Olaf Brinkmann: Der hrw Podcast der Wissenschaft. In dieser Folge mit Pro Forward in die Zukunft. HRW sucht die besten Köpfe. Hallo und herzlich willkommen beim hrw Podcast der Wissenschaft. Mein Name ist Olaf Brinkmann. Schön, dass ihr wieder dabei seid. Wir starten heute mal mit einer Frage. Träumt der ein oder die andere von euch von einer Hochschulkarriere? Möchtet ihr als Professor oder Professorin arbeiten? Genau darum geht es heute, denn für Hochschulen für angewandte Wissenschaften wie die hrw ist es ungeheuer wichtig, die besten Köpfe zu haben. Wir sprechen über das Projekt Pro Forward at hrw. Mein Gast ist Birgit Weustermann. Sie kennt sich damit bestens aus. Sie leitet das Referat Gender Equality und Diversity Management. Ich kenne sie bereits. Wir haben schon mal einen Podcast aufgenommen. Birgit, wir sind per Du. Ich freue mich, dass du da bist. Birgit Weustermann: Hallo Olaf. Schön, dich zu sehen. Olaf Brinkmann: Wir machen es wie immer. Wir spielen erst mal ein kleines Spiel, um dich ein bisschen besser kennenzulernen. Ich stelle dir einige Fragen und du wählst zwischen zwei Antworten. Zum Frühstück Butter oder Margarine? Birgit Weustermann: Butter in jedem Fall. Olaf Brinkmann: Sport schauen oder Sport machen? Birgit Weustermann: Beides. Olaf Brinkmann: Lieblingssport? Birgit Weustermann: Eigentlich Tischtennis. Aber seitdem ich so ein bisschen pausiert habe, bin ich nicht zufrieden mit meinen Leistungen. Jetzt gehe ich ein bisschen laufen und versuche mich immer wieder leicht aufzupolieren. In meinem Alter darf man nicht mehr jeden Ball treffen. Olaf Brinkmann: Online Shopping oder im Laden kaufen? Birgit Weustermann: Auch beides. Olaf Brinkmann: Birgit, mit deinen Kolleginnen und Kollegen kümmerst du dich darum, dass die hrw auch in Zukunft ihre Professuren passgenau und mit den besten Köpfen besetzen kann. Ist das zurzeit schwierig? Birgit Weustermann: Ja, total. Das ist auch in den letzten Jahren deutlich schwieriger geworden. Ich begleite die hrw seit 2009, lange Jahre als Gleichstellungsbeauftragte bei der Besetzung von Professuren, und wir haben früher deutlich mehr Bewerbungen bekommen als aktuell. Man sieht, dass wir in der Summe weniger Leute bekommen, aber auch immer mehr Leute, die gar nicht passfähig sind. Das ist ein großes Problem für Hochschulen. Das trifft nicht nur uns, sondern ganz viele MINT Hochschulen sind davon betroffen. Olaf Brinkmann: Was muss ich denn mitbringen, wenn ich Professor oder Professorin an einer Hochschule wie der hrw werden will? Und wie unterscheidet sich das zu einer Uni? Birgit Weustermann: Die hrws haben das spezielle Anforderungsprofil, dass man eine Promotion braucht, wie an der Uni auch. Aber dann muss man noch in die Wirtschaft gegangen sein oder in einem Forschungsinstitut außerhalb einer Hochschule gearbeitet haben. Dann muss man wieder zurück ins Wissenschaftssystem. Wir haben also einen doppelten Systembruch und das ist durchaus schwierig, hier Kontakt zu halten. Das ist der große Unterschied zu den Universitäten, weil die Menschen dort in der Theorie bleiben, an der Uni bleiben, eine Unikarriere machen. Bei uns ist es so, dass wir vorher eine doppelte Karriere benötigen, an der Hochschule über die Promotion und dann in der Wirtschaft. Dort hat man als promovierter Mensch in der Regel auch eine gute Stelle und dann muss man zurück in ein Wissenschaftssystem, von dem man erst mal gar nichts wusste. Olaf Brinkmann: Was macht denn die Lehre und das Arbeiten an einer FH so besonders? Birgit Weustermann: Bei uns ist es praxisorientiert. Unsere Profs kommen ja alle aus der Wirtschaft. Das heißt, sie haben praktische Erfahrung und sie können ganz viel erzählen aus ihrem praktischen Berufsleben und der Anwendung. Angewandte Forschung ist bei uns das Stichwort und nicht nur theoretische Grundlagenforschung. Ein deutlich breiteres Anwendungswissen wird vermittelt. Das macht einen großen Unterschied, weil die Studierenden sofort sehen, das kann man dafür brauchen und dafür muss man jetzt Mathe lernen, weil man das ausrechnen muss. Sie haben die Anwendung deutlicher vor Augen als an einer Universität. Olaf Brinkmann: Wie streng geht es zu bei der Berufung von Professorinnen und Professoren? Können auch Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger sich bewerben? Und was, wenn ich nicht alle Kriterien erfülle und zum Beispiel noch