Olaf Brinkmann: Der hrw Podcast der Wissenschaft. In dieser Folge Roboter und Spot. So bereichert eine Maschine die Lehre. Hallo und herzlich willkommen zum hrw Podcast der Wissenschaft. Ich freue mich, dass ihr wieder eingeschaltet habt. Mein Name ist Olaf Brinkmann. Wünscht ihr euch auch manchmal einen Roboter, der die Wohnung aufräumt oder die Wäsche in den Keller trägt? Heute sprechen wir über Spot. Das ist ein Roboterhund, der noch viel mehr drauf hat als das. Er kann zum Beispiel auch in der Pflege eingesetzt werden oder Daten bei Bauprojekten sammeln. Prof. Dr. Joachim Friedhoff vom hrw Institut Maschinenbau darf ich heute rund um die Maschine löchern, denn die hrw hat so einen Roboterhund angeschafft und nutzt ihn jetzt in der Lehre und in der Forschung. Prof. Dr. Joachim Friedhoff wird uns gleich mehr über Spot erzählen. Jetzt sage ich erst mal Hallo, Herr Doktor Friedhoff. Schön, dass Sie heute da sind. Prof. Dr. Joachim Friedhoff: Hallo, Herr Brinkmann. Zu Beginn, wie immer die Frage, wollen wir Sie oder du sagen? Olaf Brinkmann: Gerne du. Joachim, ich bin der Olaf. Du kennst unseren Podcast bereits. Am Anfang wollen wir unsere Gäste immer gerne ein bisschen besser kennenlernen. Ich stelle dir jetzt eine Frage und du wählst dann zwischen zwei Antworten. Auto, Familienvan oder Sportflitzer? Prof. Dr. Joachim Friedhoff: Luxuskarosse. Olaf Brinkmann: Bücher, Roman oder Sachbuch? Prof. Dr. Joachim Friedhoff: Sachbuch. Olaf Brinkmann: Süßes, Torte oder Topfkuchen? Prof. Dr. Joachim Friedhoff: Torte. Olaf Brinkmann: Haustier, Hund oder Katze? Prof. Dr. Joachim Friedhoff: Hund. Olaf Brinkmann: Joachim, an der hrw leitest du das Institut Maschinenbau und dein Lehrgebiet sind CAX Technologien. Für mich als Laien, was ist das? Was bringst du deinen Studierenden bei? Prof. Dr. Joachim Friedhoff: Ganz allgemein kann man sagen, das sind die computergestützten Methoden im Maschinenbau, insbesondere die computergestützten Methoden auf dieser Kette von der Konstruktion bis zur Produktion. Das ist mein Themengebiet. Das Thema Digitalisierung ist ja in aller Munde und betrifft natürlich auch den Maschinenbau. Dazu möchte ich meinen Beitrag leisten. Olaf Brinkmann: Und du bist seit 2012 an der hrw. Vielleicht kannst du mal kurz schildern, wie wird man eigentlich Professor oder anders gefragt, wie bist du Professor geworden? Das war ja nicht so der ganz klassische Weg. Prof. Dr. Joachim Friedhoff: Ich glaube, das war nicht so ein klassischer Weg. Ich bin eigentlich überhaupt kein klassischer Lerntyp. Ich bin von der Hauptschule gekommen, habe gerade eben meinen Hauptschulabschluss geschafft, zum Glück mit einer Qualifikation für die mittlere Reife, und habe mich dann bis zum Abitur hochgearbeitet. Ich habe versucht, irgendwo eine Lehrstelle zu bekommen, aber mich hat keiner genommen. Dann habe ich mehr aus Verlegenheit heraus studiert und habe zum Glück die Informatik gefunden als Studium, die mich sehr interessiert hat. Mit dem Interesse fürs Studium ging es dann auch ein bisschen besser mit dem Lernen, obwohl ich die ersten beiden Semester durch jede Prüfung durchgefallen bin. Mit der Zeit wurde es dann besser. Ich habe dann auch ein ganz gutes Studium hingelegt zum Abschluss und hatte das Glück, als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni in Dortmund weiter beschäftigt zu werden. Damals im Maschinenbau. Das hatte mich eigentlich schon immer interessiert. Ich habe Informatik studiert, aber meine Diplomarbeit schon im Maschinenbau gemacht und war dann auch als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Maschinenbau