Köpfe der HRW, ein Podcast der Hochschule Ruhr-West. Vom Hauptschüler zum Professor, mit Fleiß zum Ziel. Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Köpfe der HRW, dem Podcast, der euch zeigt, wie vielfältig die Berufsbilder an einer Hochschule wie der HRW sein können. Wir stellen spannende Positionen, ungewöhnliche Lebenswege und inspirierende Menschen vor, die alle auf ihre Weise dazu beitragen, den gesellschaftlichen Auftrag der Hochschule zu erfüllen. Olaf Brinkmann: Ich bin Olaf Brinkmann und heute haben wir einen Gast, der genau weiß, was es heißt, sich durchzubeißen, neue Wege zu gehen und an sich zu glauben. Prof. Dr. Felix Meckmann ist Professor für Bauökonomie. Seit 2015 ist er an der HRW und seitdem hat sich einiges getan. Was genau, das erzählt er uns jetzt. Jetzt sage ich erst mal Hallo Felix, schön, dass du da bist. Prof. Dr. Felix Meckmann: Hallo, vielen Dank, dass ich hier sein darf. Olaf Brinkmann: Dein Werdegang, Felix, der ist ziemlich beeindruckend. Vom Hauptschulabschluss zum Professor. Wie kam das, dass du den Wunsch verspürt hast, ich will mehr? Vielleicht fängt es damit an, dass du erst auf dem Gymnasium warst und dann auf der Hauptschule. Prof. Dr. Felix Meckmann: Ich war eine Zeit lang auf dem Gymnasium und habe dann gesagt bekommen, dass es doch besser ist für mich, auf der Hauptschule weiterzumachen. Dann war ich auf der Hauptschule und habe gemerkt, dass ich doch unterfordert bin. Damals gab es auch an der Hauptschule die Möglichkeit, die 10. Klasse zu machen. Somit hatte ich einen Realschulabschluss. Das waren damals vier Hauptschulen, die an dem Projekt teilgenommen haben. Da haben die Besten mitgemacht und so durfte ich das machen. Da waren wir 14, 15 Leute und somit habe ich den dann bekommen, obwohl ich auf der Hauptschule war. Olaf Brinkmann: Und jetzt bist du Professor. Erzähl mal kurz, wie es dazu kam, wie sich das weiterentwickelt hat. Prof. Dr. Felix Meckmann: Wenn man auf der Hauptschule ist, ist so der erste Weg eigentlich, eine Lehre zu machen und man denkt nicht an Abitur oder an das Studium. Dann habe ich erst mal eine Maurerlehre angefangen, musste die aber leider abbrechen wegen einem Arbeitsunfall, war sehr lange krank und habe dann aus der Not heraus ein Fachabitur angefangen, Bautechnik. Ich habe einen Teil meiner Lehre anerkannt bekommen als 11. Klasse und habe dann in der 12. Klasse mein Fachabitur gemacht. Als ich das Fachabitur in der Tasche hatte, habe ich dann angefangen, Bauingenieurwesen zu studieren, weil ich auf eine Umschulung gewartet habe. Ich sollte Bauzeichner werden, war aber noch krankgeschrieben und dann habe ich in Wiesbaden an der Fachhochschule angefangen, mit meinen Freunden Bauingenieurwesen zu studieren. Nach drei Semestern hat man mir gesagt, Sie können jetzt die Umschulung zum Bauzeichner anfangen. Und da habe ich gesagt, ich glaube, ich bleibe hier, das gefällt mir ganz gut. Olaf Brinkmann: Und wie kam es dann zur Promotion? Prof. Dr. Felix Meckmann: Das sollte eigentlich ein Master werden, aber dann haben die ihre Akkreditierung nicht bekommen. Dann ist ein Diplom-Ingenieur FH daraus geworden und ich hatte zwei FH-Abschlüsse, konnte damit aber nicht promovieren. Ich habe dann bei einer Unternehmensberatung angefangen, war noch ein Jahr in Peru und habe da als Bauleiter gearbeitet. Im Zuge des Bologna-Prozesses habe ich mich dann entschieden, relativ spät, 2004, berufsbegleitend einen Master of Science in Mainz zu machen, Technisches Gebäudemanagement. Dann hatte ich die Berechtigung zur Promotion oder für den höheren Dienst. Ich hatte eigentlich zwei Optionen. Ich wollte zur Feuerwehr, im höheren Dienst als Brandrat, oder promovieren. Ich habe beides probiert und bin beim Brandrat daran gescheitert, dass ich viele Verletzungen hatte und dort nicht genommen wurde. Dann habe ich mich für die Promotion entschieden. Olaf Brinkmann: Heute ist es für die HRW-Studierenden aber schon einfacher zu promovieren, oder? Prof. Dr. Felix Meckmann: Mit dem Master an der Fachhochschule hast du die Promotionsberechtigung oder kannst im höheren Dienst beim Staat anfangen. Heute können wir auch an der Fachhochschule promovieren. Ich habe an der TU Graz promoviert, musste mir also eine Universität suchen. Heute können unsere Absolventen hierbleiben, forschen und bei uns promovieren über das Promotionskolleg NRW. Da bin ich sehr engagiert, Gründungsmitglied der Abteilung Bau und Kultur, und momentan