keine Promotion habe? Birgit Weustermann: Es geht streng zu, weil wir gebunden sind ans Gesetz. Eine Beamtenstelle muss man ganz sauber vergeben an die Besten. Das ist eine sogenannte Bestenauslese. Wir gucken dann, je nachdem wie viele Bewerbungen wir bekommen, ranken wir die und sortieren sie genau durch. Natürlich braucht man alle Voraussetzungen, die im Gesetz stehen, also Promotion und die Erfahrung außerhalb der Hochschule. Zum Beispiel kann man die Promotion auch gerade erst eingereicht haben und sie ist noch nicht ganz abgeschlossen. Dann sieht unsere Berufungsordnung vor, dass wir schon berufen können und man kann die Note nachher einreichen. Wir nehmen auch Leute, die aus Forschungsinstituten kommen und nicht nur in der Industrie gearbeitet haben. Das kann man im Einzelfall gucken. Es gibt natürlich auch Ausnahmen, aber das muss sauber begründet werden, weil wir uns streng ans Gesetz halten. Olaf Brinkmann: Du hast von den Besten gesprochen. Wie sehen die aus? Was ist es genau, was gesucht wird? Birgit Weustermann: Eigentlich sind es Leute, die richtig Spaß daran haben, mit jungen Menschen ganz viele Sachen zu machen. Sei es Erfindungen, sie zu unterrichten oder gemeinsam etwas zu erforschen und zu lehren. Die Spaß an dem haben, was sie tun, die natürlich Fachleute sind. In den letzten Jahren hat es einen großen Shift gegeben, dass man sich mehr dafür interessiert, wie man die Lehre gestaltet. Auch das ist an den Fachhochschulen deutlich anders als an den Universitäten. Da wird der Schwerpunkt sehr auf die Forschung gelegt und wir haben bei 18 Semesterwochenstunden auch den Schwerpunkt auf der Lehre. Leute, die daran Spaß haben, das sind die Besten. Die wünscht man sich. Olaf Brinkmann: Das BMBF fördert das Projekt Pro Forward at HRW über sechs Jahre mit mehr als zweieinhalb Millionen Euro. Wie wird das Geld genutzt? Birgit Weustermann: Wir haben sechs Maßnahmen entwickelt, die einzeln aufgebaut werden. Sie können auch einzeln genutzt werden, aber sie bauen schön aufeinander auf. Wir nehmen Lehrbeauftragte in den Fokus und qualifizieren sie, damit sie gute Lehre machen können. Wenn sie sich in einem Berufungsverfahren vorstellen und einen Lehrvortrag machen müssen, sollen sie wissen, was gute Lehre ist. Man macht aktivierende Lehre, ist im Gespräch mit Studierenden, macht Projektlernen, problemorientiertes Lernen. Das ist eine ganz andere Form von Lehre, als ich das noch gekannt habe. Es macht viel mehr Spaß, ist aber eine große Herausforderung für alle Beteiligten. Das ist das Kernstück, das wir mitgeben. Wenn die Lehrbeauftragten das verstanden haben, können sie auch entscheiden, ob das ein Berufsweg für sie ist und ob sie das dauerhaft machen möchten. Davor haben wir eine Klarheit über den Prozess geschaltet, über den Berufungsprozess, über den Weg, die Voraussetzungen, die Passfähigkeit und was wir uns wünschen. Wir suchen auch ganz aktiv und bauen ein Netzwerk auf, wo wir Menschen bewegen wollen, sich bei uns zu bewerben. Dann konstruieren wir Teilzeitprofessuren. Da sind wir noch ganz am Anfang. Wir entwickeln ein neues Konzept, wie man die Arbeit in der Wirtschaft mit einer Professur verbinden kann. Dann machen wir noch ein Implacement und zum Schluss planen wir eine Matching Plattform. Das sind unsere sechs Maßnahmen, die aufeinander aufbauen. Wir entwickeln das über sechs Jahre und sind gerade nach den ersten zwei Jahren an dem Punkt, wo wir gucken, wie weit wir sind. Das ist ein spannender Prozess. Olaf Brinkmann: Mit Pro Forward soll auch der Frauenanteil erhöht werden. Wie hoch ist der an der hrw im Bereich der Professorinnen und Professoren und wo soll es hingehen? Birgit Weustermann: Wir haben aktuell 33 Prozent. Für eine Hochschule mit reiner MINT und BWL Ausrichtung finde ich das prima. Der Mindestanteil liegt bei 15 Prozent hier im Mess und Sensortechnikinstitut. Selbst in der Elektrotechnik zwei Professorinnen finde ich schon gut. Es differiert stark zwischen dem Wirtschaftsinstitut und den MINT Fächern. Wir liegen zwischen 15 und etwas über 30 Prozent. Natürlich ist das Ziel 50 Prozent. Aber das muss man schrittweise aufbauen, weil da wo keine Promotionen von Frauen sind, kann man auch keine Professuren besetzen. Das muss man realistisch betrachten. Olaf Brinkmann: Ihr wollt mehr Menschen mit Migrationshintergrund für Professorenstellen gewinnen. Birgit Weustermann: