Olaf Brinkmann: Der hrw-Podcast der Wissenschaft. In dieser Folge Sichtbarkeit, Vernetzung, Coaching. Was junge Wissenschaftlerinnen brauchen. Hallo und herzlich willkommen beim hrw-Podcast der Wissenschaft. Mein Name ist Olaf Brinkmann. Schön, dass ihr wieder dabei seid. Heute geht es um Frauen in der Wissenschaft und in der Forschung. Die sind nämlich immer noch unterrepräsentiert. Der Zeit Verlag will dagegen steuern und hat sich etwas ausgedacht. Und zwar ein neues Fellowship-Programm für Frauen. Dr.in Kristina Lampe darf in den nächsten Monaten für die HRW dabei sein. Sie ist mein heutiger Gast und ich bin schon ganz gespannt, warum sie bei dem Programm mitmacht und was sie sich davon erhofft. Jetzt sage ich erst mal Hallo, Frau Lampe. Schön, dass Sie da sind. Dr.in Kristina Lampe: Hallo, Herr Brinkmann. Vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich, hier heute teilnehmen zu dürfen. Olaf Brinkmann: Zu Beginn wie immer die Frage, wollen wir Sie oder du sagen? Dr.in Kristina Lampe: Sehr gerne du. Ich bin Kristina. Olaf Brinkmann: Ich bin der Olaf. Kristina, bevor wir jetzt so richtig loslegen und auf dich als Wissenschaftlerin und das Programm der Zeit schauen, lass uns erst mal etwas spielen, damit wir dich ein bisschen besser kennenlernen. Ich stelle dir jetzt einige Fragen und du wählst zwischen zwei Antworten. Musik, lieber Hip-Hop oder Pop? Dr.in Kristina Lampe: Lieber Pop. Olaf Brinkmann: Bücher, Liebesroman oder Sachbuch? Dr.in Kristina Lampe: Liebesroman. Olaf Brinkmann: Mittagessen, eigene Stulle oder Mensa? Dr.in Kristina Lampe: Eigene Stulle. Olaf Brinkmann: Haustier, Hund oder Katze? Dr.in Kristina Lampe: Hund. Olaf Brinkmann: Habt ihr einen Hund? Dr.in Kristina Lampe: Nein, wir hatten mal eine Katze, aber ich bin mit Hund aufgewachsen und wir wollen auch einen Hund, also Hund. Olaf Brinkmann: Kristina, erzähl mal, seit wann bist du an der HRW und was ist da deine Aufgabe? Dr.in Kristina Lampe: Ich bin seit 2017 wissenschaftliche Mitarbeiterin gewesen und habe jetzt seit knapp zwei Jahren die Stelle als Lehrkraft für besondere Aufgaben in der technischen Mechanik. Ich habe aber tatsächlich auch bei uns an der Hochschule studiert, also sowohl meinen Bachelor im Maschinenbau gemacht als auch meinen Master im technischen Produktionsmanagement. Ich bin also von Anfang an mit dabei und irgendwie hängen geblieben. Ich habe im Rahmen der wissenschaftlichen Mitarbeiterstelle angefangen und bin mittlerweile entfristet als Lehrkraft für besondere Aufgaben da. Olaf Brinkmann: Und Lehrkraft für besondere Aufgaben, was heißt das genau? Dr.in Kristina Lampe: Das klingt sehr speziell im Namen, aber im Prinzip ist es eine Lehrkraft für den Hauptbereich technische Mechanik. Ich mache teilweise auch Mathematik. Der Zusatz besondere Aufgaben heißt bei uns, dass man nicht nur in der regulären Lehre eingebunden ist, sondern auch zusätzliche Aufgaben übernehmen kann, die jedes Semester anders sein können. Man ist da etwas flexibler als Professorinnen und Professoren. Olaf Brinkmann: Der Frauenstudiengang Maschinenbau ist in Deutschland ja einzigartig. Was ist denn anders, wenn nur Frauen in so einem Fach zusammenkommen? Dr.in Kristina Lampe: Wir haben eine ganz andere Gruppendynamik. Die Frauen sind sehr kommunikativ. Im gemischten Studiengang ist es oft so, dass die Leute einzeln oder in kleinen Gruppen zu den Veranstaltungen kommen, danach vielleicht gemeinsam in die Mensa gehen oder direkt nach Hause fahren. Im Frauenstudiengang ist es tatsächlich so, dass alle zusammen vor den Gebäuden stehen und warten, bis alle gemeinsam in die Mensa gehen. Das ist jetzt der fünfte Durchlauf und in jedem Durchlauf ist es gleich. Es ist immer eine große gemeinsame Gruppe. Das ist sehr anders und schön zu beobachten. Olaf Brinkmann: Warum braucht der Maschinenbau mehr Frauen? Dr.in Kristina Lampe: Wenn alles nur aus einer Sichtweise gedacht wird, fehlen teilweise Ansätze. Gerade in der Produktentwicklung wird oft aus Männersicht gedacht. Frauen gehen teilweise anders mit Dingen um und haben andere Sichtweisen. Es geht um heterogene Teams, also auch um Mann und Frau. Ich glaube, da fehlt noch viel Ergänzung. Es gibt Dinge, über die Männer vielleicht gar nicht nachdenken, gerade im Bereich Produktentwicklung. Olaf Brinkmann: Hast du ein konkretes Beispiel? Dr.in Kristina Lampe: Ja, das Thema Crashtest-Dummies. Bis vor kurzem war das immer eine typische männliche Statur. Etwas größer, schwerer als der Durchschnitt von Frauen. Alle Tests wurden daran ausgerichtet. Das finde ich erschreckend. Mein