Olaf Brinkmann: Der hrw-Podcast der Wissenschaft. In dieser Folge, was kann und darf KI? Herausforderungen und Chancen kluger Technik. Hallo und herzlich willkommen beim hrw-Podcast der Wissenschaft. Mein Name ist Olaf Brinkmann. Heute wird es richtig spannend, denn wir beschäftigen uns in dieser Folge mit etwas, das uns ständig begegnet, wir aber üblicherweise kaum überblicken können. Es geht um künstliche Intelligenz, also KI. KI kommt zum Einsatz, wenn wir Musik hören und Lieder vorgeschlagen bekommen oder wenn wir unser Smartphone mit unserem Gesicht entsperren. Mit KI kriegen wir es auch zu tun, wenn wir bei unserem Telefonanbieter anrufen und eine Computerstimme uns helfen will. Und KI ist für die Wirtschaft von größter Bedeutung. Warum, das frage ich gleich Frau Prof. Dr. Isabel Lausberg. Sie ist Professorin für BWL, vor allem für Controlling und sie befasst sich mit Fragen an der Schnittstelle von Ökonomie und künstlicher Intelligenz. Jetzt sage ich aber erst mal Hallo Frau Prof. Dr. Lausberg. Schön, dass Sie heute da sind. Prof.in Dr. Isabel Lausberg: Hallo Herr Brinkmann. Olaf Brinkmann: Zu Beginn, wie immer die Frage, wollen wir Sie oder du sagen? Prof.in Dr. Isabel Lausberg: Wir können gerne du sagen. Olaf Brinkmann: Das ist an der hrw auch weit verbreitet. Sehr schön. Ich bin der Olaf. Prof.in Dr. Isabel Lausberg: Hallo Isabel. Olaf Brinkmann: Du kennst unseren Podcast ja und weißt, wir spielen zu Beginn immer ein Spiel, um unsere Gäste ein bisschen besser kennenzulernen. Ich stelle dir jetzt Fragen und du wählst zwischen zwei Antworten. Prof.in Dr. Isabel Lausberg: Okay, alles klar. Olaf Brinkmann: Kontakt mit Freunden, Telefonat oder Sprachnachricht? Prof.in Dr. Isabel Lausberg: Telefonat. Olaf Brinkmann: Schwimmen, Seepferdchen oder Gold? Prof.in Dr. Isabel Lausberg: Gold. Olaf Brinkmann: Tanzen, lieber Walzer oder Foxtrott? Prof.in Dr. Isabel Lausberg: Weder noch. Olaf Brinkmann: Isabel, du gehörst zum Wirtschaftsinstitut an der hrw und ich habe gesehen, ihr seid dort richtig viele Leute. Kannst du bitte mal ganz kurz sagen, womit ihr euch beschäftigt? Prof.in Dr. Isabel Lausberg: Ja, das Wirtschaftsinstitut deckt eine ganze Bandbreite von wirtschaftlichen Themen ab. Das reicht von der Volkswirtschaftslehre über fast sämtliche Facetten der Betriebswirtschaftslehre, also Marketing, Finanzen, Rechnungswesen, mein Bereich Controlling. Da sind wir mittlerweile recht gut aufgestellt. Ich glaube, wir haben 25 Professoren und Professorinnen im Wirtschaftsinstitut. Olaf Brinkmann: Stichwort künstliche Intelligenz. Was fasziniert dich da so dran? Prof.in Dr. Isabel Lausberg: Mich faszinieren vor allen Dingen die Potenziale, die sich durch künstliche Intelligenz eröffnen. Du hast das gerade im Vorspann schon angedeutet, dass uns künstliche Intelligenz ganz häufig begegnet. Und das wird immer mehr. Manchmal merken wir das gar nicht. Aber wenn man sich fragt, wo steckt denn überall künstliche Intelligenz drin, dann merkt man, dass man ganz viele Berührungspunkte damit hat. Und das Thema ist einfach so spannend, weil es so stark wächst und sich in dem Bereich sehr viel tut und das Thema eine ungewöhnlich hohe Dynamik hat. Olaf Brinkmann: Wenn ich jetzt in deine Lehrveranstaltungen komme, wie stark geht es dann da um KI, um künstliche Intelligenz? Prof.in Dr. Isabel Lausberg: Gut, dazu muss ich sagen, ich bin Primärprofessorin für Controlling. Das heißt, in erster Linie geht es um Controlling. Allerdings gibt es im Controlling, wie in allen anderen Disziplinen der BWL und VWL, große Berührungspunkte mit der künstlichen Intelligenz. Und diese Berührungspunkte behandeln wir dann zum Beispiel in meinem Wahlmodul. Ich habe ein Forschungsseminar, und in dem Forschungsseminar gucken wir uns dann zum Beispiel einen KI-Use-Case im Controlling an. Oder wir überlegen, wie man KI im Reporting eines Unternehmens oder auch der Hochschule einsetzen kann. Das heißt, in diesen spezialisierteren Modulen greifen wir die Anknüpfungspunkte an die KI auf. Und das ist der Punkt, wo es für uns spannend wird. Nämlich für die