Ja, das ist uns ein großes Anliegen. Wir sind als Hochschule gegründet worden mit dem Auftrag, die Bildungsbeteiligung von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte hier im Ruhrgebiet zu erhöhen. Das steht in unseren Gründungspapieren. Da sollten wir auch Professorinnen und Professoren haben, die sich bewusst sind, wie viel schwieriger es ist zu studieren, wenn man aus einem Haushalt kommt, wo Vorbilder fehlen. Ich finde es eine großartige Leistung von unseren Studierenden, die hier hervorragende Abschlüsse machen. Und es ist eine tolle Leistung von unseren aktuellen Professorinnen und Professoren, die hier gute Arbeit leisten. Olaf Brinkmann: Du hast die Matching Plattform angesprochen. Was ist die Idee dahinter? Birgit Weustermann: Die Idee ist, diejenigen zusammenzubringen, die suchen, und diejenigen, die etwas anbieten. Diejenigen, die über das Zertifizierungsprogramm und unsere Angebote zur Orientierung zu dem Schluss kommen, ich würde mich gerne bewerben, die könnten sich auf unserer Plattform einstellen. Sie könnten sagen, ich suche einen Lehrauftrag oder eine Professur oder später vielleicht eine Teilzeitprofessur. Auf der anderen Seite können die Hochschulen einstellen, wir suchen einen Lehrauftrag für so und so viele SWS oder wir suchen eine neue Professur. So hätten wir ein Matching. Wir sind da noch am Anfang und noch nicht ganz klar, ob wir selbst etwas machen oder auf einer bestehenden Plattform aufsetzen. Klar ist aber, dass es einen Prozess geben soll, wo sich diese beiden Seiten finden. Olaf Brinkmann: Wie profitieren die Studierenden von Pro Forward? Birgit Weustermann: Wir suchen neue Wege für tolle Menschen, die den Weg an unsere Hochschule finden. Die Studierenden bekommen gute Lehre, viel Spaß beim Lernen und eine gute Ausbildung, mit der sie nachher einen super Job finden, da wo sie gerne hin möchten. Olaf Brinkmann: Birgit, lieben Dank für deine spannenden Antworten. Jetzt schauen wir noch auf den Claim der hrw. Der heißt Never Stop Growing. Was bedeutet Never Stop Growing, wenn es um das Gewinnen von Personal geht? Birgit Weustermann: Ich kann nicht sagen, was es konkret zum Gewinnen bedeutet. Aber in jedem Fall bedeutet es, dass unser Personal sich immer weiter verändern und wachsen muss. Wir dürfen uns nicht auf Ruhekissen legen und so bleiben, wie wir sind. Olaf Brinkmann: Warum lässt Diversität eine Hochschule wachsen? Birgit Weustermann: Weil die Auseinandersetzung mit Diversität und mit unterschiedlichsten Meinungen das ist, was Universität und Fachhochschule überhaupt ausmacht. Eine Hochschule ist Auseinandersetzung mit unterschiedlichsten Perspektiven und Meinungen. Daraus erwächst Neues und das ist großartig. Olaf Brinkmann: Was tut die hrw, um ein attraktiver Arbeitgeber zu sein? Birgit Weustermann: Die Hochschule ist an vielen Stellen noch immer ein bisschen Start up mäßig. Wir sind erst 2009 gegründet worden und viele unserer Leute sind mit dieser Start up Mentalität am Werk. Das clasht manchmal mit den Anforderungen des öffentlichen Dienstes, weil wir auch eine Behörde sind. Aber trotzdem sind wir dynamisch. Wir haben für die Beschäftigten im Servicebereich Leitzeitangebote. Wir haben sehr flexible Arbeitsmöglichkeiten. Wir arbeiten von zu Hause über Webex. Wir sind gar nicht mehr so viel hier. Wir haben New Work Modelle, die wir miteinander vereinbaren. Das läuft ganz gut. Auch unser Führungspersonal ist entspannt. Das ist immer eine Frage von top down und da kann ich Bestnoten geben. Olaf Brinkmann: Bestnoten gibt es hoffentlich auch für diese Folge. Birgit, ganz lieben Dank für das Gespräch. Birgit Weustermann: Vielen lieben Dank. Olaf Brinkmann: Liebe Hörerinnen und Hörer, wenn euch unser Podcast gefällt, empfehlt uns bitte weiter. Schickt ihn gerne auch an Menschen, die in der Wirtschaft arbeiten und für die die hrw ein attraktiver Arbeitsort sein könnte. Wir freuen uns, wenn wir euch für einen Lehrauftrag oder eine Berufung begeistern können. Gerne informieren wir euch über die Angebote von Pro Forward at HRW, die wir für Interessierte an den Karriereperspektiven unserer Hochschule und für Neuberufende entwickeln. Abonniert uns bitte auch. Dann bekommt ihr eine Nachricht auf euer Smartphone, wenn eine neue Folge da ist. Auch ein paar Sternchen bei Spotify wären toll. Jetzt sage ich Danke fürs Zuhören. Bis zum nächsten Mal. Euer Olaf.