letzter Stand ist von vor etwa zwei Jahren. Ich hätte nicht gedacht, dass es das immer noch gibt. Alle Sicherheitssysteme sind auf diesen männlichen Dummy ausgelegt. Das ist für mich ein klares Beispiel dafür, dass es mehr Frauen in diesem Bereich braucht. Olaf Brinkmann: Du promovierst ja auch. Stell dir vor, du erklärst deiner Oma dein Thema. Worum geht es? Dr.in Kristina Lampe: In der Mechanik haben wir sehr viele Studierende. Es ist ein Grundlagenfach, in dem viele Schwierigkeiten haben mitzukommen, ähnlich wie in der Mathematik. Mein Thema ist die Erforschung eines anderen Lehr- und Aufgabenkonzeptes in der Mechanik. Die Aufgaben laufen meistens nach demselben Schema ab. Ich versuche mit einem speziellen Strategietraining und verschiedenen Aufgabenkonzepten dieses Schema näherzubringen. Ich prüfe, ob diese Art der Lehre dazu führt, dass Studierende bessere Problemlösestrategien entwickeln. Das ist der Fokus der Promotion. Zu schauen, ob das funktioniert. Ich forsche im Bereich Technikdidaktik. In den Ingenieurwissenschaften ist dieser Bereich noch recht jung. In der Physikdidaktik gibt es schon viel Forschung. Das macht es spannend, weil es in der Mechanik noch wenig Grundlagen gibt. Ich lege damit erste Bausteine. Das ist herausfordernd, aber auch schön. Olaf Brinkmann: Du machst beim neuen Fellowship-Programm des Zeit Verlags mit. Was ist das für ein Programm? Dr.in Kristina Lampe: Das Programm heißt SIA, Visible Women in Science. Es geht darum, Frauen in der Wissenschaft sichtbar zu machen. Frauen sind dort immer noch unterrepräsentiert und müssen sich oft besonders beweisen. Das Programm vernetzt verschiedene Hochschulen, Universitäten und Institutionen wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Der Fokus liegt auf Sichtbarkeit. Olaf Brinkmann: Du warst bei der Auftaktveranstaltung in Berlin. Wie war das? Dr.in Kristina Lampe: Es war ein Kennenlernen. Am Anfang kannten sich kaum welche von uns. Wir kommen aus sehr unterschiedlichen Bereichen. Das war sehr schön, weil man über den Tellerrand schauen konnte. Es gab größere Tische, sodass man direkt mit vielen Frauen ins Gespräch kam. Es gab ein Gespräch mit Alena Büx, der Vorsitzenden des Ethikrates. Sie hat viel aus ihrem Leben und ihrem Weg berichtet. Das war wie eine kleine Keynote. Beim Essen haben wir später die Tische gewechselt und konnten alle Fellows kennenlernen. Olaf Brinkmann: Klingt ein bisschen nach Speed-Dating. Dr.in Kristina Lampe: Ja, ein bisschen. Olaf Brinkmann: Wie geht es weiter mit dem Programm? Dr.in Kristina Lampe: Es ist ein Einjahresprogramm. Am Anfang geht es um Kennenlernen und Netzwerke. Es gibt drei Workshops zu Medienlogik, Kommunikation, Sprache und spontanem Auftreten. Außerdem einen Workshop zu Führungskompetenz. Am Ende gibt es eine Abschlussveranstaltung mit den neuen Fellows des nächsten Jahrgangs. So wächst das Netzwerk weiter. Olaf Brinkmann: Never Stop Growing. Was heißt das für dich persönlich? Dr.in Kristina Lampe: Nicht aufhören zu wachsen. Ziele immer wieder etwas höher stecken und sich weiterentwickeln. Olaf Brinkmann: Was brauchen Frauen, um in der Wissenschaft wachsen zu können? Dr.in Kristina Lampe: Ein gutes Netzwerk, viel Austausch und Mentoren, die zuhören und unterstützen. Olaf Brinkmann: Was ist nötig, um Never Stop Growing an der HRW zu leben? Dr.in Kristina Lampe: Der Wille, einen Weg zu gehen. Die Strukturen sind da. Man kann Bachelor, Master und auch eine Promotion machen. Der Rest ist Persönlichkeit und eigener Wille. Olaf Brinkmann: Never Stop Growing wird an der HRW kommuniziert, indem? Dr.in Kristina Lampe: Durch Veranstaltungen wie den Tag der offenen Hochschule. Durch Sichtbarkeit der Studierenden, der Absolventinnen und Absolventen und der Forschung. Da können wir noch besser werden, aber es geht um das Sichtbarmachen der Erfolge. Olaf Brinkmann: Die HRW schafft Raum für Entwicklung, weil? Dr.in Kristina Lampe: Weil sie eine kleine, gut organisierte Hochschule ist mit viel Nähe zwischen Studierenden und Lehrenden und vielen individuellen Angeboten. Olaf Brinkmann: An der HRW können Studierende wachsen, wenn? Dr.in Kristina Lampe: Wenn sie wollen. Olaf Brinkmann: Kristina, vielen Dank für deine spannenden Antworten. Ich drücke dir die Daumen für das Programm und für deine Promotion. Dr.in Kristina Lampe: Vielen Dank, Olaf. Olaf Brinkmann: Liebe Hörerinnen und Hörer, empfehlt unseren Podcast gerne weiter und abonniert uns. Hinterlasst uns auch Sterne bei Spotify. Darüber freuen wir uns. Danke fürs Zuhören. Bis zum nächsten Mal. Euer Olaf.