(Transcribed by TurboScribe.ai. Go Unlimited to remove this message.) Der hrw-Podcast, der Wissenschaft. In dieser Folge Fahrzeuge von morgen, elektrisch, autonom, verletzt. Hallo und herzlich willkommen beim hrw-Podcast, der Wissenschaft. Ich bin Olaf Brinkmann. Schön, dass ihr wieder dabei seid. Heute geht es um ein Thema, das für uns alle spannend ist, und zwar die Zukunft der Mobilität. Wie werden wir in den nächsten Jahren unterwegs sein? Bleibt der Verbrennungsmotor bestehen oder setzt sich die Elektromobilität endgültig durch? Werden Autos bald komplett autonom fahren? Und was bedeutet das alles für die Sicherheit auf unseren Straßen? Mein heutiger Gast kennt sich mit diesen Fragen bestens aus. Es ist Professor Dr. Klaus Thelen. Seine Lehrgebiete an der hrw Automobilelektronik, analoge und digitale Schaltungen sowie Mikrocontrollertechnik. Er leitet den Studiengang Fahrzeugelektronik und Elektromobilität. Herzlich willkommen, Klaus. Schön, dass du da bist. Hallo. Klaus, unsere Hörerinnen und Hörer wollen dich erst mal kennenlernen und deswegen spielen wir wie immer unser kleines Spiel. Ich stelle dir einige Fragen und du wählst zwischen zwei Antworten, okay? Okay, dann mal los. Elektroauto oder klassischer Verbrenner? Ganz klar Elektroauto. Autonom fahren oder selber am Steuer sitzen? Auf jeden Fall selber am Steuer sitzen, solange ich das noch kann. Danach hoffe ich dann, dass es autonome Fahrzeuge gibt. Stadt oder Land? Wo fährst du lieber? Am liebsten auf dem Land und zugegebenermaßen am liebsten nicht mit dem Auto, sondern mit dem Fahrrad. Klaus, wenn wir über die Autos von morgen sprechen, was sind aus deiner Sicht die größten Trends? Wohin geht die Reise? Also ich denke, das sind drei große Trends. Zum einen ist es auf jeden Fall die Elektromobilität. Das zweite ist die Vernetzung von Fahrzeugen mit anderen Fahrzeugen. Man spricht davon C2C, das steht für Car2Car oder von Fahrzeugen mit der Umgebung, dass Fahrzeuge mit Ampel kommunizieren. Da spricht man von C2X, also Fahrzeuge mit irgendwas. Das heißt, das Auto wird immer mehr ein Internetprodukt. Und das dritte, das ist das autonome Fahren. Ich denke, dass wir in vielen Jahren da sehr viel Gebrauch von machen werden und man sieht schon jetzt, wie das wächst durch die Entwicklung der KI und viele andere Dinge. Und wo stehen wir da aktuell? Wie nah sind wir dran, wirklich fahrerlose Autos auf den Straßen zu sehen? Man kennt das ja, es fängt ja an mit einfachen Fahrerassistenzsystemen, irgendwie Spurhalteassistent und solche Dinge. Man unterscheidet da fünf Level. Der fünfte Level ist also wirklich das Level, was man definiert, wo man sagt, da steige ich ins Auto ein. Ich kann mich aber im Prinzip schlafen legen und sagen, hier, ich tippe ein, fahre mich bitte zu meiner Tochter nach München und ich lege mich schlafen oder lese ein Buch oder irgendwas und wache dann in München irgendwann wieder auf und das Auto sagt, hallo, wir sind da. Das ist der Level 5. Das ist das, wenn wir wirklich von autonomem Fahren sprechen, wo alle von träumen, was aber sehr weit weg ist. Es gibt dazwischen natürlich viele andere Level und dieser sogenannte Level 2, das ist das, was wir im Moment erreicht haben. Zum Beispiel Tesla mit dem sogenannten Full Self-Driving, Tesla FSD nennt sich das. Da funktioniert eigentlich schon eine ganze Menge. Ich