tätig. Dort hatte ich auch die Möglichkeit, im Maschinenbauthema zu promovieren. Daher rührt meine Doppelqualifikation. Die, die mich nicht mögen, sagen, eigentlich kannst du nichts so richtig. Das stimmt auch ein bisschen. Die, die mich leiden können, sagen, deine Stärken liegen genau auf der Schnittstelle zwischen diesen beiden Technologien, also dem Maschinenbau als Anwendungswissenschaft und der Informatik als Methodenwissenschaft. Aus dieser Qualifikation heraus habe ich dann mein Unternehmen gegründet, eine Firma, die es seit über 20 Jahren gibt, habe die Geschäftsführung gemacht und vor zehn Jahren die Gelegenheit bekommen, eine Professur zu übernehmen an der damals noch ganz jungen Hochschule Ruhr West. Das hat mich wahnsinnig interessiert, weil ich schon als wissenschaftlicher Mitarbeiter gemerkt habe, dass ich ein gewisses Talent habe, Dinge zu erklären. Ich habe mich beworben und die Professur bekommen. Olaf Brinkmann: Jetzt hast du vorhin bei der Wahl zwischen Hund und Katze dich für Hund entschieden. Lass uns mal auf Spot, den Roboterhund, schauen. Den finde ich wirklich spannend. Kannst du für unsere Hörerinnen und Hörer erst mal beschreiben, wie sieht er denn aus? Prof. Dr. Joachim Friedhoff: Ich hätte fast gesagt, er sieht aus wie ein Hund. Das ist natürlich nur sehr grob betrachtet. Zumindest hat er eine gewisse Ähnlichkeit durch das Laufverhalten. Er läuft nicht auf Rädern, sondern auf Beinen, wobei das Knie umgedreht ist. Er hat eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Hund. Boston Dynamics zeigt in beeindruckender Weise, wie man Roboter mit geeigneter Sensorik und Aktorik zu einer sehr hohen Dynamik bringen kann. Das kann dieser Roboterhund Spot auch ganz gut. Er ist hochdynamisch. Olaf Brinkmann: Jetzt hast du schon gesagt, er ist von der Firma Boston Dynamics entwickelt worden. Die hrw hat jetzt einen gekauft. Erzähl doch bitte mal, was kann der alles? Prof. Dr. Joachim Friedhoff: Ich gehe einen Schritt zurück. Es gibt ein Polizeitechnologie Center in Duisburg, das neu eingeweiht worden ist. Von dort stammt auch der Roboterhund, der in das abgebrannte Essener Haus gegangen ist. Der Innenminister Reul hat bei der Eröffnung gesagt, wir wissen noch gar nicht, was wir mit diesem Roboterhund anfangen können. Aber wenn wir es nicht ausprobieren, dann wissen wir es auch in Zukunft nicht. Genauso möchte ich auch mit dem Roboterhund vorgehen. Mit den Studierenden gemeinsam Ideen entwickeln, wofür man ihn nutzen kann. Ich habe natürlich konkrete Ideen, aber ich will das weiter fassen und offen fragen, wofür kann man das einsetzen. Olaf Brinkmann: Kannst du Beispiele nennen, wo er jetzt schon außerhalb der Wissenschaft aktiv ist? Prof. Dr. Joachim Friedhoff: Ein Beispiel ist der Großbrand. In ein teilabgebranntes Haus zu gehen, ist für Menschen gefährlich. Für so einen Hund ist das unbekanntes Terrain. Umgekehrt kann man ihn auch im bekannten Terrain einsetzen. Fahrten kann man teachen. Beispielsweise könnte er den Postgang übernehmen. Vom Gebäude zur Poststelle gehen, dort beladen werden, Post abgeben, Post entgegennehmen und zurückbringen. Aus meinem professionellen Kontext heraus gibt es ein weiteres Beispiel, das wir gerade konzipieren. Wir statten den Hund mit einem terrestrischen Laserscanner aus. Der ist in der Lage, die Umgebung räumlich zu erfassen. In einem Neubau gibt es Pläne und digitale Pläne. Es gibt einen digitalen Zwilling des Gebäudes. Jetzt ist das Gebäude gebaut und es geht um Qualitätskontrolle. Ist das Gebäude so gebaut worden wie geplant? Dann schickt man den Hund durch das Gebäude. Der Laserscanner