promovieren auch drei wissenschaftliche Mitarbeiter bei mir zu Bauthemen. Olaf Brinkmann: Wie war es denn, als du endlich Professor warst? Wie hat sich das angefühlt? Prof. Dr. Felix Meckmann: Das war ein langer Weg. Das hat zehn Jahre gedauert. Man braucht einen Doktor, Lehrerfahrung, Publikationen und Berufserfahrung. Ich habe sechs Jahre nebenberuflich promoviert. Das war ein Arbeitssieg. Ich war Lehrbeauftragter, bin seit 2008 selbstständig mit einem Ingenieurbüro und habe viele Punkte erfüllt, die notwendig sind. Dann hat es geklappt. Olaf Brinkmann: Was hat sich seitdem verändert, sowohl in der Forschung als auch in der Lehre? Prof. Dr. Felix Meckmann: In der Lehre war früher alles viel analoger. Heute erzeuge ich mit Studierenden Unterrichtspodcasts mit KI-Tools. Wir nutzen ChatGPT und andere Tools und machen daraus Podcasts, mit denen sie lernen können. Bei der Forschung war es so, dass ich ursprünglich gar nicht forschungsaffin war, weil ich an der Fachhochschule studiert habe, wo Forschung früher kein Thema war. Über die Jahre, durch den Austausch mit Universitäten, bin ich in die Forschung hineingewachsen. Seit vier, fünf Jahren habe ich Forschungsprojekte, Doktoranden und Promotionsrecht. Das ist ein Prozess gewesen und macht mir viel Spaß, weil es Impulse für die Lehre gibt. Olaf Brinkmann: Du warst auch viel im Ausland unterwegs, Peru, Polen, Spanien, Österreich. Wie prägt das deine Arbeit heute? Prof. Dr. Felix Meckmann: Ich bin Internationalisierungskoordinator am Institut Bauingenieurwesen und versuche, das Thema voranzubringen. Ich arbeite auch am AfrikaHub, um deutsche Baufirmen zu befähigen, mit Afrika ins Geschäft zu treten. Ich habe in Polen meine einzige Baustelle pünktlich und ohne Kostenüberschreitung fertiggestellt. Dort wurde besser geplant. Die haben gesagt, wir machen die Planung fertig und halten uns daran. Das nehme ich mit und vermittle es auch den Studierenden. Wir müssen über den Tellerrand schauen und lernen, wie andere arbeiten. Olaf Brinkmann: Du sagst, die Third Mission ist dir wichtig. Warum? Prof. Dr. Felix Meckmann: Es geht nicht nur um fachliche Themen, sondern um das große Ganze. Ich habe in Peru Dinge erlebt, die man hier nicht erlebt. Uns geht es hier sehr gut, mit Infrastruktur und Sicherheit. Ich versuche, Studierende zu motivieren, sich zu engagieren. Ich mache das selbst jede Woche mehrere Stunden. Man sollte über den Tellerrand schauen und sich in die Gesellschaft einbringen. Olaf Brinkmann: Was rätst du Studierenden, die mit Schwierigkeiten kämpfen? Prof. Dr. Felix Meckmann: Fokussiert euch. Ein Beispiel: Ein Studierender wollte ins Praxissemester, hatte aber wichtige Module offen. Ich habe gesagt, konzentrier dich auf dein Studium. Ich bin selbst zweimal durch Mathe gefallen und habe dann ein Semester lang jeden Morgen Mathe gemacht. Das Ziel muss sein, dass man keine Angst mehr vor den Aufgaben hat. Ich sage immer, wenn jemand besteht, heute wird gefeiert. Man darf den Mut nicht verlieren. Wenn man ein Ziel hat, steigt die Wahrscheinlichkeit, es zu schaffen. Olaf Brinkmann: Was sagst du jungen Menschen aus nicht akademischen Familien? Prof. Dr. Felix Meckmann: Ich komme selbst aus so einem Haushalt. Ich empfehle, eine Lehre zu machen. Im Baubereich kann man in 1,5 Jahren eine Ausbildung machen und weiß dann genau, worüber man spricht. Das hilft im Studium und gibt Klarheit. Olaf Brinkmann: Und was würdest du Studierenden sagen, die promovieren wollen? Prof. Dr. Felix Meckmann: Ich empfehle, vorher Berufserfahrung zu sammeln. Wenn man ohne Erfahrung promoviert, ist es schwer, sich später einzuordnen. Geht drei Jahre arbeiten, findet heraus, was ihr wollt. Dann könnt ihr entscheiden zwischen Praxis und Wissenschaft. Mit Erfahrung wird man später sowohl an Hochschulen als auch in Unternehmen gut eingesetzt. Olaf Brinkmann: Tolle Tipps und eine inspirierende Geschichte. Felix, wir sind am Ende des Podcasts. Vielen Dank für das Gespräch. Prof. Dr. Felix Meckmann: Danke. Olaf Brinkmann: Liebe Hörerinnen und Hörer, wenn euch diese Folge gefallen hat, dann teilt sie gern mit anderen. Das hilft uns sehr, wenn noch mehr Menschen von unserem Podcast erfahren. Vergesst nicht, uns zu abonnieren und eine Bewertung zu hinterlassen. Schaltet auch gern in unser anderes Format rein, zum Beispiel in unseren Podcast der Wissenschaft. Vielen Dank fürs Zuhören. Bleibt neugierig und bis zur nächsten Folge von Köpfe der HRW. Euer Olaf Brinkmann.