kann das Lenkrad auch schon mal loslassen für bestimmte Zeiten in bestimmten Situationen. Das ist das, wo wir im Moment stehen und viel mehr ist noch nicht zugelassen. Es gibt viele Ankündigungen auch von Tesla, von anderen, aber manche Leute sprechen davon, dass es noch Jahrzehnte dauern wird, bis wir wirklich soweit sind. Da werden Sensoren eine Rolle spielen, vermutlich dann auch in Verbindung mit KI? Absolut mit KI. Das autonome Fahren geht ohne KI nicht, aber tolle Entwicklungen gibt es bei Kamerasystemen, die also schon sehr nah an dem Kamerachip eingebaute KI haben, die also sehr schnell dann zum Beispiel erkennen hier, das ist ein Mensch oder das ist eine Mülltonne, das ist ein Kind, das bewegt sich nach einem bestimmten Bewegungsmuster, wie das typisch für ein Kind ist oder eine gebrechliche Person. Dann haben wir diese tollen Sensoren, die nennen sich LiDAR, das sind im Prinzip Laser, die scannen die ganze Straße ab in einzelnen Zeilen und diese Messgeräte, diese Laser, die sind nur noch teuer, weil die bewegliche Teile beinhalten. Jetzt gibt es auch Entwicklungen, dass das mit mikromechanischen Teilen geschieht, also die werden auch preiswerter. Dann haben wir das Thema Radar, dass man also genau sieht, da links ist in der Ecke, geht eine Person, die kommt gerade auf mich zu mit der Geschwindigkeit. Ultraschall kennt man auch von Parkassistenten, das ist wirklich für kurze Distanzen. Da arbeitet man auch dran, dass die eine größere Reichweite bekommen, auch genauer werden, ortsaufgelöst und solche Dinge. Das ist ein Riesenblumenstrauß. Last but not least müssen natürlich die Daten von diesen ganzen Sensorsystemen dann mit künstlich intelligenter Software auch kombiniert werden, so dass man ein Objekt, ein Fußgänger, der jetzt vom LiDAR, vom Radar und vielleicht vom Ultraschall wahrgenommen wird, wenn ich dann diese ganzen unterschiedlichen Informationen der drei, vier unterschiedlichen Sensoren habe, kann ich natürlich viel treffsicherer sagen, da ist jetzt ein Kind hinter dem Wagen hervorgesprungen. So und du sagst, das ist ein ganzer Blumenstrauß an neuen Technologien. Welche Probleme siehst du denn da auch in der Fahrzeugentwicklung in der Zukunft? Also generell das autonome Fahren, ich denke, da kann man sich schon vorstellen, wirklich die Sicherheit und die Probleme, die ich angesprochen habe. Kommen wir zurück auf die E-Mobilität, denn ein großes Problem, das ist ja schon seit vielen Jahren auch die Verfügbarkeit von Rohstoffen. Da gibt es ja auch Rohstoffe, die kommen aus Ländern, aus afrikanischen Ländern, wo die Menschenrechte nicht angehalten werden. Da versucht man auch mittlerweile zu neuen Technologien zu kommen, zum Beispiel Natrium-Ionen-Batterien, die also auf diese Rohstoffe nicht mehr angewiesen sind. Das nächste ist die Cybersicherheit. Wenn ich dieses Over-the-Air-Programmierung habe, also dass ich über das Internet das Fahrzeug programmiere, dann ist das natürlich ein Einfallsort für Hackerangriffe. Da muss man sich vorschützen. Und ich denke, das Dritte, was ich sehe, ist, wenn wir dann soweit sind und wirklich autonom fahren können, da muss man sich natürlich vorstellen, was das auch für Veränderungen am Arbeitsmarkt, in dem, was man tut, bewirkt. Also man stellt sich allein vor, bei Lkw ist, wir brauchen keine Lkw-Fahrer mehr oder überhaupt. Das