Olaf Brinkmann: Der hrw Podcast der Wissenschaft. In dieser Folge soziale Roboter im Gesundheitswesen. Was wird gebraucht? Hallo und herzlich willkommen beim hrw Podcast der Wissenschaft. Mein Name ist Olaf Brinkmann. Schön, dass ihr wieder dabei seid. Heute haben wir ein echtes Zukunftsthema an Bord. Es geht um sogenannte soziale Roboter. Sie können nicht nur in Behörden eingesetzt werden, wie ihr es hier in unserem Podcast in der ersten Staffel schon mal gehört habt. Auch in der Pflege beziehungsweise im Gesundheitswesen sind soziale Roboter hochinteressant. Sie können viele Aufgaben übernehmen, zum Beispiel einem Patienten ein Glas Wasser oder eine Zeitung reichen. Sie können Pflegekräften auch helfen, einen Patienten aufzurichten. Mein heutiger Gast beschäftigt sich genau damit. Allerdings geht es Medina Klicic weniger um die Technik. Was genau sie erforscht, das frage ich sie gleich. Jetzt sage ich erst mal Hallo Frau Klicic. Schön, dass Sie da sind. Medina Klicic: Hallo und vielen Dank, dass ich da sein darf. Olaf Brinkmann: Zu Beginn wie immer die Frage. Wollen wir Sie oder du sagen? Medina Klicic: Gerne du. Olaf Brinkmann: Wunderbar. Medina, unsere Hörerinnen und Hörer wollen unsere Gäste immer erst mal kennenlernen und deswegen machen wir wieder unser kleines Spiel. Ich stelle dir einige Fragen und du wählst zwischen zwei Antworten, okay? Medina Klicic: Ja, super. Olaf Brinkmann: Aufzug oder Treppe? Medina Klicic: Treppe. Olaf Brinkmann: Freibad oder See? Medina Klicic: Freibad. Olaf Brinkmann: Toast oder Vollkornbrot? Medina Klicic: Vollkornbrot. Olaf Brinkmann: Strandurlaub oder Städtetrip? Medina Klicic: Strandurlaub. Olaf Brinkmann: Wo war der letzte? Medina Klicic: Spanien. Olaf Brinkmann: Da wäre ich jetzt auch gerne. Medina, wie lange bist du denn schon an der HRW und wie bist du an die Stelle gekommen? Medina Klicic: Ich bin jetzt seit über zwei Jahren an der HRW, seit Mai 21. Ich habe an der HRW tatsächlich auch schon meinen Master gemacht und bin so auch auf Professor Doktor Simone Roth, meine jetzige Professorin, gestoßen und habe sie dort kennengelernt. Wir haben festgestellt, dass sie und ich das gleiche Verständnis von Marketing und auch Konsumentenverhalten haben und haben dann schnell ein Match erkannt, was ganz gut war und schön. Dann gab es bei ihr einen internen personellen Wechsel, sodass sie mich gefragt hat, ob ich ihre wissenschaftliche Mitarbeiterin sein möchte. Ich muss dazu sagen, ich hatte keine Vorstellung davon, was eine wissenschaftliche Mitarbeiterin macht und habe mich dann erst mal ein bisschen schlau gemacht, habe aber auch schnell gemerkt, dass es ein interessantes Feld ist und habe dann einfach zugesagt. Olaf Brinkmann: Und was genau machst du denn als wissenschaftliche Mitarbeiterin? Du gehörst zum Wirtschaftsinstitut. Medina Klicic: Genau, meine Aufgaben sind zweigeteilt. Das bedeutet, ich habe zum einen die Forschung. Da forschen wir im Forschungsschwerpunkt soziale Roboter, neben noch einigen anderen Themen, aber gerade soziale Roboter in Kombination mit Konsumentenverhalten. Das ist auch der Forschungsschwerpunkt, in dem ich meine Promotion verfasse. Das heißt, es ist alles rund um soziale Roboter, Konsumentenverhalten und dann auch immer die ökonomische Perspektive, gerade im Wirtschaftsinstitut. Was den Forschungsschwerpunkt noch stützt, ist ein Forschungsprojekt, das meine Professorin mit drei anderen Kolleginnen ins Leben gerufen hat. Das ist das Forschungsprojekt Ruhrbots. Da geht es um bürgernahe und nutzergerechte soziale Roboter aus der Metropole Ruhr und da darf ich auch mitarbeiten. Da habe ich viele interessante Erkenntnisse. Auf der anderen Seite haben wir die Lehre. Das bedeutet, ich unterstütze bei der Vorbereitung, aber auch bei der Durchführung von Lehrveranstaltungen. Und was ganz schön ist und mein persönliches Thema, ich darf auch eigene