Olaf Brinkmann: Köpfe der HRW, ein Podcast der Hochschule Ruhrwest. Geräte für Wissenschaft und Lehre, das macht die Zentrale Werkstatt. Hallo und herzlich willkommen zur neuen Folge von Köpfe der HRW. Ich bin Olaf Brinkmann. Ich freue mich, dass ihr wieder dabei seid. Heute schauen wir uns einen Ort an, den viele von euch womöglich gar nicht kennen. Dabei ist er für die HRW super wichtig, denn dort entstehen Dinge, die es bisher nicht gibt. Das sind zum Beispiel wissenschaftliche Geräte und Apparaturen, die für die Forschung und Lehre gebraucht werden, die aber im Laden nicht zu kaufen sind. Die müssen erst konstruiert und gefertigt werden. Und das geschieht in der zentralen Werkstatt. Was es dort alles gibt und was dort möglich ist, das weiß mein heutiger Gast. Das ist Mirko Hildebrandt. Er ist die fachliche Leitung der Werkstatt. Und jetzt sage ich Hallo, Herr Hildebrandt. Schön, dass Sie da sind. Mirko Hildebrandt: Ja, hallo. Ich freue mich auch. Olaf Brinkmann: Sie oder du? Mirko Hildebrandt: Gerne du. Olaf Brinkmann: Sehr gerne. Mirko, erst mal zu dir ganz persönlich. Seit wann bist du an der HRW und wie bist du zu deiner Stelle gekommen? Mirko Hildebrandt: Ich bin seit Anfang 2011 an der HRW und war vorher im Automotive-Bereich bei einem Zulieferer für Stoßdämpfer, also KFZ-Teile. Nach zehn Jahren wurde es dann Zeit für einen Wechsel. Dann bin ich auf die Stellenanzeige gestoßen und habe mich ganz regulär beworben, wurde eingeladen und es hat auch funktioniert. Olaf Brinkmann: So, jetzt bist du hier. Magst du uns mal von der zentralen Werkstatt erzählen? Zunächst mal, wo finde ich die überhaupt? Mirko Hildebrandt: Wir sind am Campus Mülheim im Gebäude 3, im Erdgeschoss. Wenn man übers Foyer reinkommt, einfach den Beschilderungen folgen, dann kann man uns eigentlich nicht verfehlen. Es gibt auch eine Instagram-Seite. Da ist der Weg per Video noch einmal beschrieben, vom Campus aus gesehen. Olaf Brinkmann: Und wie groß ist diese Werkstatt? Mirko Hildebrandt: Wir haben eine Gesamtfläche von 300 Quadratmetern, also 25 Meter in der Länge und 12 Meter in der Breite. Das ist schon eine relativ große Halle. Wir schaffen es trotzdem, die immer gut vollzuhalten. Olaf Brinkmann: Jetzt gehen wir mal rein in diese Halle. Wenn ich da reingehe, was sehe ich? Mirko Hildebrandt: Wenn man reinkommt, sieht man erst mal, dass es ein relativ enger Eingang ist. Wir haben auch ein Podest, was die Deckenhöhe erst mal ein bisschen begrenzt. Wenn man dann um die Ecke kommt, öffnet sich die Halle und man sieht, wie viele Maschinen da stehen und welche Ausstattung wir haben. Und dass in jeder Ecke Material steht. Die Halle ist eigentlich immer voll. Olaf Brinkmann: Also Technikfans, da schlägt das Herz gleich höher. Mirko Hildebrandt: Da schlägt das Herz höher. Es ist eine sehr helle Halle. Viele Hallen hier am Campus haben relativ wenig Fenster. Wir haben an zwei Seiten durchgehende Fensterfronten. Also es ist nicht die typische Werkstatt, die man vielleicht aus dem eigenen Berufsleben kennt oder von früher aus der Ausbildung. Olaf Brinkmann: Und ihr habt viele Maschinen, hast du gesagt. Mirko Hildebrandt: Genau. Olaf Brinkmann: Maschinen, von denen ich wahrscheinlich nicht einmal erahne, was ich damit tun kann. Weißt du denn bei jeder Maschine, was sie kann und kannst du die auch bedienen? Mirko Hildebrandt: Ja. Es hat ja angefangen, dass ich damals da war und