Olaf Brinkmann: Der hrw Podcast der Wissenschaft. In dieser Folge mit Technik den Alltag erleichtern. Soziale Roboter und KI für Kinder und Senioren. Hallo und herzlich willkommen beim hrw Podcast der Wissenschaft. Mein Name ist Olaf Brinkmann. Schön, dass ihr wieder dabei seid. Heute zeigen wir euch, wie nah Forschung dran ist am Alltag vieler Menschen. Jeder von uns nutzt Technik. Aber wie muss die eigentlich gemacht sein, damit wir gut damit zurechtkommen oder einen echten Nutzen davon haben? Genau damit beschäftigt sich mein heutiger Gast. Es ist Prof.In Dr. Aysegül Dogangün. Ihr Lehrgebiet an der hrw ist die menschzentrierte Technikentwicklung. Was das ist und woran sie gerade arbeitet, das erzählt sie uns jetzt. So viel kann ich aber schon mal verraten. Es geht um Kinder und um Senioren. Hallo Aysegül, schön, dass du da bist. Prof.In Dr. Aysegül Dogangün: Hallo Olaf. Olaf Brinkmann: Aysegül, es ist ja nicht das erste Mal, dass du hier Gast bist in diesem Podcast. Deswegen weißt du auch, wir fangen erst mal an mit einem kleinen Spiel. Dann können dich unsere Gäste auch ein bisschen privat kennenlernen. Ich stelle dir einige Fragen und du wählst zwischen zwei Antworten. Okay? Prof.In Dr. Aysegül Dogangün: Okay. Olaf Brinkmann: Mit deinen Kindern lieber in den Freizeitpark oder in den Wald? Prof.In Dr. Aysegül Dogangün: In den Wald. Olaf Brinkmann: Zum Frühstück lieber Obst oder Brot? Prof.In Dr. Aysegül Dogangün: Brot. Olaf Brinkmann: Geburtstagsgrüße lieber per E Mail oder per Telefon? Prof.In Dr. Aysegül Dogangün: Per Telefon. Olaf Brinkmann: Aysegül, erzähl mal ganz kurz, seit wann bist du an der hrw und wie hat es dich hierher verschlagen? Prof.In Dr. Aysegül Dogangün: Ich bin seit 2018 an der hrw, Olaf. Wie hat es mich hierher verschlagen? Ich war vorher an der Universität Duisburg Essen, auch rund um das Thema Forschung zur Mensch Technik Interaktion unterwegs. Und der Weg zur hrw war dadurch ziemlich glatt geebnet. Olaf Brinkmann: Was genau hast du studiert? Prof.In Dr. Aysegül Dogangün: Ich bin Informatikerin. Ich habe Informatik mit Nebenfach Psychologie studiert an der Humboldt Universität Berlin. Ich bin Berlinerin. Ich habe dann auch im Bereich Informatik und Machine Learning promoviert, habe aber sehr schnell durch den Bezug zur Psychologie herausgefunden, dass ich gerne an der Schnittstelle zwischen Technik und Mensch arbeiten und forschen würde. Olaf Brinkmann: Das Stichwort menschzentrierte Technik, das ist das, was du lehrst. Erklär bitte mal ganz kurz, was das genau ist. Prof.In Dr. Aysegül Dogangün: Menschzentrierte Technikentwicklung umfasst in unserer Lehre und auch in unserer Forschung jegliche Methoden, Ansätze und Forschungsfragen, die sich damit beschäftigen, wie Menschen Technologie nutzen können und dadurch positive Techniknutzungserfahrungen erleben. Wie sie ihr Wohlbefinden dadurch steigern können in verschiedenen Lebensbereichen. Also erst mal die Untersuchung von der Nutzung von Technologie, aber natürlich auch, wie Technik entwickelt werden sollte, bei der der Mensch im Mittelpunkt der Entwicklung steht. Olaf Brinkmann: Ihr habt verschiedene Projekte, an denen ihr arbeitet. Neben sozialen Robotern in Stadtverwaltungen beschäftigt dich in diesem Jahr auch die Frage, wie Schule digitaler werden kann. Was glaubst du, wo steht Deutschland da gerade? Prof.In Dr. Aysegül Dogangün: Ich glaube, das ist ein sehr heikles Thema. Gerade als Mutter von zwei Schulkindern erlebe ich, wie Digitalisierung in der Schule funktioniert. Einmal in der Grundschule und einmal in der weiterführenden Schule. Und das ist nicht sehr weit. Es ist das Verteilen von iPads und die Nutzung von zwei, drei Apps darauf und vielleicht ein Ordnersystem, in dem Dokumente abgelegt werden. Genau das hat uns dazu geführt zu fragen, was sind denn die Handlungsanforderungen an die Digitalisierung und was heißt überhaupt Digitalisierung? Ist das nur das Nutzen eines Tablets im Unterricht? Kann es