auf dem Rücken des Hundes scannt die Umgebung und misst nach. Stimmen die Deckenhöhen oder gibt es Abweichungen? Diese Informationen werden gesammelt und ausgewertet. Olaf Brinkmann: Großartig. Und in der Lehre. Inwiefern profitieren Studierende davon, wenn dieser Roboterhund durch den Seminarraum läuft? Prof. Dr. Joachim Friedhoff: Es ist wichtig, dass Studierende mit modernen Motiven konfrontiert werden. Auch mit konkreten Use Cases. Das können sie hands on ausprobieren. Ich lehre im Maschinenbau auch Informatik. Ich stelle mir vor, dass Studierende den Roboterhund ein Stück weit programmieren. Laufwege programmieren, Eigenschaften programmieren. So bekommen sie einen anderen Zugang zum Thema Programmieren, das für Maschinenbauer manchmal etwas knochig ist. Da kann der Roboterhund eine große Hilfe sein. Olaf Brinkmann: Können denn auch Firmen in der Region davon profitieren? Prof. Dr. Joachim Friedhoff: Ja, absolut. Wir planen offene Tage für Unternehmen, die Interesse an der Technologie haben. Wir werden auch aktiv auf größere Unternehmen in der Region zugehen, die duale Studierende im Maschinenbau haben. Dort werden wir Kooperationsprojekte initiieren. Olaf Brinkmann: Jetzt geht es am Institut Maschinenbau ja nicht nur um Spot. Was macht ihr sonst noch so? Prof. Dr. Joachim Friedhoff: Wir haben einen Forschungsschwerpunkt zu Mobilitätskonzepten. Ich vermeide gerne das Wort intelligent. Man kann auch digitale oder smarte Mobilitätskonzepte sagen. Mobilität neu zu denken. Ist Elektromobilität der Weg in die Zukunft? Ist es eine Übergangstechnologie? Muss jeder ein Auto besitzen? Welche Rolle spielt der ÖPNV? Das sind Fragen, mit denen wir uns intensiv beschäftigen. Olaf Brinkmann: In dieser Podcast Staffel schauen wir auch auf den Claim Never Stop Growing. Antworte bitte kurz und spontan. An was denkst du, wenn du den Claim hörst? Prof. Dr. Joachim Friedhoff: Lebenslanges Lernen. Olaf Brinkmann: Was tut die Hochschule, damit dieser Claim gelebt wird? Prof. Dr. Joachim Friedhoff: Wir leben einen offenen Mindset. Die Bereitschaft, sich zu verändern und Dinge neu zu denken. Olaf Brinkmann: Wie spürst du den Claim in deiner täglichen Arbeit? Prof. Dr. Joachim Friedhoff: Ich erwarte diesen Mindset auch von Kolleginnen und Kollegen und vom Servicebereich. Nicht zu sagen, das haben wir immer so gemacht, sondern Prozesse zu überdenken und weiterzuentwickeln. Olaf Brinkmann: Jetzt vervollständige bitte noch diese Sätze. Studierende können an der hrw wachsen, wenn? Prof. Dr. Joachim Friedhoff: Wenn sie sich gut selbst einschätzen können und wissen, warum sie ihr Studienfach gewählt haben. Olaf Brinkmann: An der hrw ist Wachstum möglich, weil? Prof. Dr. Joachim Friedhoff: Weil wir die Voraussetzungen für eine kreative Lernatmosphäre bieten. Olaf Brinkmann: Joachim, ganz lieben Dank für all deine interessanten Antworten. Bin gespannt, wie sich solche Roboter weiterentwickeln und was in Zukunft möglich ist. Prof. Dr. Joachim Friedhoff: Vielen Dank für das Gespräch. Olaf Brinkmann: Wenn ihr Joachim treffen wollt, er ist Dekan im Fachbereich 3 und leitet das Institut Maschinenbau. Ab Mai könnt ihr euch an unserer Hochschule bewerben und einschreiben. Habt ihr unseren Podcast schon abonniert? Dann bekommt ihr eine Nachricht, wenn die nächste Folge da ist. Lasst uns gerne ein paar Sterne bei Spotify da. Teilt unseren Podcast mit Kolleginnen und Kollegen, mit Kommilitoninnen und Kommilitonen, mit Freunden oder der Familie und überlegt einfach mal, für wen unser Roboterhund spannend ist. Danke, habt eine gute Zeit, bis zur nächsten Folge, euer Olaf.