sonst nichts. Also keine Halle. Keiner wusste genau, was die zentrale Werkstatt werden soll, was sie macht, wie sie wächst oder ob sie überhaupt angenommen wird von der wachsenden Hochschule. Von daher kenne ich alle Maschinen, weil ich jede Maschine einzeln beschafft und ausgesucht habe. Und ich kann sie auch alle bedienen. Olaf Brinkmann: Mach mal zwei Beispiele. Was sind so die spektakulärsten Maschinen bei euch? Mirko Hildebrandt: Spektakulär ist für mich immer noch das Schweißen. Da geht sehr viel Energie rein. Man schmilzt Material, also Stahl, Edelstahl oder Aluminium. Man verbindet zwei Metallteile miteinander. Das ist das eine. Das andere ist unsere neue CNC-Dreiachsmaschine. Das sind im Moment meine beiden Highlights. Das wechselt auch. Ich habe auch monatlich meine neue Maschine, die ich am liebsten mag. Olaf Brinkmann: Ihr seid ja ein Service für alle Hochschulangehörigen. Wer kommt da mit was zu euch? Was bietet ihr an? Mirko Hildebrandt: Es kommen aus allen Fachbereichen und aus allen Dezernaten Kolleginnen und Kollegen zu mir. Vom Maschinenbau, von den Bauingenieuren, aus der Bibliothek. Wirklich aus allen Bereichen. Teilweise kommen sie einfach nur mit einem Rolltisch, bei dem eine Rolle abgefallen ist. Die machen wir wieder dran. Sie kommen mit Kleinteilen, fragen, ob wir einen Schnitt an einem Regal machen können, ob wir ein neues Regal zuschneiden können für eine vorhandene Küche oder ob wir einen ganzen Schrank bauen können. Oder ob wir eine Versuchsapparatur aufbauen können. Manchmal haben sie auf einer Messe etwas gesehen und fragen, ob wir das nachbauen können. Mit Fotos, mit Skizzen oder mit Internetseiten, auf denen man Sachen sieht, die andere Hochschulen gebaut haben. Also es ist ein absolut breites und interessantes Spektrum. Olaf Brinkmann: Klingt ein bisschen Daniel-Düsentrieb-mäßig. Mirko Hildebrandt: Ja, das geht manchmal in die Richtung. Olaf Brinkmann: Können auch Studierende zu euch kommen? Und wenn ja, mit was? Mirko Hildebrandt: Studierende kommen tatsächlich zu mir. Zum einen innerhalb ihres Studiums in der Projektarbeit 1, gerade die Studierenden aus dem Maschinenbau. Die unterstützen wir, indem sie kleine handgeführte Maschinen der Werkstatt benutzen können. Wir unterstützen sie mit unserem Know-how, mit Materialresten und mit dem Raum auf unserem Podest oben, um ihre Apparaturen oder Projekte auszuprobieren. Zum anderen kommen sie im Rahmen von Bachelorarbeiten oder Masterarbeiten, wenn es dort einen praktischen Teil gibt. Zum Beispiel einen Demonstrator oder etwas, das sie zeigen müssen und für das sie sonst keine Möglichkeit haben, es herzustellen. Dann unterstützen wir sie natürlich auch. Olaf Brinkmann: Was war denn so die verrückteste Aufgabe, die euch mal gestellt wurde? Mirko Hildebrandt: Die verrückteste fand ich persönlich im Rahmen unseres Gründerzentrums Startup Modul. Da sollten wir einen großen Aschenbecher bauen, um Kohle aus Shisha-Pfeifen abqualmen oder zu Ende verbrennen zu lassen. Ich habe so ein Ding nicht und war noch nie in einer Shisha-Bar. Dass es so etwas überhaupt geben muss, war mir nicht bewusst. Da war ich schon sehr überrascht, was am Ende daraus geworden ist. Olaf Brinkmann: Habt ihr hingekriegt? Mirko Hildebrandt: Haben wir hingekriegt. Sie waren am Ende auch sehr erfolgreich. Es gab einen Startup-Preis oder einen Wettbewerb, bei dem sie sogar den zweiten Platz gemacht