nicht noch mehr sein? Und wenn ja, was vielleicht soziale Roboter? Und wie sieht der Blick auf die Digitalisierung aus Sicht der einzelnen Stakeholder aus? Also Eltern, Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, die Schulleitung. All diese Perspektiven müssen mitspielen. Olaf Brinkmann: Soziale Roboter hast du schon angesprochen. Fangen wir mal vorne an. Was bedeutet da das Wort sozial? Prof.In Dr. Aysegül Dogangün: In dem Kontext der Robotik heißt das, dass die Roboter ähnlich wie Menschen mit Menschen interagieren. Dass man in der Interaktion Feedback oder Rückmeldung bekommt, wie in der Kommunikation zwischen Mensch und Mensch. Dass eine soziale und auch emotionale Bindung eine Rolle spielen kann. Olaf Brinkmann: Ihr wollt diese sozialen Roboter in die Schulen bringen. Was genau interessiert euch da im Vorfeld und wie geht ihr da vor? Prof.In Dr. Aysegül Dogangün: Was würden sich Schülerinnen und Schüler wünschen? Was würden sich Lehrerinnen und Lehrer wünschen? Wir sind noch relativ am Anfang des Projektes. Ein sozialer Roboter könnte in der Mensa eingesetzt werden. Vielleicht auch im Toilettendienst, um mehr Sicherheit zu schaffen. Er könnte auf dem Schulhof stehen als jemand, dem man Fragen stellen kann. Oder im Unterricht als persönlicher Tutor, vielleicht im Nachmittagsbereich bei der Unterstützung der Hausaufgaben. Es gibt viele Möglichkeiten. Wir wollen herausfinden, was sich die einzelnen Stakeholder vorstellen und wünschen. Olaf Brinkmann: Was ist ethisch oder beim Datenschutz zu beachten? Prof.In Dr. Aysegül Dogangün: Grundsätzlich werden Daten aufgenommen, zum Beispiel in Gesprächen. Lehrerinnen und Lehrer könnten Sorge haben, beobachtet zu werden. Es gibt viele Themen, die relevant sein könnten. Wir müssen herausfinden, wo man in der Forschung und Entwicklung ansetzen muss. Olaf Brinkmann: Ihr arbeitet auch mit Senioren. Was wollt ihr da erreichen? Prof.In Dr. Aysegül Dogangün: Wir haben ein gefördertes KI Projekt vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Es geht um den Einsatz von KI fürs Gemeinwohl. Wir wollen eine Anwendung entwickeln, die Senioren zu mehr Mobilität bewegen soll. Dafür nutzen wir sogenannte Civic Data, also Umgebungsdaten von Städten und Kommunen. Zum Beispiel wo Bänke stehen, wie die Hitzeverteilung ist, welche Straßen beleuchtet sind, wo es Treppen gibt oder Steigungen. Olaf Brinkmann: Ihr wollt also Senioren mit Technik unterstützen, sich mehr zu bewegen. Prof.In Dr. Aysegül Dogangün: Genau. Im Alter sind Menschen oft weniger mobil und bewegen sich in einem kleineren Radius. Wir haben gesehen, dass sich Senioren analog zu Spaziergängen treffen und sich gegenseitig motivieren. Die Idee ist, das digital zu unterstützen. Dass Gruppen ihre positiven Erfahrungen teilen und so andere motivieren mitzumachen. Olaf Brinkmann: Wie sollen die Senioren diese Informationen abrufen? Prof.In Dr. Aysegül Dogangün: Es soll eine Smartphone Applikation werden. Und wir wollen auch Smartphones an Nicht Nutzer ausgeben und schauen, wie ihre Nutzungserfahrungen sind. Olaf Brinkmann: Vielen Dank für das Gespräch. Zum Schluss noch Never Stop Growing. Wie kann KI die Hochschule unterstützen? Prof.In Dr. Aysegül Dogangün: Sie kann Prozesse vereinfachen und Studierende und Lehrende in ihren Kompetenzen erweitern. Olaf Brinkmann: Was sind drei wichtige Punkte für persönliches Wachstum? Prof.In Dr. Aysegül Dogangün: Selbstreflexion. Fehler machen dürfen und daraus lernen. Offen sein für Neues. Olaf Brinkmann: Wie wächst du an der HRW? Prof.In Dr. Aysegül Dogangün: Freiraum. Freiraum im Weiterdenken, in verschiedenen Projekten arbeiten zu können. Olaf Brinkmann: Vielen Dank, Aysegül. Prof.In Dr. Aysegül Dogangün: Danke dir, Olaf. Olaf Brinkmann: Liebe Hörerinnen und Hörer, unseren Podcast findet ihr auf allen gängigen Podcastportalen. Wenn euch unsere Folgen gefallen, teilt sie gerne weiter. Fürs Zuhören sagen wir Danke. Bis zum nächsten Mal. Euer Olaf Brinkmann.