Thema Kraftwagenfahrer wird also ein untergeordnetes Thema. Wir haben neue Märkte, der Taximarkt, der wird sich verändern, wenn wir in Richtung Robotaxis gehen oder ich bestelle mir einfach ein Auto. Also das wird schon einen großen Einfluss haben. Das sind alles Herausforderungen, die wir auf jeden Fall managen müssen. Es wird also große Veränderungen technischer Art und auch gesellschaftlicher Art geben. Die müssen wir handhaben. Und zumindest mal die technischen Herausforderungen sind die, um die es bei euch am Institut MESS um Sensortechnik geht. Du hast den Bachelorstudiengang Fahrzeugelektronik und Elektromobilität entwickelt und leitest ihn seitdem. Erzähl mal, wie es dazu kam. Ein Freund von mir sagte, ach, das war 2013, bald fahren wir sowieso alle mit Wasserstoff, das mit den Batterieautos, das ist sowieso alles Quatsch. Dann habe ich gedacht, na ja, das kann nicht sein. Und dann ist daraus, habe ich einen Vortrag gemacht, da ist eine Vortragsreihe daraus entstanden, die habe ich in der HRW auch vorgetragen. Und da bin ich auf die Idee gekommen, Mensch, die Industrie braucht Leute mit Kenntnissen in Fahrzeugelektronik und für die Elektromobilität, Leute also mit Hardwarekenntnissen, also die sich auch wirklich mit Elektrotechnik und Fahrzeugelektronik auskennen. Und habe diesen Studiengang konzipiert und den haben wir dann auch 2016 gestartet. Und diesen Studiengang, da kann man eben all das im Prinzip lernen. Und das war mir eine Motivation dahinter. Wir hatten Leute aus der Industrie da, die sagten, ja, einem Informatiker bringe ich alles bei, aber der weiß einfach nicht, wie ein Elektroauto funktioniert. Der weiß nicht, wie ein Sensor funktioniert. Wir brauchen Leute, die genau das verstehen und die hierauf Lust haben. Und damit ist im Grunde die nächste Frage schon beantwortet. Für wen ist das was? Was sollte ich aber mitbringen, wenn ich diesen Studiengang studieren will? Also das eine ist wirklich Neugier an neuen Technologien. Das ist, glaube ich, unheimlich wichtig. Also irgendwie auch ein bisschen eine Technikaffinität. Ich denke auch so ein bisschen ein Idealist sollte man sein, weil wir kämpfen wirklich für die Elektromobilität. Wir sind davon überzeugt, dass das wichtig ist. Was braucht man sonst? Vielleicht abstrakt die Überzeugung, dass man Dinge, die da sind, immer noch besser machen kann, dass man nie fertig ist, sondern immer noch sagt, das geht noch ein Stück besser. Dann sollte man Freude daran haben, mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten. Die besten Lösungen entstehen wirklich immer mit einem Team von Leuten, mit denen man gut zusammenarbeiten kann. Und wenn ich das jetzt studiere, was erwartet mich? Ja, also ganz viel Praxis. Wir fangen also im ersten Semester so an, dass ich gebe den Studierenden wirklich, das ist an einem der ersten Tage die Aufgabe, sie sollen ein Carrera-Auto, was selber am 3D-Drucker erstellt wird und designt wird, auf einem Parcours, der ist seit vielen Jahren der gleiche, möglichst viele Runden schaffen. Und dieses Auto wird dann von den Studierenden mit Sensoren versehen. Da ist ein Elektromotor drauf, natürlich eine Batterie, ist natürlich ein Elektroauto. Und die Carrera-Bahn, die wird irgendwie beklebt mit irgendwelchen Klebestreifen, so Reflexklebestreifen, damit die Autos dann wissen, jetzt kommt eine