haben. Mit diesem Teil. Da wurden wir auch erwähnt. Olaf Brinkmann: Ihr unterscheidet ja zwischen der mechanischen Werkstatt und der elektronischen Werkstatt. Mirko Hildebrandt: Ja, genau. Olaf Brinkmann: Kannst du da ein Beispiel machen? Mirko Hildebrandt: Die elektronische Werkstatt ist aktuell so organisiert, dass der Kollege nicht mehr hier bei mir in den Räumlichkeiten sitzt, sondern an unserem Standort in Bottrop in Nähe zum FabLab, weil dort der Bedarf an elektronischen Bauteilen größer ist. Da geht es um Platinenerstellung, Platinenherstellung oder Platinenreparaturen. Der mechanische Bereich deckt den ganzen Teil der spanenden Fertigung, der umformenden Fertigung und seit zwei, drei Jahren auch die Holzbearbeitung ab. Olaf Brinkmann: Gibt es Grenzen? Gibt es Dinge, die ihr nicht realisieren könnt? Mirko Hildebrandt: Ja, die gibt es relativ oft. Dann müssen wir sagen, so wie ihr das haben wollt, können wir das nicht machen. Dann müssen wir einen Kompromiss finden. Das ist meistens der Fall, wenn es spezielle Materialien sind oder spezielle Geometrien, die wir mit unseren Maschinen nicht fertigen können. Oder die man generell nicht fertigen kann. Nicht alle Kolleginnen und Kollegen haben den Bezug zur Fertigung und konstruieren Bauteile, die man so gar nicht herstellen kann. Zumindest nicht mit den Mitteln, die wir haben. Dann müssen wir eine Lösung finden oder einen Kompromiss. Das tun wir auch sehr häufig. Oder es sind Sachen, bei denen wir sagen, da haben wir keine Erfahrung und da trauen wir uns ehrlich gesagt nicht ran. Olaf Brinkmann: Ein Teilchenbeschleuniger. Mirko Hildebrandt: Ein Teilchenbeschleuniger, genau. Olaf Brinkmann: Wie sieht denn so ein typischer Arbeitstag von dir aus? Mirko Hildebrandt: Der startet natürlich mit einem Kaffee. Dann machen wir eine kleine Besprechungsrunde mit meinem Team. Wir planen den Tag, schauen, ob etwas Neues dazugekommen ist, ob ich noch E-Mails bekommen habe oder neue Anfragen da sind. Dann starten wir mit den Arbeiten und schauen, was über den Tag noch kommt. Wir sind geöffnet. Zwischen 8 und 16 Uhr können Kolleginnen und Kollegen jederzeit zu uns kommen mit Anfragen. Einen kleinen Schnitt hier, eine Kleinigkeit da oder eine spontane Besprechung. Es ist immer sehr abwechslungsreich. Olaf Brinkmann: Wie viele Leute arbeiten in der Werkstatt? Mirko Hildebrandt: Neben mir sind das Matthias Rosendahl als Zerspaner, seit etwa drei bis dreieinhalb Jahren, und René Kesse, auch als Zerspaner. Dann haben wir noch an zwei Tagen in der Woche einen Studenten für jeweils fünf Stunden, der uns unterstützt. Olaf Brinkmann: Wie arbeitet ihr zusammen? Wie funktioniert ihr als Team? Mirko Hildebrandt: Die beiden Kollegen sind in der Werkstatt und nehmen unsere Aufträge ab. Ich sitze hauptsächlich im Büro und kümmere mich um die Beschaffung von Materialien und Verbrauchsmaterialien. Ich erstelle Zeichnungen aus Skizzen oder aus 3D-Modellen und CAD-Daten. Oder ich mache mir Gedanken, wie wir die angefragten Bauteile umsetzen können, wo wir das Material herbekommen und welche Materialien wir nehmen. Das ist sehr vielfältig. Olaf Brinkmann: Was würdest du sagen, was macht das Arbeiten bei euch beziehungsweise an der HRW besonders? Mirko Hildebrandt: Bei uns ist es die Vielfältigkeit. Die Stückzahl ist immer eins. Kein Teil bauen wir zweimal. Die Anfragen sind immer spannend. Manchmal ist es auch anstrengend oder ein