werden viele verschiedene Möglichkeiten erleben und in der Summe wird unser System stabil bleiben und wird es auch die besten Lösungen für uns alle bringen.
Olaf Brinkmann:
Und jetzt wechseln wir nochmal die Perspektive und wieder in Richtung der Studierenden. Warum sollte ich Wirtschaftsingenieurwesen oder Energie- und Umwelttechnik studieren.
Prof. Dr. Jens Paetzold:
Immer dann, wenn ich mich natürlich für diese Themen interessiere, wenn ich sage, Umweltthemen sind für mich interessant und ich möchte später im Berufsleben damit etwas zu tun haben, ich möchte am Umbau unseres Energiesystems oder unserer Wirtschaft teilhaben, um zukunftsfähige Themen zu bearbeiten, dann sollte ich mich für so einen Studiengang interessieren.
Und welchen dieser Studiengänge ich wähle, das sollte natürlich von den individuellen Vorlieben abhängen. Wenn ich sage, ich bin interessiert sowohl an technischen als auch an wirtschaftlichen Fragen, dann ist natürlich der Studiengang des Wirtschaftsingenieurs das Richtige.
Wenn ich mich mehr auf rein technische Fragestellungen konzentrieren möchte, dann wäre natürlich so etwas wie die Energie- und Umwelttechnik oder die Energieinformatik eher der richtige Studiengang.
Aber alle diese drei Studiengänge führen dazu, dass man sich mit den aktuellen Themen beschäftigt und außerdem, nicht ganz unwesentlich, es gibt beste Berufsaussichten dafür. Also wir haben keine Absolventen, die große Schwierigkeiten haben, ihren Einstieg in den aktuellen Arbeitsmarkt zu finden, sondern im Gegenteil, die meisten wissen schon vor dem Abschluss, wo sie wohl hingehen werden.
Olaf Brinkmann:
Herr Paetzold, jetzt haben wir eine Menge über Ihr Institut und auch über den Forschungsschwerpunkt gesprochen. Jetzt lassen Sie uns mal einen Blick richten auf den Claim der Hochschule. Wer unseren Podcast öfter hört, der weiß, der Claim heißt Never Stop Growing.
Wir haben ja das Format Never Stop Growing und Du in diesem Podcast und deshalb habe ich erst mal drei Fragen an Sie. Bitte antworten Sie ganz kurz und spontan, was Ihnen einfällt.
Prof. Dr. Jens Paetzold:
Ja.
Olaf Brinkmann:
Never Stop Growing. Was verbinden Sie da als allererstes mit.
Prof. Dr. Jens Paetzold:
Mit Never Stop Growing verbinde ich natürlich aus meiner Sicht die Entwicklung unseres Instituts innerhalb dieser Hochschule. Also, dass wir uns weiterentwickeln wollen, dass wir diese Themen, die wir für wichtig erachten, auch entwickeln, auch mal verteidigen gegenüber anderen Ansprüchen und dass wir unsere Themen in die Hochschulentwicklung langfristig einbringen wollen und hier mit den Studierendenzahlen, mit den Absolventenzahlen wachsen.
Olaf Brinkmann:
Damit die Hochschule als Organisation wachsen kann, was braucht es da aus Ihrer Sicht.
Prof. Dr. Jens Paetzold:
Aus meiner Sicht braucht es da natürlich das, was wir jetzt gerade in unserem Institut in diesem Forschungsschwerpunkt tun. Diese weitere Vernetzung aller Themen, das braucht es auch aus meiner Sicht innerhalb der Hochschule.
Olaf Brinkmann:
Der Claim richtet sich ja an alle, die an der HRW arbeiten und lernen. Aber was kann jeder Einzelne tun, damit dieser Claim nicht nur auf dem Papier steht.
Prof. Dr. Jens Paetzold:
Das ist die Frage, wie verinnerliche ich das Thema, dass ich Teil der HRW bin. Also, wie trete ich nach außen auf und wie trete ich nach innen auf.
Ich sage mal, nach innen bin ich gerne bereit, auch immer mal Fragen kritisch zu reflektieren oder Kritik zu üben, um bestimmte Prozesse anzustoßen. Wie wir es gerade gesagt haben, eine bessere und intensivere Zusammenarbeit.
Aber nach außen heißt das umgekehrt, dass wir im Prinzip auch zeigen, dass wir stolz auf so eine moderne Hochschule sind, dass wir eigentlich auch stolz sind auf das, was wir hier schon geschafft haben. Aber dass wir nicht verhehlen, dass wir durchaus noch weitere Ziele haben.
Olaf Brinkmann:
Jetzt, Herr Paetzold, vervollständigen Sie bitte noch diese Sätze. Never stop growing bedeutet für mich als Professor.
Prof. Dr. Jens Paetzold:
Für mich als Professor bedeutet das, dass ich mich weiterhin darum kümmere, dass Absolventinnen und Absolventen diese Hochschule verlassen können, die eine entsprechende fundierte Ausbildung haben und die auf dem Arbeitsmarkt über Jahre hinaus ihren Weg gehen können.
Olaf Brinkmann:
Studierende brauchen zum Wachstum Interesse.
Prof. Dr. Jens Paetzold:
Wachstum heißt auch, dass das Wachstum sich in mehreren Dingen äußert. Nicht nur Quantität, sondern auch Qualität ist Wachstum.
Olaf Brinkmann:
Herr Prof. Dr. Paetzold, ganz, ganz lieben Dank für all Ihre spannenden Antworten.
Prof. Dr. Jens Paetzold:
Danke Ihnen, Herr Brinkmann.
Olaf Brinkmann:
Wenn ihr, liebe Hörerinnen und Hörer, Herrn Prof. Dr. Paetzold mal treffen wollt, er leitet, wie gesagt, das Institut Energiesysteme und Energiewirtschaft und lehrt elektrische Energietechnik und Elektromobilität.
Über die Studiengänge des Instituts informiert er euch am besten auf unserer Internetseite. Dort erfahrt ihr auch, wann ihr euch einschreiben und beginnen könnt.
Zum Schluss noch eine Bitte. Wenn euch unser Podcast gefällt, dann teilt die Folgen doch mit Kommilitoninnen und Kommilitonen, Freundinnen und Freunden oder Kolleginnen und Kollegen. Und abonniert uns bitte auch, dann bekommt ihr eine Nachricht auf euer Smartphone, wenn eine neue Podcast-Folge da ist.
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Jetzt sage ich Danke und Tschüss. Bis zum nächsten Mal.
Euer Olaf.