Unternehmen stellen sich ganz viele Fragen. Zum Beispiel, wie setze ich KI sinnvoll im Marketing ein? Oder wo sind Ansatzpunkte für KI im Rechnungswesen oder in den Prozessen der Unternehmen? Und da ist natürlich eine ökonomische Sichtweise gefragt. Olaf Brinkmann: Was ist denn die größte Chance, die KI bietet? Prof.in Dr. Isabel Lausberg: Die größte Chance aus meiner betriebswirtschaftlichen Sicht ist sicherlich eine Effektivitäts- und Effizienzsteigerung. Wir können mit KI zu besseren Entscheidungen kommen. Und das hilft uns eben auch, Ziele zu erreichen. Ich mache mal ein Beispiel. Im Controlling geht es im Wesentlichen um Informationen und diese Informationen für Entscheidungen zu nutzen. Und KI macht nichts anderes, als Daten und Informationen auszuwerten. Und dieses Nutzbarmachen von Daten, die in der Regel sowieso vorhanden sind, da liegt eine Riesenchance für die Unternehmen. Olaf Brinkmann: Und vor welche Herausforderungen stellt diese Technik die Firmen? Wo drückt der Schuh besonders? Prof.in Dr. Isabel Lausberg: Vielleicht noch mal ganz kurz einen Bogen geschlagen. Der Begriff künstliche Intelligenz ist ja so ein bisschen irreführend. Man denkt vielleicht, das ist so eine menschliche Eigenschaft. Die hat die künstliche Intelligenz aber gar nicht, sondern es handelt sich immer um mathematische Modelle. Und die Herausforderung ist darin, diese mathematischen Modelle sinnvoll einzusetzen. Und die dahinterliegenden Daten nützen nur dann etwas, wenn sie eine hohe Qualität haben. Und deswegen liegt die Herausforderung darin, Daten mit einer hohen Qualität zu haben, die dann in geeigneten Modellen verwertet werden. Und ein Risiko ist, dass KI da eingesetzt wird, wo die Datenqualität nicht hoch ist, oder dass Modelle eingesetzt werden, die nicht geeignet sind und man damit nicht zu sinnvollen Entscheidungen kommt, sondern Gefahr läuft, dass Entscheidungen fehlgeleitet sind. Nehmen wir mal die Robo-Advisory. Das ist im Prinzip der virtuelle Bankberater oder die Bankberaterin, die Anlageempfehlungen gibt. Das kann nur funktionieren, wenn die dahinterliegenden Daten und die zugrunde gelegten Modelle sinnvoll sind. Sonst sind die Anlageempfehlungen nicht sinnvoll und helfen dem Kunden oder der Kundin nicht weiter. Olaf Brinkmann: Würdest du dem KI-Anlageberater der Bank trauen? Prof.in Dr. Isabel Lausberg: Nein, ehrlich gesagt eher nicht, weil ich glaube, dass diese Anlageberater noch nicht ausgereift sind. Ich glaube, da liegt ein großes Potenzial und ich könnte mir vorstellen, dass sie meine Entscheidung sinnvoll unterstützen können. Aber vollständiges Vertrauen, im Sinne von, ich mache das, was der Robo-Advisor mir sagt, das wäre nicht gut. Ich glaube, als Nutzende müssen wir sehr kritisch mit dem umgehen, was KI uns liefert. Olaf Brinkmann: Jetzt haben wir vorhin schon darüber gesprochen, dass viele verschiedene Disziplinen davon betroffen sind. Das ist ja auch für die Studierenden eine spannende Geschichte. Welches Expertenwissen brauchen die künftig am Arbeitsmarkt? Prof.in Dr. Isabel Lausberg: Das finde ich eine ganz wichtige Frage. Durch die zunehmende Verbreitung von KI werden kompetenznahe Studierende immer wichtiger. Und die wichtigste Voraussetzung für Studierende ist aus meiner Sicht eine Offenheit. Offenheit gegenüber neuen Themen, Offenheit gegenüber Lernen. Das heißt, sich nicht verschließen und nur in die eigene fachliche Richtung schauen, sondern offen sein für interdisziplinären Austausch. Und natürlich auch Offenheit, sich mit IT-Fragen und Programmierung auseinanderzusetzen. Für meinen Bereich Controlling wird es immer wichtiger, Kenntnisse zu haben, wie ich mit Daten umgehe, was KI bedeutet, wie KI angewandt wird, welche Probleme KI mit sich bringt. Das vertiefen wir in unseren Lehrveranstaltungen, aber aufgrund der Dynamik des Themas ist es wichtig, immer dran zu bleiben. Und für Studierende möchte ich betonen, dass das Thema so wichtig ist, dass man es auf keinen Fall auslassen sollte. Studierende mit entsprechenden Qualifikationen sind sehr gefragt am Arbeitsmarkt. Olaf Brinkmann: Im