Kurve, ich muss langsamer fahren. Nach der Kurve müssen sie wieder schnell fahren. Und die Studierenden werden so in Dreierteams eingeteilt und die haben da alle so viel Spaß dran, dass die das ganze Semester dann wirklich da viel dran arbeiten. Teilweise bleiben die Leute über Nacht da und haben irgendeinen Deal mit dem Nachtwächter, von dem ich nichts wissen will, um da wirklich diese Autos schnell zu bauen. Das sind ganz tolle Ideen. Das ist auch sowas, wo ich mich unheimlich freue, wenn die mit tollen neuen Ideen kommen. Alles, was nicht verboten ist, ist erlaubt. Und später im Studium, natürlich müssen wir im Studium auch Mathematik, Physik, Elektrotechnik, Signalverarbeitung, diese Fächer machen, kommen immer wieder diese Praxisprojekte rein. Wir haben dann im höheren Semester ein Projekt zusammen mit einer amerikanischen Universität. Auch dieses Jahr, diesen Sommer fliege ich mit fünf Studenten nach Detroit, wo wir dann mit Studenten von der Wayne State University in Detroit ein echtes Steuergerät machen. Wir haben da zum Beispiel Steuergeräte gebaut mit einer Videokamera, eine Einschlaferkennung, die einen mit dem Fahrersitz dann wachrüttelt, wenn man eingeschlafen ist oder wenn man zu lange aufs Handy guckt. Solche Dinge. Sehr viel Praxis und alles wirklich toll im Team und Dinge, die also auch unheimlich Spaß machen. Neben den ganzen anderen eher rein sachlichen Fächern, die natürlich auch dazugehören. Mit dem Carrera-Auto hast du mich schon gehabt. Das klingt sehr, sehr cool und spannend. Vielen Dank für diese Einblicke. Klaus, in diesem Podcast sprechen wir immer auch über das Motto der HRW Never Stop Growing und dafür haben wir das Format Never Stop Growing und Du. Und dafür stelle ich dir jetzt drei Fragen und du antwortest ganz kurz und spontan. Was war der letzte Moment, in dem du selbst gemerkt hast, ich bin gerade gewachsen, fachlich oder persönlich? Ganz spontan. Ich wachse immer dann, wenn ich das Gefühl habe, dass ich selber überflüssig geworden bin. Und wann ist das letzte Mal eigentlich, ich könnte jetzt viele Beispiele nennen, eigentlich fast täglich, wenn ich etwas von meinen Studierenden lerne. Und das passiert oft. Was brauchst du in deiner Forschung, um weiter voranzukommen? Fast die gleiche Antwort. Ich brauche Menschen, die Lust haben, Dinge voranzutreiben und Dinge besser zu machen. Und was kannst du tun, damit deine Studierenden bestmöglich für die Zukunft vorbereitet sind? Ich glaube, das Wichtigste ist, dass ich ihnen verdeutliche, dass sie sich auf ihre eigenen Stärken konzentrieren. Dann verschwinden die Schwächen von selber. Ein sehr, sehr schönes Schlusswort. Klaus, ganz, ganz herzlichen Dank für das spannende Gespräch. Dankeschön. Dankeschön. Liebe Hörerinnen und Hörer, wenn euch unser Podcast gefällt, dann abonniert uns gerne, dann werdet ihr informiert, sobald eine neue Folge da ist. Und teilt den Podcast mit euren Kommilitoninnen, Kollegen oder Freunden, die sich für Forschung an der hrw interessieren. Wenn ihr gern wissen wollt, was neben der Forschung alles an unserer Hochschule passiert, wer hier arbeitet, welche Karrieren möglich sind, dann hört auch in unserem Format Köpfe der hrw an. Dabei viel Spaß und danke fürs Zuhören. Bis zum nächsten Mal. Euer Olaf Brinkmann. (Transcribed by TurboScribe.ai. Go Unlimited to remove this message.)