Lehrveranstaltungen halten im Erstsemestermodul Marketing und ein paar Marketinggrundlagen vermitteln. Das macht mir sehr viel Spaß und ich muss sagen, das gibt einem viel, auch eigene Lehrveranstaltungen und eigene Räume mit Studierenden zu haben. Olaf Brinkmann: Medina, jetzt lass uns mal über die sozialen Roboter sprechen. Können wir erst mal ein paar Beispiele machen, was die in der Pflege schon können? Werden schon oft Roboter eingesetzt? Medina Klicic: Wenn wir jetzt in ein Krankenhaus gehen würden, wäre die Wahrscheinlichkeit, dass wir auf einen sozialen Roboter treffen, eher gering. Es ist so, dass viel Forschung betrieben wird, aber der Einsatz noch sehr dürftig ist. Und das ist eigentlich auch schon die Brücke, die ich irgendwann schlagen möchte. Olaf Brinkmann: In deiner Doktorarbeit willst du in die Zukunft gehen. Es geht dir aber nicht um die technischen Möglichkeiten, sondern woran forschst du? Was willst du wissen? Medina Klicic: Ich möchte wissen, wie wir soziale Roboter in den Einsatz bekommen. Das bedeutet, nicht nur in der Forschung betrachten und schauen, was man am Roboter optimieren kann, sondern tatsächlich, was ist der Nutzen für die Nutzenden am Ende. Zum Beispiel für Pflegekräfte oder für Ärztinnen und Ärzte. Es geht darum, den Nutzen im Einsatz zu erfahren. Olaf Brinkmann: Und wie gehst du vor, um das herauszufinden? Medina Klicic: Ich komme von zwei Strängen. Der eine ist die Gesundheitsbranche. Da habe ich mir angeschaut, wie die aktuelle Situation ist. Die aktuelle Situation zeigt, dass wir einen Fachkräftemangel haben. Hinzu kommt, dass wir eine Überalterung der Gesellschaft haben. Es gibt eine immer größere Generation, die immer älter wird. Wenn wir das zusammenführen, ist es so, dass wir am Ende weniger Personal für sehr viele pflegebedürftige Menschen haben. Wenn das bestehende Personal noch mehr Arbeit hinzubekommt und weniger Personen da sind, die das auffangen können, entsteht schnell Unzufriedenheit und Überbelastung. Der Zeitmangel spielt auch eine große Rolle. Auf der anderen Seite haben wir das große Forschungsfeld um soziale Roboter. Viele Forschende schauen sich an, wie man einen Roboter optimieren kann oder welche Stellschrauben es gibt. Gleichzeitig gibt es eine soziale Komponente. Wie muss der Roboter aussehen? Wie muss er mit mir sprechen? Muss er überhaupt mit mir sprechen? Ich schaue mir an, was der Bedarf des Personals ist. Wo sind Baustellen? Was läuft gut? Wo braucht es Unterstützung? Wichtig ist, dass kein Mensch ersetzt werden soll. Es geht darum, Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte oder auch die Verwaltung zu unterstützen. Der Fokus soll wieder mehr auf den Menschen verschoben werden. Wenn Roboter Dinge übernehmen können, können sich Pflegekräfte mehr auf die menschliche Beziehung konzentrieren. Da können soziale Roboter Entlastung stiften, sodass es wieder mehr von Mensch zu Mensch ist. Olaf Brinkmann: Wie bist du auf dein Promotionsthema gekommen? Medina Klicic: Durch meine Professorin. Sie hat sich den Forschungsschwerpunkt soziale Roboter erschlossen. Hinzu kam das Forschungsprojekt, das sie mitbeantragt hat. Ihre Perspektive war immer die Verknüpfung ökonomischer Aspekte mit einem technisch getriebenen Thema. Eine ökonomische Betrachtung macht Sinn, gerade auch aus Sicht des Konsumentenverhaltens. Die Gesundheitsbranche hat unser beider Interesse geweckt, weil es gesellschaftlich relevant ist. Es hat einen Charakter von etwas Uneigennützigem und davon, wie wir aktiv die Zukunft gestalten. Es kommen immer wieder neue Erkenntnisse und Einflüsse dazu, die das formen. Das ist ein Prozess. Olaf Brinkmann: Gibt es schon einen festen Titel für deine Doktorarbeit? Medina Klicic: Ich beschränke mich aktuell auf soziale Roboter in der Gesundheitsbranche. Ich habe ein, zwei Ideen, wie ich es nennen kann, aber da müssen wir noch schauen, ob ich dabei