März 2023 soll eine Konferenz zum Thema KI aus ökonomischer Perspektive an der HRW in Mülheim an der Ruhr stattfinden. Steht das Programm schon fest oder werden noch Vortragende gesucht? Prof.in Dr. Isabel Lausberg: Das Programm steht noch nicht fest, denn die Einreichungsfrist für die Beiträge ist noch nicht vorbei. Die geht bis September. Interessierte können gerne noch Beiträge einreichen. Ich hoffe, dass wir ein attraktives und interdisziplinäres Programm zusammenbekommen. Wir haben eine Website, auf der man sich über die Konferenz informieren kann. Wir sind mitten in der Vorbereitung und kommen jetzt in die intensive Phase, in der wir den Endspurt bis März einlegen werden, um diese Konferenz zu einem großen Erfolg zu machen. Olaf Brinkmann: Was muss ich tun, wenn ich bei euch Speaker sein möchte? Gibt es einen Call for Papers? Prof.in Dr. Isabel Lausberg: Es gibt einen Call for Papers. Der ist auf unserer Website zu finden. Die Website findet man mit dem Titel der Konferenz, The Economic Perspective on Artificial Intelligence, abgekürzt EPEAI. Man findet sie unter epe.ai. Dort finden sich die weiteren Informationen. Das heißt, wenn die Hörenden Interesse an der Konferenz haben, gerne dort nachschauen, den Call for Papers weiterleiten und sich für die Konferenz anmelden oder idealerweise einen Beitrag einreichen. Olaf Brinkmann: Isabel, danke schon mal für deine spannenden Antworten zur KI. Lass uns jetzt einen Blick werfen auf den Claim der Hochschule. Wir haben dafür das Format Never Stop Growing und du in diesem Podcast. Ich stelle dir jetzt drei Fragen. Bitte antworte ganz kurz und spontan. Prof.in Dr. Isabel Lausberg: Okay. Olaf Brinkmann: Never Stop Growing. Ist das ein ambitionierter Claim oder für eine Hochschule vielleicht sogar selbstverständlich? Prof.in Dr. Isabel Lausberg: Es ist auf jeden Fall ein ambitionierter Claim und ich finde ihn für eine Hochschule richtig gut. Olaf Brinkmann: Wie wird der Claim an der Hochschule gelebt? Prof.in Dr. Isabel Lausberg: Ich glaube, so ein Claim wird durch ganz viele Individuen gelebt, die gemeinsam dieses Ziel verfolgen. Und jeder liefert seinen Beitrag dazu. Dieser Claim ist prädestiniert für eine Hochschule, denn an der Hochschule geht es darum, sich persönlich weiterzuentwickeln. Olaf Brinkmann: Und was braucht es, damit jede Mitarbeiterin, jeder Mitarbeiter wachsen kann? Prof.in Dr. Isabel Lausberg: Es braucht vernünftige Strukturen und es braucht vor allem, Steine aus dem Weg zu räumen. Häufig gibt es viel Bürokratie oder Hindernisse. Und dieses Steine aus dem Weg räumen hilft, dem Anspruch gerecht zu werden. Aber natürlich muss jeder auch ein Open Mindset mitbringen. Olaf Brinkmann: Jetzt vervollständige bitte diese Sätze. Never Stop Growing ist für mich als Professorin wichtig, weil... Prof.in Dr. Isabel Lausberg: Ich darin die Verpflichtung sehe, weiter zu wachsen und ständig Neues zu lernen und das an meine Studierenden weiterzugeben. Olaf Brinkmann: Studierende können wachsen, indem... Prof.in Dr. Isabel Lausberg: Indem sie Offenheit für neue Inhalte und neue Erfahrungen mitbringen und die dann auch leben. Olaf Brinkmann: Und Wachstum ist möglich, wenn... Prof.in Dr. Isabel Lausberg: Wenn man es wirklich möchte. Olaf Brinkmann: Ja, so ist es wohl. Man muss es nur wollen. Was ich jetzt eigentlich gar nicht möchte, ist zu sagen, wir sind am Ende, Isabel. Ganz lieben Dank für all deine spannenden Antworten. Danke dir für das schöne Interview. Wenn ihr, liebe Hörerinnen und Hörer, Isabel mal treffen wollt, sie lehrt allgemeine BWL, Controlling und interne Unternehmensrechnung. Über die Studiengänge des Wirtschaftsinstituts informiert ihr euch am besten auf unserer Internetseite. Dort erfahrt ihr auch, wann ihr euch einschreiben und beginnen könnt. Jetzt habe ich noch eine Bitte, wie immer, teilt unseren Podcast, wenn er euch gefällt und abonniert uns. Dann bekommt ihr eine Nachricht auf euer Smartphone, wenn eine neue Podcast-Folge da ist. Bewertet uns auch bei Spotify, darüber freuen wir uns. Jetzt sage ich danke und bis zum nächsten Mal, euer Olaf.