bisschen frickelig, wenn es ganz kleine Sachen sind, bei denen man denkt, man bräuchte eine Lupe dafür. Aber die machen wir natürlich auch. Und es ist die Zusammenarbeit bei uns im Team. Das passt alles. Wir haben uns gut zusammengefunden und das funktioniert. Olaf Brinkmann: Man kann bei euch auch ein Praktikum machen zum Schnuppern vorm Studium. Mirko Hildebrandt: Man kann ein Praktikum im Rahmen eines Schülerpraktikums machen. Das haben wir schon oft gehabt. Man kann auch ein Anerkennungspraktikum für einen Studiengang machen, wenn es verlangt wird, zum Beispiel im Maschinenbau. Ein Schnupperpraktikum hatte ich noch nicht, aber wenn eine Anfrage kommt, sind wir offen dafür. Wenn es zeitlich passt, ist das kein Problem. Olaf Brinkmann: Mirko, die HRW legt großen Wert darauf, ein Umfeld zu schaffen, in dem jeder kontinuierlich wachsen kann. Wie setzt du in deiner Rolle den Slogan Never Stop Growing aktiv um? Mirko Hildebrandt: Das ist bei uns in der Werkstatt auch ein breit aufgestelltes Thema. Zum einen müssen wir schauen, wohin sich die Hochschule entwickelt, wohin sich die Anfragen und Projekte entwickeln und wie wir die Werkstatt daran anpassen müssen. In den ersten Jahren haben wir relativ wenig am Grundsetup verändert. Seit drei oder vier Jahren haben wir einige Dinge angepasst. Zum Beispiel das Podest, das ich schon erwähnt habe. Damit nutzen wir die sieben Meter Deckenhöhe der Halle besser aus und schaffen Raum für Studierende, die in kleinen Gruppen ihre Projekte umsetzen können, ohne den Tagesablauf zu stören. Zum anderen müssen wir schauen, was es Neues bei Maschinen gibt. Welche Entwicklungen es gibt und ob wir sie bei uns anwenden müssen oder ob das, was wir haben, ausreicht. Das ist breit aufgestellt und am Ende natürlich auch immer eine Geldfrage. Olaf Brinkmann: Und was brauchst du persönlich, um in deiner Position wachsen zu können? Mirko Hildebrandt: Ich brauche auf jeden Fall die Kommunikation mit den Kolleginnen und Kollegen der HRW. Es muss ein regelmäßiger Austausch stattfinden. Wir arbeiten nicht nur als zentrale Werkstatt, sondern auch mit der Werkstatt im Technikum der Maschinenbauer zusammen. Jedes Institut hat kleine Werkstätten. Mit denen arbeiten wir ebenfalls zusammen. Wir können Maschinen nutzen, die dort vorhanden sind und die wir nicht selbst anschaffen müssen. Oder die Kolleginnen und Kollegen kommen zu mir, um unsere Maschinen zu nutzen. Dieses Miteinander bietet eine gute Basis, um zu wachsen und sich weiterzuentwickeln. Dazu kommt der Besuch von Messen, von anderen Hochschulen und von anderen Werkstätten. Es gibt Austausch, auch wenn nicht jeder alles offen preisgibt. Aber der Austausch ist da und bietet Raum zum Wachsen und zum Weiterentwickeln. Olaf Brinkmann: Die zentrale Werkstatt. Mirko, ganz lieben Dank an dich. Danke für das spannende Gespräch. Mirko Hildebrandt: Gerne. Olaf Brinkmann: Liebe Hörerinnen und Hörer, wenn euch unser Format gefällt, freuen wir uns über eure Unterstützung. Teilt unsere Episoden gerne mit anderen, mit Kommilitoninnen und Kommilitonen oder mit Kolleginnen und Kollegen, damit noch mehr Menschen davon erfahren. Und vergesst nicht, unser Abo zu aktivieren, damit ihr keine neue Folge verpasst. Über eine positive Bewertung bei Apple Podcasts oder fünf Sterne bei Spotify würden wir uns ebenfalls sehr freuen. Vielen Dank fürs Zuhören. Bis zur nächsten Folge. Euer Olaf Brinkmann.