bleibe. Olaf Brinkmann: Was versprichst du dir persönlich von deiner Promotion? Wo soll es für dich hingehen? Medina Klicic: Ich betrachte das in kleineren Zielen. Der erste Schritt ist, dass ich mich persönlich entwickeln möchte. Neue Horizonte entdecken, Dinge erkennen und herausfinden. Im Hinblick auf die persönliche und fachliche Entwicklung kann man viel daraus ziehen. Auch Zeitmanagement bekommt eine andere Bedeutung. Wenn ich Methoden gelernt, Wissen angeeignet und Erfahrung gesammelt habe, wäre es toll, das weiterzugeben. Vielleicht auch irgendwann eine Professur. Olaf Brinkmann: Was brauchst du, um mit deiner Promotion sichtbar zu werden? Medina Klicic: Die richtige Plattform und offene Ohren. Kanäle, über die ich berichten kann. Schon hier im Podcast darüber erzählen zu dürfen, ist eine Chance. Wenn ich darüber berichten kann, kommen vielleicht neue Anreize von anderen. Ein Austausch. Es können auch Workshops sein, nicht nur digitale Kontaktpunkte, sondern auch physische. Olaf Brinkmann: Wer betreut dich noch? Medina Klicic: Meine Erstprüferin ist Professor Doktor Gertrud Schmitz von der Universität Duisburg Essen. Olaf Brinkmann: Eine Promotion kostet viel Zeit. Wie machst du das? Medina Klicic: Manchmal fließt es Hand in Hand. Oft kommt man nach Hause, isst etwas und setzt sich noch mal dran und liest. Wenn man müder ist, liest man eher. Man muss lernen, sich einzuschätzen. Wann habe ich meine Hochphasen? Wann bin ich produktiv? Die Zeiten nutze ich fürs Schreiben. Wenn ich weniger wach bin, lese ich ein Paper oder schaue ein Video oder höre einen Podcast. Olaf Brinkmann: Wann sind deine Hochphasen? Medina Klicic: Das ist unterschiedlich, tagesformabhängig. Meistens schreibe ich so um 18 Uhr, wo andere mit dem Abendessen anfangen. Am Wochenende schreibe ich auch morgens. Olaf Brinkmann: Bis hierhin schon mal vielen Dank, dass du uns von deiner Arbeit erzählt hast. Jetzt schauen wir auf den Claim der HRW. Der heißt Never Stop Growing und hier im Podcast haben wir das Format Never Stop Growing. Ich stelle dir drei Fragen und du antwortest kurz und spontan. Was macht die HRW, um wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu unterstützen, damit sie wachsen können? Medina Klicic: Wir haben die Möglichkeit, in neue Themen einzusteigen und uns mit neuen Menschen auszutauschen. Neue Impulse und neue Erkenntnisse zu gewinnen. Das stellt die HRW in einem großen Format zur Verfügung, sei es in Weiterbildungen, Workshops oder in neuen Projekten in der Lehre oder im Forschungsprojekt Ruhrbots. Olaf Brinkmann: Was brauchst du als Doktorandin, um voranschreiten zu können? Medina Klicic: Möglichkeiten und Mentoren. Chancen, die sichtbar werden. Vielleicht auch ein bisschen Glück. Stellen, die vielfältige Möglichkeiten in Forschung oder Projekten bieten. Und jemanden, mit dem man sich fachlich austauschen kann. Jemanden an der Seite, der einen bestärkt. Olaf Brinkmann: Was bedeutet Wachstum für dich persönlich? Medina Klicic: Ich denke an eine kleine Pflanze, die heranwächst. Wir entwickeln uns immer weiter. Potenziale in sich erkennen und nutzen. Sich als Mensch entdecken und weiterentwickeln. Auch an Herausforderungen wachsen. Sich von negativen Dingen nicht unterkriegen lassen. Weitermachen. Das formt uns und daran wachsen wir am meisten. Olaf Brinkmann: Auf diesem Weg wünsche ich dir viel Erfolg, Medina. Wir sind am Ende dieser Folge. Unser Gespräch hat mir großen Spaß gemacht. Vielen Dank. Medina Klicic: Ich danke dir. Olaf Brinkmann: Liebe Hörerinnen und Hörer, zum Schluss noch eine Bitte. Empfehlt unseren Podcast weiter, schickt unsere Folgen gerne an andere Kommilitoninnen und Kommilitonen oder eure Kolleginnen und Kollegen und abonniert uns. Dann bekommt ihr eine Nachricht auf euer Smartphone, wenn eine neue Folge da ist. Fürs Zuhören sage ich von Herzen danke. Bis zum nächsten Mal. Euer Olaf Brinkmann.